Staatsgründer in der Klinik Südafrika bereitet sich auf Mandelas Tod vor

Bei Fernsehaufnahmen dieser Tage sah Mandela verwirrt und teilnahmslos aus. Foto: AP
Bei Fernsehaufnahmen dieser Tage sah Mandela verwirrt und teilnahmslos aus. Foto: AP

Der 95-jährige frühere Präsident liegt mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Die Menschen in Südafrika bereiten sich auf seinen Tod vor. Bei Fernsehaufnahmen dieser Tage sah Mandela teilnahmslos aus.

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Johannesburg - Der vierte Krankenhausaufenthalt Nelson Mandelas innerhalb von sieben Monaten hat am Kap der Guten Hoffnung neben der üblichen Nervosität und zahllosen Genesungswünschen auch lauter werdende Rufe ausgelöst, man solle dem fast 95-jährigen Ex-Präsidenten einen ehrwürdigen Abschied ermöglichen.

„Wir wünschen ihm gute Besserung. Aber ich glaube, es ist wichtig, dass ihn seine Familie gehen lässt“, sagte Mandelas langjähriger Freund, Andrew Mlangeni, gegenüber der Zeitung „Sunday Times“. Die zahlreichen Krankenhausaufenthalte ließen befürchten, dass der Gründungsvater des neuen Südafrikas nicht wieder gesund werde, fuhr der einstige Mithäftling des Politik-Idols fort: „Wir sollten Gott danken, dass er uns diesen Mann gegeben hat, und ihn jetzt gehen lassen.“ In zahlreichen Twitter-Botschaften wurden ähnliche Forderungen laut: „Lasst ihn in Würde sterben“, hieß es in einem Tweet. „Es ist Zeit, dass wir dich in Ruhe und Frieden ziehen lassen“, heißt in einem anderen.

Viele wünschen dem 95-Jährigen einen würdigen Abschied

Mandela wurde in der Nacht zum Samstag mit einer schweren Lungenentzündung in ein Krankenhaus in Pretoria eingeliefert. Schon im Dezember und erneut Ende März war der bereits während seiner 27-jährigen Haftzeit an Tuberkulose Erkrankte mit demselben Befund in die Klinik gekommen. Anfang März hatte er sich für eine angebliche Routineuntersuchung in ein Krankenhaus begeben müssen. Erstmals sprach das Büro des Präsidenten jetzt davon, dass Mandelas Zustand „ernst zu nehmen“ sei. Sonst pflegte die Regierung die Öffentlichkeit eher mit schönfärberischen Floskeln zu beschwichtigen. „Ich möchte kein rosiges Bild zeichnen“, sagte Präsidentensprecher Mac Maharaj in einem Fernsehinterview am Wochenende: „Ich will aber auch kein schlechtes Bild malen und alle Hoffnung aufgeben.“ Mandela sei nicht an ein Beatmungsgerät angeschlossen, hieß es weiter. Seine Ehefrau Graça Machel habe eine geplante Reise nach London abgesagt und befinde sich bei ihm in der Klinik.

Die Fernsehsender stellen sich auf die Berichterstattung ein

Dass sich der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) auf den Tod seines in aller Welt verehrten Mitglieds einstellt, brachte Präsident Jacob Zuma jüngst in einem Interview mit der britischen Sendeanstalt BBC zum Ausdruck. „Wenn ein Mensch in hohem Alter stirbt, sagen wir Zulus, dass er nach Hause gegangen ist“, erklärte Zuma: „Ich glaube, das ist eines der Dinge, an die wir jetzt denken sollten.“ Der ANC-Sprecher Jackson Mthembu bestätigte Vorbereitungen für den Tod Mandelas: Es sei jedoch „unafrikanisch“, über solche „Unausweichlichkeiten“ bereits im Vorfeld zu sprechen. Umfangreiche Planungen internationaler Fernsehstationen für den Fall des Ablebens Mandelas waren vom ANC wiederholt als „geschmacklos“ kritisiert worden. Die Fernsehsender stellen sich anlässlich von Mandelas Tod auf eine tagelange Berichterstattung über das Leben und die Bedeutung des „Mannes des Jahrhunderts“ – so das US-Magazin „Times“ – ein.

„Sie behandeln ihn wie ein Tier im Zoo“

Umgekehrt wurde dem ANC wiederholt schon vorgeworfen, die Ikone noch zu ihren Lebzeiten rücksichtslos zu seinen Gunsten auszunutzen. So war Mandela wenige Tage nach seiner jüngsten Entlassung aus dem Krankenhaus von der ANC-Spitze in seiner Johannesburger Villa aufgesucht worden. Dabei hatten sich die Parteihierarchen – unter ihnen Präsident Zuma – für einen Filmtermin um den alten Mann gruppiert, der offensichtlich geistig abwesend und teilnahmslos in die Kamera starrte. „Sie behandeln ihn wie ein Tier im Zoo“, hatten entsetzte Südafrikaner daraufhin getwittert. „Ich wünschte, sie würden ihn in Ruhe lassen“, empörte sich ein Radiokommentator. Viele Südafrikaner sind noch heute der Überzeugung, dass der junge Staat seinen Gründer weiterhin dringend braucht. „Er ist eine moralische Kraft“, meint der Präsident des Kongresses der Traditionellen Führer in Südafrika, Nkosi Holomisa: „Seine bloße Gegenwart lässt die Leute ihr Verhalten und ihr Benehmen reflektieren.“




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