Stadiongesellschaft in schwieriger Lage Warum der VfB ein schwieriger Partner ist
Die Pandemie stellt die Partnerschaft zwischen der Stadt und dem VfB Stuttgart auf eine harte Probe, meint StZ-Autor Jörg Nauke.
Die Pandemie stellt die Partnerschaft zwischen der Stadt und dem VfB Stuttgart auf eine harte Probe, meint StZ-Autor Jörg Nauke.
Stuttgart - Die neuerliche Modernisierung der Mercedes-Benz-Arena wird deutlich teurer. Das überrascht nun wirklich nicht, denn die Auswirkungen der Pandemie auf Inflation und mit Lieferengpässen erklärbare Materialpreissteigerungen waren beim Beschluss 2019 nicht absehbar. Anders als etwa beim Theaterhaus, das nun dreimal mehr kosten dürfte als beim Grundsatzbeschluss, sind die Prognosen der Stadiongesellschaft einigermaßen zuverlässig, weil sie auf verlässlicher Grundlage geäußert werden. Im konkreten Fall ist es nun so, dass man kaum in Alternativen denken kann, weil die Fußball-EM 2024 ansteht. Den Fußballfans in Europa eine perfekte sportliche Infrastruktur zu bieten, wenn auch nur für ein paar Spiele, ist nun einmal der Grund für das Ja zur Modernisierung gewesen. Deshalb verbietet sich der Tritt auf die Bremse, zumal die Stadt das aus der Portokasse bezahlt.
Bedenklich ist allerdings, dass das einst hochgelobte Konstrukt städtische Stadiongesellschaft – mit dem VfB Stuttgart als stillem Teilhaber – ,die die Finanzierung des Umbaus von einem Leichtathletikstadion in eine reine Fußballarena samt Folgekosten stemmen soll, und zwar für alle Zeiten, am Stock geht und auf kommunale Unterstützung angewiesen ist. Kürzlich mussten die Stuttgarter Steuerzahler sogar eine Corona-Soforthilfe von 1,5 Millionen Euro leisten.
Womit man beim Hauptproblem wäre. Die Rechnung der Stadion KG geht eben nur dann auf, wenn sie die versprochenen Einnahmen erhält, doch der Stadionpächter VfB Stuttgart schwächelt, und daran sind zumindest in erster Linie nicht die Kicker verantwortlich. Ihr Publikum ist leidgeprüft und dennoch treu. Zwischen 40 000 und 50 000 Fans kamen sogar, als der VfB in der zweiten Liga herumgurkte – nach dem Aufstieg in der Saison 2020/21 waren es wegen der Corona-Maßnahmen aber gerade einmal 1029 im Schnitt. Bei jedem Heimspiel gegen mindestens zwei Millionen Euro verloren.
Das führt zu der abstrusen Situation, dass die Stadion KG ihrem Gesellschafter infolge des Umbaus die Pacht deutlich erhöhen, wegen der Liquiditätsprobleme aber gleichzeitig bis auf Weiteres stunden muss. Das nennt man dann einen Wechsel auf eine ungewisse Zukunft, denn auf das Ende der Pandemie könnte ein neuerlicher Abstieg des Bundesligisten folgen mit negativen Auswirkungen auf die Zahlungsfähigkeit. Die Führungsspitze des VfB geht ausweislich von Fernsehinterviews gelassen mit dieser Situation um - wenigstens auf ihren Vermieter ist ja Verlass. Wer sich aber im Gemeinderat fragt, ob diese Zitterpartie je ein Ende findet, kann sicher sein – ein schnelles ist nicht in Sicht.