Stadiongesellschaft senkt Pacht Stadt greift dem VfB Stuttgart unter die Arme
Mehrere städtische Töchter brauchen Finanzspritzen. Die Stadion KG benötigt 1,5 Millionen Euro, weil ihr Pächter seine Raten nicht voll bezahlen kann.
Mehrere städtische Töchter brauchen Finanzspritzen. Die Stadion KG benötigt 1,5 Millionen Euro, weil ihr Pächter seine Raten nicht voll bezahlen kann.
Stuttgart - Die Stadt Stuttgart muss einigen Tochterfirmen wegen der negativen Auswirkungen der Coronapandemie auf den Betrieb unter die Arme greifen. Dazu gehört das Klinikum (neun Millionen Euro), die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart (4,1 Millionen), Stuttgarter Marketing (0,95 Millionen) sowie die Stadiongesellschaft (1,5 Millionen). Dass man Letzterer unter die Arme greifen muss, liegt in der Liquiditätsschwäche des VfB Stuttgart begründet.
Weil die Heimspiele im ersten Halbjahr 2021 ohne Fans stattfanden und auch zuletzt die Zuschauerzahlen gering waren, kann der Club mit den Einnahmen aus den Ticketverkäufen die Pachtzahlungen nicht finanzieren. Deshalb hat der Bundesligist den Verpächter, die städtische Stadion KG, gebeten, die Fixpacht für Heimspiele, die nicht vor mindestens 35 000 Zuschauern stattfinden können, zu reduzieren. Konkret soll diese von 5,2 Millionen um 1,3 Millionen Euro – also 25 Prozent – reduziert werden. Zu berücksichtigen ist auch, dass wegen der geringen Ticketverkäufe das Einnahmeziel von 600 000 Euro aus der variablen Pacht nicht erzielt werden kann. Da der Stadionbetrieb aber zur Deckung seines Aufwands nur die VfB-Zahlungen zur Verfügung hat, kann er die Stundung nicht kompensieren. Deshalb braucht er eine Geldspritze der Stadt. Der Wirtschaftsausschuss hat 1,5 Millionen Euro genehmigt.
Die Stadion KG erhält vom VfB in guten Zeiten rund sieben Millionen Euro Pacht, die Stadt profitiert zudem von 740 000 Euro Erbpachtzinsen. Mit der vorhandenen Liquidität müssen die Mercedes-Benz-Arena in Schuss gehalten sowie Kredite von rund 50 Millionen Euro getilgt und auch noch rund 1,2 Millionen Euro Zinsen beglichen werden. Durch den Beschluss, das Stadion für die Europameisterschaft 2024 für rund 70 Millionen Euro zu modernisieren (Anteil der KG: 22,5 Millionen Euro), erhöhen sich die Schulden demnächst allerdings erheblich.
Geschenkt bekommt der VfB das Geld nicht. Das größere Minus der Stadion KG am Jahresende wird mit der Beteiligung des Clubs an der städtischen Tochter verrechnet. Konkret bedeutet das, dass dessen 2011 gezahlte Bareinlage von 27 Millionen Euro weiter schmilzt wie Schnee in der Sonne. Bis 2020 waren bereits 25,3 Millionen Euro aufgebraucht. Mittlerweile gab es aber Nachschub: Für den Stadionausbau gewährt die Kommune ein Darlehen von 24,75 Millionen Euro, das von 2024 an zurückbezahlt werden muss. Dieser Kredit erhöht nun die Einlage des VfB, der sich vom Umbau zusätzliche Erlöspotenziale durch weitere 550 Businesssitze und Preiserhöhungen für besseren Service im VIP-Bereich verspricht. Im besten Falle könnten Mehreinnahmen von bis zu vier Millionen Euro jährlich erzielt werden.
Die Stadion KG will nicht immer rote Zahlen schreiben. Die negativen Jahresergebnisse sind vor allem in den hohen Abschreibungen von fast sechs Millionen Euro jährlich begründet. Diese sinken durch den Wertverlust von Jahr zu Jahr, so dass die städtische Tochter bei konstanten Einnahmen irgendwann in die Gewinnzone driftet. Dann füllt sich auch das VfB-Konto wieder. Voraussetzung ist aber erfolgreicher Fußball. Schwächephasen des Bundesligisten, die in die zweite Liga führten, sind schlecht für die Liquidität der Stadion KG: Sie war schon zweimal gezwungen, die Pacht anzupassen.