Der Architekturwettbewerb zur Interimsspielstätte der Staatstheater Stuttgart am Nordbahnhof ist entschieden. Die Büros a+r Architekten aus Stuttgart und NL Architects aus Amsterdam hatten mit ihrem gemeinsam erarbeiteten Projekt Erfolg. Was sagt Marc-Oliver Hendriks, als Geschäftsführender Intendant für alle Bereiche des Großprojektes Sanierung und Erweiterung der Staatstheater Stuttgart, zur Entscheidung der Jury? Wir haben nachgefragt.
Herr Hendriks es gibt einen Siegerentwurf für den Bau der Interimsspielstätte der Staatstheater. Was bedeutet dies an sich?
Mit dem Preisgericht hat das Wettbewerbsverfahren seinen erfolgreichen Abschluss gefunden. Die Wahl ist ein ganz klares Zeichen: Wir haben Bilder und nun geht es los. Wir werden schnell konkret planen und dann endlich auch bald bauen.
Und wie sehen Sie den Entwurf von a+r Architekten und NL Architects an sich?
Der Entwurf überzeugt in vielfältiger Hinsicht. Für die Staatsoper und das Stuttgarter Ballett ist dabei besonders bedeutsam, dass hier die Voraussetzungen für einen intensiven Spielbetrieb von schätzungsweise zehn Jahren geschaffen werden können. Das verbunden mit einer spannenden, dialektischen Architektur und einer sehr nachhaltigen Bauweise. Eine kluge Entscheidung der Jury.
Kunststaatssekretär Arne Braun hat bei der Präsentation am Dienstag fast euphorisch einen Neustart der Kommunikation zur Sanierung und Erweiterung der Staatstheater angekündigt. Wie wichtig ist diese erste Visualisierung des Interimsbaus in der Öffentlichkeit aus Ihrer Sicht?
Maximal wichtig. Bilder erklären so viel mehr als Worte. Ähnlich war es seinerzeit auch beim Neubau der John Cranko Schule. Mit den Bildern kommen Lust und Begeisterung. Die Sinnlichkeit der Architektur wird das erste Mal spürbar.
Parallel ist das grüne Licht für die Theater Terrassen nahe, zeigt sich das Publikum treu und zugleich neu verliebt. Es läuft für die Staatstheater – oder?
Wir steuern in dieser Spielzeit auf insgesamt 430 000 Besucherinnen und Besucher zu. Zuletzt in der Spielzeit 2015/16 hatten wir einen so starken Zustrom. Wir stehen deutlich besser da als in der Vor-Corona-Zeit. Das Publikum liebt seine Staatstheater und wir lieben unser Publikum!
Und welche Aufgabe leiten Sie daraus für sich und Ihr Haus ab?
Für die temporären Theater Terrassen ist die zeitnahe Umsetzung sehr wichtig. Gespräche mit all denjenigen, die noch nicht zur Gänze von unserem Projekt überzeugt sind: Wir suchen das kooperative Miteinander. Und für die Sanierung: Die Arbeit geht weiter!
So geht es weiter
Vertiefte Planung
Für die weitere Planung des Interimsstandorts werden in den kommenden Monaten die Vergabeverfahren durchgeführt – unter anderem für die Planung von Tragwerk, Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro. Verantwortlich dafür zeichnet das städtische Hochbauamt mit Unterstützung der Pesch Partner Architektur Stadtplanung GmbH. Erschließungsarbeiten beginnen 2025. Darüber hinaus erarbeitet die Stadt derzeit den Bebauungsplan und bereitet die Erschließung des Gebiets C1 vor. Grundlage für die Planungen sind die Ergebnisse des offenen internationalen städtebaulichen Wettbewerbs Rosenstein aus dem Jahr 2019. Die Erschließungsarbeiten – also der Bau von Straßen und Kanälen – sollen Mitte 2025 beginnen.
Kosten
Die Kosten für die Interimsoper sind mit 224 Millionen veranschlagt. In einem nächsten Schritt wird der Planungswettbewerb für die Sanierung, Modernisierung und Erweiterung am Oberen Schlossgarten vorbereitet. Geplant sind die Generalsanierung des Opernhauses und die Erweiterung des Staatstheater-Areals um 10 000 Quadratmeter Nutzfläche. Für den Baubeginn am Oberen Schlossgarten muss das Interim an den Wagenhallen fertiggestellt werden. Ebenso muss der Werkstattneubau an der Zuckerfabrik fertig sein.