Staatsgalerie Stuttgart zeigt „Hyperimages“ Fröhliche Fotogeschichten

Viel Selbstironie: Ausschnitt aus Timm Ulrichs „Selbstauslöschung durch Malerei“ Foto: Timm Ulrichs/VG-Bildkunst Bonn

Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt „Hyperimages“ – aber man sollte sich von diesem sperrigen Titel nicht abschrecken lassen.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Manchmal kann Kunst durchaus lustig sein. Dabei hat Duane Michals eigentlich nur ein Badezimmer fotografiert mit Waschbecken und WC. Nichts Besonderes – würde auf einem zweiten Foto nicht plötzlich ein riesiger Männerfuß auf dem Vorleger stehen. Da wird klar: Man hat sich täuschen lassen, das Bad war nicht real, sondern ein Nachbau en miniature. Eine kleine, fröhliche Geschichte, die sich mit einem einzelnen Foto so nicht hätte erzählen lassen.

 

Hyperimage sind handfester als ihre sperrige Bezeichnung

Es kommt immer wieder vor, dass Fotografen ein Foto allein nicht genügt, weil sie Geschichten inszenieren wollen. Wenn Helmut Schweizer eine Steckdose mal mit, mal ohne Stecker darin ablichtet, eröffnet sich zwischen den beiden Fotos ein Handlungsraum und assoziiert man ganz selbstverständlich Menschen, die hier am Werk waren. „Hyperimage“ nennt sich arg sperrig und abweisend eine neue Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart, die eigentlich ganz handfest Fotografien im Doppelpack, in Dreier-, Vierersets zeigt. Rolf H. Krauss hat sogar mehr als 200 Fotos von der Fassade einer Stadthalle gemacht – und die Kameraposition von Bild zu Bild minimal verschoben.

Der eigene Körper als Maß aller Dinge

Die meisten Werke in der Ausstellung sind in den 1960er und 1970er Jahren entstanden, als Künstler ein besonderes Faible fürs Messen hatten, für Zahlen und Ordnungssysteme. Sie erforschten das Verhältnis zwischen ihrem Körper und dem Raum, zählten Schritte oder nutzten ihren Arm als Längenmaß.

Rebecca Horn versuchte zur geometrischen Figur zu werden und breitete vor ihrem Körper große Fächer aus, die mal einen Halbkreis, mal einen Dreiviertelkreis bildeten – bis sie schließlich im Zentrum einer Scheibe stand. Auch das hat sie mit mehreren Fotografien dokumentiert.

Der Stuttgarter Rolf H. Krauss hat Fotos gesammelt

Der Stuttgarter Rolf H. Krauss stand nicht nur hinter der Kamera, sondern hat sich auch für die Experimente und konzeptionellen Fotografien seiner Kolleginnen und Kollegen interessiert. 1989 hat die Staatsgalerie Stuttgart seine Sammlung gekauft und zeigt nun eine Auswahl der Arbeiten. Sie verbindet, dass Fotografen meist mehrere Fotos in einen Dialog brachten, weil sie das Publikum stärker einbinden und es zu aktiver Mitwirkung motivieren wollten.

Rein in den Tunnel, raus aus dem Tunnel

Wenn Gilbert und George eine Rose so vergrößern, dass das Motiv auf zwölf Fotos verteilt werden muss, so mag die Mitarbeit eher gering sein. Bei Edy Brunner hat man dagegen zu tun: Er hat 1969 eine Fahrt durch den St. Gotthard in einer schier endlosen Fotostrecke festgehalten. Zunächst nähert sich das Kameraauge in Etappen dem Tunnel – dann aber Dunkelheit, Dutzende Bilder, auf denen nur schwarzes Nichts zu sehen ist. Ein ironischer Kommentar zu den Grenzen der Fotografie, die in der Finsternis so wenig sieht wie das menschliche Auge.

Hyperimages. Bis 5. Februar, Di bis So 10 bis 17 Uhr, Do bis 20 Uhr

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