Staatshaushalt Baden-Württemberg Häftlinge erwirtschaften fast 36 Millionen Euro

Von Philipp-Marc Schmid 

Die Gefangenen im Südwesten arbeiten in rund 150 Betrieben. Zum Beispiel in einer Kelter. Dort wurden 2018 rund 64 000 Liter Wein hergestellt.

Häftlinge bei der Weinlese auf dem Hohrainhof, einer Außenstelle des Heilbronner Gefängnisses. Foto: dpa
Häftlinge bei der Weinlese auf dem Hohrainhof, einer Außenstelle des Heilbronner Gefängnisses. Foto: dpa

Stuttgart - Die Insassen der Gefängnisse im Südwesten haben im vergangenen Jahr 35,9 Millionen Euro für den baden-württembergischen Staatshaushalt erwirtschaftet. Das geht aus einer Aufstellung des Justizministeriums hervor, die unserer Zeitung vorliegt.

Die Häftlinge seien unter anderem in eigenen Handwerksbetrieben oder in eigenen landwirtschaftlichen Betrieben des Landes tätig, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Die rund 150 Arbeitsstätten in den Justizvollzugsanstalten sind organisatorisch im Landesbetrieb Vollzugliches Arbeitswesen Baden-Württemberg zusammengefasst. Im Schnitt arbeiteten im vergangenen Jahr täglich 4665 Gefangene für das Unternehmen oder absolvierten in den Anstalten eine Ausbildung.

Land verkauft 9000 Liter Gefängnis-Wein

„In unseren Gefängnissen soll nicht einfach Zeit abgesessen werden, wir wollen die Gefangenen auf ein Leben in Freiheit und Selbstverantwortung vorbereiten. Dafür ist ein geregelter Arbeitsalltag ebenso wichtig, wie der Erwerb beruflicher Qualifikationen“, sagte Landesjustizminister Guido Wolf (CDU) unserer Zeitung. Das Arbeitswesen im Vollzug leiste damit „einen wichtigen Beitrag für die Wiedereingliederung von Straftätern in die Gesellschaft“.

Einer der Betriebe ist der Hohrainhof, eine Außenstelle der JVA Heilbronn. Dort wird auf elf Hektar Weinbau betrieben. Die Kelter produzierte 2018 rund 64 000 Liter Wein. 9000 davon gingen in den direkten Verkauf, der Rest wurde eingelagert.

Von den erwirtschafteten 35,9 Millionen Euro wurden unter anderem Löhne sowie Arbeitslosenversicherungen der Gefangenen finanziert. Unter dem Strich blieb ein Überschuss von rund 2,7 Millionen Euro. Nicht berücksichtigt sind jedoch zum Beispiel Abschreibungen auf Gebäude. Laut Ministerium dürfen alle regulären Gefangenen arbeiten, wenn ausreichend Arbeitsplätze vorhanden sind.