Stabhochsprung-Weltrekordler Armand Duplantis So denkt Legende Sergei Bubka über den Schweden

Stolz präsentiert Armand Duplantis seinen neuen Stabhochsprung-Weltrekord. Foto: dpa/Aleksandra Szmigiel
Stolz präsentiert Armand Duplantis seinen neuen Stabhochsprung-Weltrekord. Foto: dpa/Aleksandra Szmigiel

Binnen einer Woche knackt Stabhochspringer Armand Duplantis zwei Mal den Weltrekord. Wie hoch kann der Schwede noch springen? Es ist eine Frage, die sich auch die Legende Sergei Bubka stellt.

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Berlin - Nachdem sich der neue Stabhochsprung-Superstar Armand Duplantis am Samstagabend zum zweiten Mal binnen sieben Tagen über eine Höhe geschraubt hatte, die vor ihm noch kein Mensch im Wettkampf übersprungen hatte, verschränkte er die Arme vor der Brust, als wollte er sagen: „Seht her, die Gesetze der Schwerkraft gelten für mich nicht.“

6,18 Meter überquerte der 20-Jährige Schwede in Glasgow scheinbar mühelos, nachdem er bereits in der Woche zuvor mit 6,17 Meter den knapp sechs Jahre altem Weltrekord des Franzosen Renaud Lavillenie (6,14 Meter) geknackt hatte. Nun stellt sich die Frage: Wo ist das Limit des schwedischen Ausnahmekönners? Wie hoch wird er sich im Laufe seiner Karriere noch katapultieren?

„Er wird dem Sport noch viele großartige Momente bescheren“

Während die Öffentlichkeit über den in den USA lebenden Sohn einer Schwedin und eines US-Amerikaners staunt, weilt Altstar und Stabhochsprunglegende Sergei Bubka beim Laureus Sports Award in Berlin und ordnet die Leistung seines vermeintlichen Nachfolgers ein: „Duplantis ist eine Sensation“, sagt der 56-Jährige, der in seiner Karriere insgesamt 35 Mal den Weltrekord verbesserte. Wie hoch Duplantis noch springen könne, das wird natürlich auch Bubka gefragt. „Ich bin nicht Gott und ich kann nicht hellsehen. Aber dieser Junge hat so viel Potenzial, er wird dem Sport noch viele großartige Momente bescheren“, antwortet er.

Bubka, als Vorsitzender des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine seit vielen Jahren als Funktionär aktiv, hält 6,30 bis 6,40 Meter für machbar. „Ich war überrascht, dass es so lange dauerte, bis meine Rekorde gebrochen wurden“, sagt er und verweist auf seine Weltrekordsprünge, bei denen er zum Teil jene Höhen erreicht hatte, wenngleich die Latte natürlich nie so hoch lag.

Bubka sprang schon gegen Duplantis’ Vater

Aber, auch das weiß Bubka: Für den perfekten Sprung über jene vermeintlich utopische Höhen muss vieles zusammenpassen. Technik, Geschwindigkeit, Kraft, Konzentration und die äußeren Bedingungen etwa. Mit 6,14 Metern hält Bubka immer noch den inoffiziellen Weltrekord im Freien – aber auch jenen Rekord, glaubt Bubka, wird sich Duplantis eines Tages schnappen. „Er ist in eine Stabhochsprung-Familie geboren“, sagt Bubka über den neuen Stern am Leichtathletik-Himmel, „das wird ihm helfen, sich immer neue Ziele zu setzen“. Gegen Armand Duplantis’ Vater Greg sprang Bubka noch selbst. Wenngleich der nicht ganz das Ausnahmetalent des Sohnes hatte, so sprang der US-Amerikaner seinerzeit immerhin 5,80 Meter. Genug, um manchen Normalsterblichen Höhenangst spüren zu lassen.

Duplantis ist zweifelsohne ein Ausnahmetalent, das bereits in jungen Jahren zeigte, wozu es fähig ist. Er hält Weltrekorde in fast allen Altersklassen. Am 12. August 2018 meisterte der Teenager – damals noch 18 Jahre alt – zum ersten Mal die magische Sechs-Meter-Marke: Mit 6,05 Metern holte er im Berliner Olympiastadion EM-Gold. „In diesem Alter über sechs Meter zu springen, das ist wirklich einzigartig“, staunt auch Bubka.

Bubka weiß seit 2015 um die Fähigkeiten des Schweden

Der Altmeister wurde nach eigenem Bekunden 2015 zum ersten Mal auf den Schweden aufmerksam. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften im kolumbianischen Cali war Bubka als Funktionär vor Ort. 5,30 Meter überquerte Duplantis damals und sicherte sich den U-18-WM-Titel der Junioren. „In Cali sagte jemand zu mir: Du musst dir diesen Schweden anschauen“, sagt Bubka. Heute wissen alle, warum in Leichtathletik-Kreisen bereits damals ein großes Aufheben um den Teenager gemacht wurde, den in der Stabhochsprungszene alle nur „Mondo“ nennen.

Woher der Spitzname rührt? „Nach meinem ersten Weltrekord rief mich jemand ‚Mondo’, was aus dem italienischen übersetzt ‚Welt’ heiß. Seitdem nennen mich alle so. Mir gefällt‘s“, erklärte Duplantis bereits vor seinen Weltrekorden bei den Aktiven.

Überflügelt Duplantis Bubka bei Olympia?

Wie es weitergeht mit Duplantis? Wird er wie Bubka den eigenen Weltrekord Zentimeter um Zentimeter weiter nach oben treiben? „Zunächst will ich einfach jeden Wettkampf gewinnen, das ist das Hauptziel. Natürlich will ich hoch springen, natürlich den Weltrekord knacken. Aber erstmal siegen, das ist das Wichtigste“, sagte Duplantis nun in Glasgow.

Im Sommer stehen die Olympischen Spiele an. Dass Duplantis den Weltrekord wie Bubka 35 Mal verbessert, scheint ausgeschlossen. Da der Ukrainer aber „nur“ ein Mal Olympia-Gold gewann, könnte er ihn in dieser Kategorie überflügeln.

Bubka wäre wohl der Letzte, den das noch überraschen würde.

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