Staatsbesuch Putin und Tsipras auf Freundschaftskurs

Großer Empfang im Kreml: Wladimir Putin (rechts) will allem Anschein nach mit Alexis Tsipras auf Augenhöhe verhandeln. Foto: dpa
Großer Empfang im Kreml: Wladimir Putin (rechts) will allem Anschein nach mit Alexis Tsipras auf Augenhöhe verhandeln. Foto: dpa

Mitten in der russisch-europäischen Krise wollen Russland und Griechenland ihre Zusammenarbeit ausbauen. Als Gast von Wladimir Putin warnt Alexis Tsipras die EU, dass seine Zustimmung zu den Sanktionen gegen Russland nicht von Dauer sein könnte.

Korrespondenten: Elke Windisch (win)

Moskau - Er freue sich sehr, in Moskau zu sein, sagte Alexis Tsipras und strahlte über das Gesicht. Auch Wladimir Putin zeigte Begeisterung, was in letzter Zeit selten vorkam. Doch der Gast war mit seiner Lobeshymne noch nicht fertig. Ziel seines Besuchs seien „gemeinsame Bemühungen um einen Neustart der Beziehungen zum Wohle unserer Völker“ und um Stabilität und Sicherheit in der Region. „Im weitesten Sinne des Wortes “, sagte Tsipras.

Welche Region meinte er? Byzanz? Ostrom, wo griechische Eliten das Sagen hatten, die zeitweilig den gesamten Balkan kontrollierten und Russland vor tausend Jahren zum Christentum bekehrten? Jenes Russland, das sich inzwischen als Erbe von Byzanz und drittes Rom sieht. Bis ins Letzte konnte offenbar auch Ex-KGB-Mann Putin die kryptische Botschaft nicht entschlüsseln. Doch ließen Mimik und Gestik während des Fototermins vor den Verhandlungen auf den Beginn einer Männerfreundschaft schließen – ähnlich wie bei Putin und Gerhard Schröder.

Putin kommt der Besuch „sehr gelegen“

Putin zeigt sich nach wie vor gern als ­Alphatier. Auf internationalem Parkett demonstriert er lieber seine inzwischen vollendeten Umgangsformen. Oder er zieht alle Register der Verhandlungskunst und lässt weniger erfahrene Partner auflaufen, wenn die politische Zweckmäßigkeit es gebietet. Gegenüber Tsipras kehrte Putin nicht den gönnerhaften reichen Onkel heraus – eher den älteren Freund. Die Bereitschaft, auf Augenhöhe zu verhandeln, verriet schon die Sitzhaltung. Gewöhnlich beugen Putins Gäste den Rücken leicht vor, um dessen Ausführungen zu lauschen, der Kremlherrscher lehnt sich entspannt zurück. Mit Tsipras war es umgekehrt. Dessen Besuch, so Putin, käme „sehr gelegen“.

Bis zu den Sanktionen wegen der Ukraine-Krise sei Russland Griechenlands größter Handelspartner gewesen. Man werde sich gemeinsam bemühen, diesen Zustand wiederherzustellen. Dann schlossen sich die stuckvergoldeten Flügeltüren. Bei den Verhandlungen, so Kremlsprecher Dmitri Peskow, gehe es vor allem um die Beziehungen Russland-EU und um Griechenlands Schulden. Finanzminister Anton Siluanow indes sagte, mit ihm habe Tsipras keinen Termin. Zuvor hatten russische Medien unter Berufung auf eine Quelle in Tsipras’ Umgebung gemeldet, Griechenland habe Moskau nicht um finanzielle Unterstützung gebeten. Tsipras selbst hatte der amtlichen Nachrichtenagentur TASS erklärt, Athen werde das Schuldenproblem „mit niemandem außer den EU-Staaten lösen“.




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