Stadt baut einen neuen Abwasserkanal 18 Probebohrungen entlang der Cannstatter Straße

Unterhalb den stadtauswärtigen Fahrbahnen will die Stadt einen größeren Abwasserkanal bauen. In den kommenden Wochen finden zahlreiche Probebohrungen statt. Foto: Nagel

Ende Februar beginnen die Bodenuntersuchungen für den gut 100 Millionen Euro teuren Nesenbachkanal. Mit größeren Verkehrsbehinderungen auf der B 14 zwischen Neckartor und Mineralbädern muss jedoch erst Ende 2025 gerechnet werden.

Redaktionsleiter: Uli Nagel (uli)

Rund 70 000 Autos und Lastwagen fahren täglich auf der Cannstatter Straße, die damit zu einer der „Hauptschlagadern“ der Landeshauptstadt zählt. Verkehrsteilnehmer müssen aber ab Ende 2025/Anfang 2026 mit Behinderungen rechnen. Dann beginnen die Bauarbeiten für den neuen Nesenbachkanal. Der liegt unter den stadteinwärts führenden Fahrspuren und ist so marode, dass er in den kommenden Jahren erneuert und vergrößert werden soll.

 

Untersuchungen dauern zwei bis drei Monate

Zuvor müssen jedoch erst noch der Baugrund sowie die hydrogeologischen Verhältnisse untersucht werden. Um ein aussagekräftiges Bild über die Baugrund- und Grundwasserverhältnisse im Bereich der Cannstatter Straße zwischen dem Knotenpunkt Cannstatter Straße/Heilmannstraße/Am Neckartor und dem Schwanenplatztunnel zu bekommen, müssen an 18 Stellen Aufschlussbohrungen erfolgen. „Die Arbeiten sollen Ende Februar starten und zwei bis drei Monate dauern“, sagt Jürgen Mutz, der Chef des Stuttgarter Tiefbauamts. Die Bohrstellen befinden sich zwar außerhalb der Fahrspuren, dennoch kann es temporär zu Einschränkungen kommen. Vereinzelt wird auch im Schlossgarten gebohrt.

Die erste Baumaßnahme für den neuen Kanal beginnt dann Ende 2025 mit Rodungen und Leitungsverlegungen. Zudem muss das Tiefbauamt einen provisorischen Lärmschutz errichten, da der heutige Wall entlang der Cannstatter Straße stadtauswärts vorübergehend abgetragen werden muss.

Der Mittelstreifen wird entfernt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

„Ab 2026 folgen dann die erforderlichen Verkehrsumlegungen“, sagt Jürgen Mutz. Da der neue Kanal unter der Cannstatter Straße stadtauswärts entstehe, soll die Verkehrsführung in Richtung Schlossgarten verschoben werden. Dazu ist es nötig, den Mittelstreifen in Abschnitten zurückzubauen und überfahrbar zu gestalten. Verkehrsbehinderungen lassen sich dabei nicht vermeiden.

Nur kurzzeitige Sperrungen

Was dem Tiefbauamtschef wichtig ist: Während der gesamten Bauphase stehen immer zwei Fahrstreifen stadteinwärts und stadtauswärts zur Verfügung, weshalb er – trotz des hohen Verkehrsaufkommens – nicht mit dem „ganz großen Chaos“ auf der Cannstatter Straße rechne. Dennoch komme es zu kurzen Fahrbahnsperrungen und dadurch zu Staus und Behinderungen. „Das lässt sich aber bei Bauarbeiten unter fließendem Verkehr nun einmal nicht vermeiden.“

Die Hauptbauarbeiten, die laut Tiefbauamt fünf bis sechs Jahre lang dauern sollen, beginnen nach derzeitiger Einschätzung zum Jahreswechsel 2026/27. Der neue Kanal wird als „Eins-zu-eins-Ersatz“ erstellt und künftig die gesamten Wassermengen aufnehmen. „Deshalb wird der neue mit einem größeren Querschnitt geplant“, sagt Jürgen Mutz. Die ursprüngliche Planung hatte vorgesehen, dass auch der heute bestehende Kanal nach einer Sanierung weiter hydraulisch benötigt wird.

Kosten werden sich wohl verdoppeln

Geändert hat sich damit die Kostenschätzung, die zunächst grob bei 40 bis 50 Millionen Euro lag. Doch wegen des deutlich größeren Querschnitts und gestiegener Baukosten wird das Projekt erheblich teurer. „Wir gehen derzeit von notwendigen Investitionen von rund 100 Millionen Euro aus“, sagt der Chef des Tiefbauamts.

Die Cannstatter Straße zwischen Neckartor und Mineralbädern ist Bestandteil des Rahmenplans B 14. Dafür wurde die Bundesstraße zwischen dem Marienplatz und dem Schwanenplatztunnel in sechs Planungsabschnitte unterteilt. Der Abschnitt vom Neckartor bis zu den Mineralbädern ist der mit Abstand größte Planungsbereich und wird wohl als Erstes umgestaltet werden.

Bürgerbeteiligung geplant

Die AWS modernisiert ihre Zentrale. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Planer konzentrieren sich dabei nicht nur auf die B 14 selbst, vielmehr gehören auch die Übergangsbereiche zum Schlossgarten auf der einen Seite und die Quartiere bis zur Neckarstraße auf der anderen Seite zum aktuellen Planungsabschnitt. In dem Gebiet liegt auch die Zentrale der Abfallwirtschaft Stuttgart, die für rund 360 Millionen Euro erneuert und umgestaltet werden soll. Im April ist deshalb eine Bürgerbeteiligung für Stuttgart-Ost geplant.

Absprache zwischen den Ämtern

Das Ziel der Verwaltung ist, beide Maßnahmen aufeinander abzustimmen. Jedoch kann die Umgestaltung der B 14 in diesem Abschnitt erst nach der Fertigstellung des Kanals erfolgen. „Im Idealfall gehen beide Projekte nahtlos ineinander über“, so Mutz.

Nesenbachkanal

Historie
Für den Ausbau der Cannstatter Straße zur Bundesstraße 14 wurde in den Jahren ab 1960 der Hauptsammler Nesenbach zu einem Abwasserkanal umgebaut. Bis dahin floss das Abwasser aus den Stadtteilen Vaihingen, Heslach, Kaltental und aus der gesamten Innenstadt bis zum Schwanenplatz in einem offenen Gerinne zum Hauptklärwerk Mühlhausen.

Lage
Der Kanal verläuft zwischen der Kreuzung Cannstatter, Wolfram- und Heilmannstraße sowie dem südlichen Tunnelportal des Schwanenplatztunnels unter den drei Fahrspuren in Stadteinwärtsrichtung. Er ist 7,60 Meter breit und zwischen drei und fünf Meter hoch.

Schäden
Insbesondere die Stahlbetonplatten des Kanals, auf denen der Verkehr stadteinwärts fließt, weisen mittlerweile massive Schäden auf. 2014 und 2018 wurden zur Sicherheit insgesamt 43 Stahlrahmen eingebaut, die die Deckenelemente stützen.

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