„Immo Tommy“ ist in den vergangenen Jahren in den sozialen Netzwerken eine Marke geworden. Der Stuttgarter Tomislav Primorac nennt sich selbst „Europas größter Immobilien-Influencer“ und gibt seinen über zwei Millionen Followern auf den Plattformen Tiktok oder Instagram in kurzen Videos Tipps zu Finanzen und Investitionen in Immobilien.
Doch nicht nur das. Primorac hat vor einiger Zeit damit angefangen, auch selbst ins Immobiliengeschäft einzusteigen. Er wirbt damit, durch Investments reich geworden zu sein – und bietet an, auch anderen dabei behilflich zu sein. „In drei einfachen Schritten zur eigenen Immobilie, die sich nahezu von selbst finanziert“, heißt es auf seiner Internetseite. Mittels eines umfangreichen Netzwerks könne er die komplette Abwicklung anbieten von der Suche nach einer passenden Immobilie bis hin zur Finanzierung und Mietersuche. Wohnungskauf als Spaziergang, könnte man meinen.
Allerdings fällt jetzt ein Schatten auf die schöne Immo-Welt. In einer Berichterstattung von „Spiegel“ und NDR äußern sich Menschen, die mit „Immo Tommy“ und seinem Team nicht ganz so gute Erfahrungen gemacht haben wollen. Bei dem Rundum-Sorglos-Paket soll in manchen Fällen einiges schief gelaufen sein. Vorwürfe wegen überteuerter Schrottimmobilien, riskanter Finanzierungen und versteckter Provisionen für den Influencer selbst stehen im Raum. Als Folge warnen Verbraucherzentrale, Haus & Grund und weitere Organisationen generell davor, den diversen Finanz-Influencern auf dem Online-Markt zu leichtfertig Glauben zu schenken.
Gegenüber „Spiegel“ und NDR hat Primorac die Vorwürfe zurückgewiesen ohne dabei auf Details einzugehen. Anfragen unserer Zeitung hat der Influencer, der sich derzeit im Urlaub in Kroatien befindet, bisher nicht beantwortet. Dafür hat er sich in dieser Woche in einem Video in den sozialen Netzwerken zu Wort gemeldet. Es ist mittlerweile zigtausendfach gesehen und kommentiert worden – in alle Richtungen von der Beleidigung bis hin zum überschwänglichen Beifall.
„Es sind Menschen beteiligt“
Primorac betont in dem kurzen Film, er stelle sich der Kritik. Allerdings hätten er und sein Team mittlerweile über 500 Immobilien vermittelt. „Natürlich kann da auch mal etwas schief gehen. Es sind Menschen beteiligt“, sagt er. Er habe „tonnenweise“ Zuschriften von zufriedenen Kunden bekommen. Falls es Fehler gegeben habe, werde er sie aus der Welt schaffen. „Wir suchen die verantwortlichen Personen und werden sie dafür verantwortlich machen, dass sie ihrer Pflicht nachkommen“, verspricht er – ohne auf die konkreten Vorwürfe gegen ihn selbst, etwa undurchsichtige Provisionen, einzugehen.
Er räumt allerdings ein, dass sein Geschäft „in den vergangenen Jahren explodiert“ sei: „Ich konnte nicht mehr alles kontrollieren.“ Er betont, man habe sich schon vor Monaten von Partnern getrennt, die nicht die nötigen Qualitätsstandards aufgewiesen hätten. „Ich werde mich jetzt gesundschrumpfen“, kündigt er an – und gibt eine Teilschuld bei möglichen Problemen auch den Erwerbern: „Zum Immobilienkauf gehört ein Stück weit Eigenverantwortung.“ Primorac beklagt, dass in den vergangenen Tagen sehr viel auf ihn eingeprasselt sei – aber nicht nur auf ihn: „Ich kann mit Kritik umgehen, aber nicht mit Morddrohungen gegen meine Frau und meine Kinder. Das ist unter aller Kanone.“
Zivilverfahren in Rottweil
Doch was liegt derzeit eigentlich gegen Primorac vor? Nach Recherchen unserer Zeitung ist juristisch einiges im Gange, aber sehr wenig konkret. Ein Sprecher des Landgerichts Rottweil bestätigt, dass es dort ein Zivilverfahren gibt. Dabei gehe es um einen Immobilienkauf im Raum Tuttlingen, der über das Netzwerk von „Immo Tommy“ erfolgt sei. „Hier begehrt die Käuferin als Klägerin die Rückzahlung des Kaufpreises von der Verkäuferin“, so der Sprecher. Beklagt sind also offenbar weder Primorac noch Angehörige seines Netzwerks. Verhandelt werden soll die Sache Ende November.
Ein aktuelles Zivilverfahren gegen Primorac selbst gibt es am Landgericht Stuttgart. Dabei geht es allerdings nicht um Immobilienverkäufe. Stattdessen beantragt eine Immobilienmaklergesellschaft, es „Immo Tommy“ im Wege der einstweiligen Verfügung zu untersagen, auf seinen Websites mit seiner vermeintlichen Bekanntheit aus Medienveröffentlichungen zu werben. Diese Werbeaussagen seien irreführend, da sie nicht mit einer Quellenangabe versehen seien. Die Kammer hat das Verfahren bisher noch nicht geprüft.
Bisher kein Ermittlungsverfahren
Strafanzeigen gegen Primorac liegen derzeit weder bei der Staatsanwaltschaft in Rottweil noch in Stuttgart vor. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft befasst sich allerdings trotzdem mit den Vorwürfen, die in der Immobiliensache erhoben werden. „Wir prüfen aufgrund der Berichterstattung wegen des Verdachts des Betruges“, sagt Sprecherin Stefanie Ruben. Ein Ermittlungsverfahren sei bisher aber nicht eingeleitet worden. So bleibt zunächst einmal offen, was an den Vorwürfen gegen „Immo Tommy“ und sein Netzwerk dran ist.