Staatsexamen Juristen dürfen Computer nutzen

Das juristische Examen ist herausfordernd. Foto: dpa-tmn/Franziska Koark

Bisher müssen angehende Richter und Anwälte ihre Prüfungen von Hand schreiben. Von Dezember an hält die Moderne Einzug – aber noch nicht für alle.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)

Menschen, die sich noch daran erinnern können, wie längere Texte von Hand oder mit der Schreibmaschine verfasst wurden, wissen, was für eine Erleichterung der Computer war. Kein Tipp-Ex, kein Durchstreichen, keine Pfeile, mit denen ganze Absätze umgestellt werden. Zu den Menschen, die noch leidvoll erleben müssen, wie längere Texte von Hand verfasst werden, zählen die Absolventen der juristischen Staatsprüfungen. Bei den Klausur-Examen in Baden-Württemberg gab es bisher die Wahl zwischen Kugelschreiber und Füller.

 

Am 3. Dezember können die mehr als 470 Referendare beim Zweiten Staatsexamen erstmals zwischen Handschrift und Computer wählen. Ein Angebot, auf das die Prüflinge offenbar gewartet haben. Nach Angaben des Justizministeriums haben sich rund 90 Prozent der Prüfungsteilnehmer dafür entschieden, den Computer zu nutzen. Diese werden von einer privaten Firma gemietet und mit einer Software ausgestattet, die speziell für die Anforderungen entwickelt worden ist. Die Prüflinge haben dann zugriff auf Gesetzestexte und gegebenenfalls auf zulässige Kommentierungen – aber nicht auf das allgemeine Internet, um dort nach dem zu spicken, was eigentlich im Kopf sein sollte.

Große Mehrheit legt Stift beiseite

Für eine zukunftsgerichtete Justiz sei diese Art der Prüfung „unabdingbar“, sagt Justizministerin Marion Gentges (CDU). Perspektivisch soll es daher nicht bei der Digitalisierung des Zweiten Staatsexamens bleiben. Auch für das Erste Examen sollen nach dem Willen des Ministeriums schnellstmöglich Computer angemietet werden. Dabei gibt es allerdings eine Einschränkung: „Wir können damit beginnen, sobald der Haushaltsgesetzgeber die nötigen Mittel dafür bereit gestellt hat“, sagt Gentges.

Freude bei den Korrektoren

Auf positive Resonanz stößt das Angebot im Vorfeld nicht nur bei den Prüflingen, sondern auch bei den Korrektoren. Sich durch umgestellte Absätze, durchgestrichene Passagen und überschriebene Einschübe zu quälen, das ist nicht immer ein Vergnügen gewesen. Erst recht nicht, wenn auch noch eine ausgeprägte Handschrift dazu kommt.

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