In einer an Katastrophen reichen Zeit ist es eine gute Nachricht, wenn aus einem Unglücksfall etwas Gutes entsteht – und dann auch noch mit einem Architekturpreis gekrönt wird. Das KUBAA in Aalen ist so ein Fall. Der nach einem verheerenden Brand gerettete, sanierte und zu einem Kulturzentrum umgebaute ehemalige Reparaturbahnhof hat am Dienstag den Staatspreis Baukultur des Landes Baden-Württemberg 2024 erhalten.
Anerkennung für das sanierte Bad Berg
Das Stuttgarter Büro A+R Architekten und die Stadt Aalen dürfen sich in der Kategorie Bauen für die Gemeinschaft über den Preis in der Kategorie ccc freuen. Knapp dahinter liegt noch ein Stuttgarter Projekt – das von den 4a Architekten sanierte und schon vielfach ausgezeichnete Bad Berg.
Eine weitere Anerkennung in dem Bereich ging an den Bodensee: Das Gelände der Bodan-Werft in Kressbronn wurde ist nach der Sanierung von drei ehemaligen Werfthallen für die Allgemeinheit in Form einer Veranstaltungshalle, Eventräumen und einer Gastronomie zugänglich. Der Entwurf für den Umbau kommt von arabzadeh.schneider.wirth architekten.
Im Rahmen einer Preisverleihung im Haus der Wirtschaft in Stuttgart zeichnete Bauministerin Nicole Razavi neben dem KUBAA acht weitere Projekte mit dem nunmehr zum dritten Mal ausgelobten Staatspreis aus, für den insgesamt 235 Projekte ins Rennen gegangen waren. Neben den Hauptpreisen – aus neun Kategorien von Wohnbau bis Mischnutzung und Städtebau – erhielten 18 Projekte Anerkennungen.
Designhotel Emilu bekommt ebenfalls einen Preis
Darunter sind in der Kategorie Gewerbe- und Industriebau Blocher Partners mit Wolf Architekten für den Umbau eines Verwaltungsgebäudes in das Designhotel Emilu mitsamt Tagescafé, das die Stuttgarter Innenstadt entscheidend belebt.
Der Staatspreis in dem Bereich Gewerbe- und Industriebau ging an die von Michael Welle Architektur sanierte und umgebaute, denkmalgeschützte Reithalle in Achern. Das ehemals militärisch genutzte Gebäude beherbergt nun eine Markthalle mit Café, einem Unverpacktladen und weiteren gewerblichen Nutzungen sowie Arbeits- und Wohnräumen.
In ihrer Festrede sagte Ministerin Razavi: „Mit dem Staatspreis Baukultur würdigen wir herausragende Antworten auf die aktuellen Fragen beim Planen und Bauen im Land. Mit der diesjährigen Preisverleihung wollen wir auch ein Zeichen für eine neue Um-Baukultur setzen. Denn Baukultur ist wichtig!“
Hohe Beteiligung beim erstmaligen Publikumspreis
Wie wichtig den Menschen Orte guter Baukultur sind, zeigte auch die hohe Beteiligung am dieses Jahr erstmals vergebenen Publikumspreis. Rund 3500 Menschen stimmten online für die 27 nominierten Projekte ab. Die meisten Stimmen gingen an das Projekt Allgäuer Genussmanufaktur in Leutkirch im Allgäu – und auch der Staatspreis in der Kategorie Mischnutzung.
Ein brachgefallenes Brauereigebäude von 1904 in Urlau, einem Ortsteil von Leutkirch im Allgäu, wurde eben nicht abgerissen, sondern umgebaut. Eine Baugenossenschaft ermöglichte, dass die Gemeinde in diesem Gebäude nach langer Zeit wieder über einen Laden und eine Bäckerei verfügt, auch Werkstätten und Verkaufsräume für Genuss- und Kunsthandwerke sowie ein Veranstaltungssaal sind vorhanden. Projektträger ist die Allgäuer Genussmanufaktur, der Entwurf zum Umbau stammt von der Architektengemeinschaft Architekturbüro Gegenbauer GbR/roterpunkt architekten.
Umbau von Klöstern und Brauereien
Anerkennungen erhielten in der Gruppe noch weitere Umnutzungen. Der Umbau einer alten Brauerei in Mannheim zu einem mischgenutzten Wohn- und Gewerbekomplex durch Schmucker und Partner, Planungsgesellschaft, Projektträger ist Jürgen Herrmann. Eine weitere Anerkennung ging an das Resort Erlenbad in Sasbach. Das ehemals von Franziskanerinnen bewohnte „Kloster Erlenbad“ wurde von Grossmann Architekten schrittweise zu einem mischgenutzten Komplex umgebaut.
Im Bereich Prozess und Initiative konnte Stuttgart auch punkten. Der Staatspreis ging zwar ans Collegium Academicum in Heidelberg, ein selbstentwickeltes und selbstverwaltetes Wohnprojekt von und für junge Menschen in Berufsausbildung, Studium oder Promotion (Entwurf: DGJ Architektur ).
Doch eine Anerkennung erhielt eben auch die Neckarinsel in Stuttgart für den Entwurf von Neckarinsel e.V. / Agency Apéro. Die „Neckarinsel Stuttgart“ zeige beispielhaft, wie zivilgesellschaftliche Initiativen verschlossene und unzugängliche Orte zugänglich machen, transformieren und Bewusstsein für relevante Themen schaffen können.
Womöglich animiert solch eine Anerkennung auch die Stadt dazu, sich seinem Fluss und dessen Nutzbarmachung für die Städterinnen und Städter stärker noch zu widmen als bisher.
Alle Projekte mit Gewinnern und Anerkennungen finden sich in der Bildergalerie.
Info
Preis
Der Staatspreis Baukultur wurde bisher zweimal, in den Jahren 2016 und 2020, verliehen. Mit der Auslobung 2023 hatte das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen dazu aufgerufen, Projekte aus allen Bereichen des Planens und Bauens einzureichen, die darin vorbildlich und übertragbar sind, dass sie in besonders innovativer und nachhaltig wirksamer Weise funktionale, gestalterisch-ästhetische, technisch-konstruktive, soziale, kulturelle, ökologische und ökonomische sowie prozessuale Qualitäten miteinander verbinden. Gesucht wurden Projekte, die seit dem 1. Januar 2019 bis zum 30. April 2023 realisiert wurden.
Ausstellung
Der Staatspreis soll zum Weiterdenken und Entwickeln neuer Lösungen für die baulichen Herausforderungen anregen, die künftig von gesellschaftlicher Bedeutung sind. Bis 4. Juli 2024 kann die Ausstellung zum Preis im Haus der Wirtschaft in Stuttgart besichtigt werden. Anschließend wandert die Ausstellung zu den Projektstandorten Achern und Neuenburg am Rhein. Details zu den Ausstellungsterminen und weiteren Orten sind auf www.baukultur-bw.de zu finden.