Staatsorchester Stuttgart 2020/21 Brahms, Mahler und Charlie Chaplin

Von Susanne Benda 

Konzerte nach Corona: Der Stuttgarter Generalmusikdirektor Cornelius Meister hat sein Konzertprogramm für die nächste Spielzeit vorgestellt.

Umtriebiger Generalmusikdirektor: Cornelius Meister Foto: Marco Borggreve
Umtriebiger Generalmusikdirektor: Cornelius Meister Foto: Marco Borggreve

Stuttgart - Der Chef schwebt. Cornelius Meister steht auf einem Hebepodest drei Meter über dem Orchestergraben der Staatsoper Stuttgart. Er hebt den Taktstock, und dann erklingt eines der schönsten Stücke, die Mozart komponiert hat: die zehnte Serenade für Bläser, bekannt unter dem Titel „Gran Partita“. Die Zuschauerreihen sind leer. Und die Musiker? Stehen einzeln im ersten Rang, jeder alleine in einer Loge. Zuvor hat der Amtsarzt die Vorkehrungen für Hygiene und Abstand gutgeheißen; hinterher werden die Mitarbeiter der technischen Abteilung im Haus für einen professionellen Schnitt sorgen. Das Ergebnis wird auf der Staatsopern-Homepage im Internet zu sehen sein. Wir sind noch da, will das Video sagen. Und: Wir wollen nur spielen. Bald!

Ansonsten wird gewartet und daheim geübt. So wie der Intendant Viktor Schoner ist aber auch der Generalmusikdirektor oft in seinem Büro im Opernhaus; diese Präsenz sei, sagt er auch „psychologisch wichtig“. Viel denkt Cornelius Meister darüber nach, ob und wie sich unser Kulturbegriff in Corona-Zeiten ändert: ob sich künftig womöglich die Fallhöhe zwischen Laien und Profis verschiebt, ob es neue Themen geben wird, und ob womöglich kleinere Formate endlich die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen zustehe. „Wichtigkeit bemisst sich nicht an Zuschauerzahlen“, sagt der Dirigent. Das bestätigt sich auch bei seinem persönlichen Blick auf die Kammermusikreihe seines Hauses: Sie seien, weil sie die Neigungen der einzelnen Musiker widerspiegeln, nämlich „das Herzstück des Orchesters“.

Mahler und der Big Bang

Für die Sänger des Ensembles dürfte das Herzstück bei den Liedkonzerten liegen; bei einem davon sitzt wieder Meister selbst am Flügel, begleitet den Bariton Björn Bürger bei Schuberts „Schwanengesang“.

Dann aber, trotz aller Corona-bedingten Unwägbarkeiten, ein Blick aufs Große. Das Staatsorchester wird seine Sinfoniekonzerte im Beethovensaal wieder mit einem Doppelkonzert beginnen: 2019 gab es vier Mal Robert Schumann, am 22. und 23. November werden es die vier Sinfonien von Johannes Brahms sein – mit, na klar, dem Meister selbst am Pult. Er wird auch ein Filmmusikkonzert (mit Chaplins „City Lights“) dirigieren, die Uraufführung des Stücks „Big Bang“ des „Composers in Focus“ Régis Campo sowie Gustav Mahlers fünfte Sinfonie. Für einen zweiten Beitrag zum langfristigen Mahler-Zyklus sorgt einen Monat später Nicola Luisotti. Der war früher mal Kapellmeister des Staatsorchesters, ebenso wie Philippe Auguin, der das Neujahrskonzert im Opernhaus leiten wird.

Für interessante Debüts beim Staatsorchester sorgen die Dirigentin Alondra de la Parra (mit einem amerikanischen Programm und der Pianistin Elisabeth Brauß als Solistin), die Geigerin Noa Wildschut (mit Camille Saint-Saens’ drittem Violinkonzert) sowie die Dirigenten Ainars Rubikis und Gábor Káli (der gemeinsam mit der Pianistin Gabriela Montero auftreten wird). Ein weiteres Debüt gibt es außerdem beim Familienkonzert: Gemeinsam mit dem Landesjugendorchester wird das Staatsorchester Benjamin Brittens „Young Person’s Guide to the Orchestra“ aufführen – mit Ralph Caspers („Die Sendung mit der Maus“) als Moderator und mit dem fleißigen Generalmusikdirektor am Pult. Es kann losgehen!




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