Staatstheater in Stuttgart Das Gagenkarussell dreht sich

Über die Gehälter der Intendanten ist bisher geschwiegen worden (v.li.): Hasko Weber (Schauspiel), Geschäftsführender Intendant Marc-Oliver Hendriks, Jossi Wieler (Oper) und Ballettdirektor Reid Anderson. Foto: dpa 2 Bilder
Über die Gehälter der Intendanten ist bisher geschwiegen worden (v.li.): Hasko Weber (Schauspiel), Geschäftsführender Intendant Marc-Oliver Hendriks, Jossi Wieler (Oper) und Ballettdirektor Reid Anderson. Foto: dpa

Der Rechnungshof wirft der Regierung vor, dass die Führungsriege des Stuttgarter Drei-Sparten-Hauses durchweg überbezahlt wird.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Die Verwaltungsräte der Stuttgarter Staatstheater waren mächtig stolz auf den Neuzugang. Wortreich lobten sie den künftigen Schauspielintendanten Armin Petras, der 2013 die Nachfolge von Hasko Weber antreten soll. In dem Nochintendanten des Berliner Gorki-Theaters gewinne man "eine große Künstlerpersönlichkeit, die für innovatives Theater mit internationalem Anspruch steht", jubilierte der Kunststaatssekretär Jürgen Walter (Grüne). Das Stuttgarter Publikum werde ihn "mit offenen Armen empfangen", prophezeite Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU). Petras sei "ein Glücksfall" für das Theater, sekundierte der Geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks.

Nur auf eine Frage reagierten die Herren bei der Pressekonferenz im November einsilbig: Welche Rolle habe das Geld gespielt, um den 47-Jährigen aus der Hauptstadt in das ihm gänzlich fremde Stuttgart zu locken? Petras verdiene "nicht wesentlich mehr als in Berlin", verriet Walter immerhin; dabei wechsele er an ein deutlich größeres Haus. Er werde "nicht schlechter als in Berlin" bezahlt, bestätigte der künftige Intendant leicht indigniert. Schuster rettete sich in einen ironischen Vergleich: die Bezüge der Theatermacher entsprächen nun wirklich nicht denen der Fußballprofis vom VfB.

Selbst der Landtag tappt im Dunkeln

Die Größenordnung der Kickergagen ist weithin bekannt. Beim Spitzenpersonal im Kulturbetrieb hingegen wird fast ein Staatsgeheimnis daraus gemacht. Nur die Verwaltungsräte von Stadt und Land wissen, was die Intendanten an den hochsubventionierten Bühnen verdienen - und sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Selbst der Landtag erfährt nichts Genaues: Jeweils mit dem Haushaltsplan liefert das Finanzministerium eine Übersicht der "aufgrund außertariflicher Sonderverträge Beschäftigten". Für die Theater wird darin lediglich ausgewiesen, wie viele Gehälter eine Schwelle von rund 82.000 Euro übersteigen - nämlich landesweit gut drei Dutzend. Wie weit sie darüber liegen, ob knapp oder gewaltig, erfahren die Abgeordneten nicht.

Nun wird bekannt: die Spanne reicht bis zum Dreifachen des Betrages, nämlich 240.000 Euro pro Jahr. So viel erhielt 2008 der Spitzenverdiener an den Württembergischen Staatstheatern, der damalige Generalmusikdirektor Manfred Honeck. Damit bekam er gut 100.000 Euro mehr als der Wissenschaftsminister oder der Oberbürgermeister, ja sogar mehr als der Ministerpräsident - und das bei einem Vertrag, der ihm viel Spielraum für andere Engagements ließ. "Deutlich überhöht" sei diese Rekordvergütung im Landesdienst, zumal "für eine bloße Teilzeitbeschäftigung", rügt der Landesrechnungshof in einem nichtöffentlichen Prüfbericht. 




Unsere Empfehlung für Sie