Stadion der Stuttgarter Kickers Der Gemeinderat hat ein Herz für die Kickers

Das Stadiondach der Gegentribüne Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Das Stadiondach der Gegentribüne Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Stadt reißt das Dach der Gegentribüne im Gazi-Stadion auf der Waldau ab und kauft die Videotafel.

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Stuttgart - Die Stadt Stuttgart investiert ins Gazi-Stadion und hilft den Stuttgarter Kickers. Am Mittwoch passierte erst die Vorlage zum Abbruch des Dachs der Gegentribüne den Verwaltungsausschuss und später hinter verschlossenen Türen der Ankauf der Videotafel zur Erhöhung der Liquidität des in die vierte Liga abgestiegenen Fußballvereins.

Die öffentliche Hand wendet 228 000 Euro für die Sanierung der maroden Tribüne auf und 376 000 Euro für den außerplanmäßigen Erwerb der 2015 von den Blauen auch mithilfe von Sponsoren vollzogenen Anschaffung der Videotafel. Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) kann ausstehende Forderungen gegen den Verein verrechnen, in dessen Kasse deshalb nur etwa die Hälfte der Summe fließt.

Die Entscheidung, den Kickers einmal mehr unter die Arme zu greifen, ist in der Sportvereinszene auf Unverständnis gestoßen. Unbezahlte Rechnungen würden binnen weniger Wochen mit Mahngebühren bestraft, heißt es unter anderem und hinter vorgehaltener Hand, weil man das Sportamt nicht verärgern will. Und: „Wir sollten uns vielleicht auch überlegen, unser Inventar scheibchenweise an die Stadt zu verkaufen. Oder wir warten einfach, bis wir genug Schulden angehäuft haben, dann springt die Stadt schon ein.“

Der Finanzbürgermeister verweist auf die gute Jugendarbeit

Auch im Ausschuss gab es kritische Stimmen, etwa von SPD-Stadtrat Hans Pfeifer, der 5000 Euro Jahresmiete für die Stadt im Verhältnis zu den Anschaffungskosten als viel zu gering erachtet haben soll. Stefan Urbat (SÖS/Linke-plus) sagte, die Stadt bevorzuge den Profifußball, der – anders als im Handball oder Volleyball – nicht einmal eine saubere Trennung von Verein und sportlichem Wirtschaftsbetrieb vornehme. Der Verweis von Bürgermeister Föll auf die gute Jugendarbeit, die es zu fördern gelte, gehe ins Leere, weil dieses Argument auch auf andere Vereine anzuwenden sei. In der Vorlage weist Michael Föll außerdem darauf hin, mit dem Kauf werde die Stadioninfrastruktur „vervollständigt“. In den Haushaltsberatungen war das kein Thema gewesen. Der Gemeinderat genehmigte damals neben der Sanierung der Haupttribüne den Einbau einer Rasenheizung nur mit „Bauchschmerzen“.

Unbestritten ist die Notwendigkeit, das einsturzgefährdete, 18 Jahre alte Dach der Gegentribüne zu entfernen. Betroffen ist die durch Feuchtigkeit und Pilzbefall angegriffene Holzbeplankung. Eine Sanierung wäre nur dann möglich gewesen, wenn keine Wiederholungsgefahr gedroht hätte. Das wäre aber nicht zu verhindern, weshalb die Fans vorerst im Regen stehen werden.

Der Abbau muss rasch erfolgen, ist die Stadt doch verpflichtet, ein funktionsfähiges Stadion anzubieten und die vereinbarte Zuschauerkapazität zu gewähren. Die Vollsperrung der Tribüne würde für die Vereine eine starke Einschränkung bedeuten. Ein Spielbetrieb kann aber nur stattfinden, wenn im kritischen Bereich die Verkehrssicherheit gegeben sei. Damit das Spiel zwischen Italien und Portugal bei der U-19-EM am 17. Juli ausgetragen werden konnte, hat die Stadt kurzfristig ein Flächengerüst auf der ganzen Länge aufgebaut. Damit ist der Auftakt des Regelspielbetriebs sowohl für die Kickers in der Regionalliga als auch für die American-Football-Partien des Bundesligisten Stuttgart Scorpions gesichert.




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