Peter Linder (links) übergibt die Büste Oscar Heilers an OB Nopper. Foto: Lichtgut/Zophia Ewska
Die Peter-Linder-Stiftung schenkt der Stadt eine Büste Oscar Heilers. Verewigt von der Bildhauerin Hanne Schorp-Pflumm, kehrt der Volksschauspieler so in den Stuttgarter Osten zurück.
Heidemarie A. Hechtel
08.09.2024 - 12:20 Uhr
Ein Stäffele hat ihm die Stadt schon längst gewidmet. Allerdings führt die Oscar Heiler-Staffel im Süden von der Mörikestraße zur Karlshöhe. Und nicht, wie es sich der große Volksschauspieler gewünscht hätte, im heimatlichen Osten hinauf zum Buchwald. Doch nun ist Oscar Heiler heimgekehrt nach Gablenberg. Die Peter-Linder- Stiftung schenkte der Stadt die Büste, die die renommierte Stuttgarter Bildhauerin Hanne Schorp-Pflumm (1921-1990) von dem Komödianten schuf. Unweit von seinem ehemaligen Domizil in der Bergstraße hat der bronzene Charakterkopf nun ein Zuhause im Bürgertreff Gablenberg, wo ihn Peter Linder an OB Frank Nopper übergab.
Er war Komödiant und kritischer Zeitzeuge
„Ich weiß seine Telefonnummer heute noch auswendig“, sagt Peter Linder und nennt sie ohne Stocken. So oft habe er Heiler angerufen, „auf jede Frage wusste er eine Antwort. Er war viel mehr als ein Schauspieler: ein Komödiant, ein kritischer Betrachter unserer Zeit, blitzgescheit und ein Philosoph“. Meisterhaft hat die Bildhauerin die Gedankenschwere ihres Modells wiedergegeben. Denn Heiler war so viel mehr als die schwäbische Figur Häberle. Als Teil des Komiker-Duos Häberle und Pfleiderer, in dem Willy Reichert den Überlegenen spielte, hatte Oscar Heiler den Dackel zu geben.
Oscar Heiler Foto: SWR
Kennengelernt hatte ihn Linder bei einer Matinee im Café Greiner im Hindenburgbau: „Ich wollte den mir aus Funk und Fernsehen bekannten Schauspieler und Komödianten persönlich erleben.“ Und wurde erst recht sein Fan. Im Café Greiner stand auch Schorp-Pflumms Skulptur. Doch als das Café Greiner schloss, war die Frage: Wohin mit dem Kunstwerk? Oscar Heiler, erzählt Linder, wollte den „todeligen Heiler“ nicht bei sich zu Hause haben. Linder, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Schwäbischen Bank, erwarb die Büste fürs Bankfoyer. Nachdem in letzter Zeit jüngere Kunden vermehrt die Frage stellten, ob der Abgebildete Linder selbst sei, habe er sich nach einer neuen Heimat für die Büste umgesehen. So kam das Werk in den Gablenberger Bürgertreff.
Dem Mimen flicht die Nachwelt bekanntlich keine Kränze. „Dabei war das Gespann Häberle und Pfleiderer über Jahrzehnte im Ländle jedem Kind bekannt“, betonte Nopper. Das Duo habe das Bild der Schwaben in Deutschland geprägt. Aber Heiler empfand den Häberle, die Rolle seines Lebens, als „Albtraum“: „Der Häberle ist ein Spießbürger“, hatte er im Gespräch mit Joe Bauer, dem ehemaligen Kolumnisten der Stuttgarter Nachrichten, geschimpft. „Und ich bin immer Rebell gewesen, antibürgerlich.“ Der 1906 in Stuttgart Geborene entdeckte schon als Schüler des Karls-Gymnasiums seine Leidenschaft fürs Theater. Doch der junge Freigeist, politisch ein Linker und Anhänger der Freikörperkultur, musste erst eine Lehre als Buchhändler absolvieren.
Er tanzte mit Marlene Dietrich
In der Buchhandlung am Postplatz bediente der Stift häufig Willy Reichert, erzählte ihm von seinen Ambitionen und wurde von ihm ans Schauspielhaus in der Kleinen Königstraße vermittelt. Heiler schwärmte zeitlebens von diesen Jahren, in denen er bei den Proben zur „Dreigroschenoper“ Bert Brecht und Kurt Weill traf und mit Marlene Dietrich tanzte, als sie in der Revue „Es liegt in der Luft“ in Stuttgart gastierte.
Oscar Heiler (rechts) und Willy Reichert als Häberle und Pfleiderer in einer Aufnahme von 1957 Foto: SWR
Nach einem Bühnenunfall entdeckten Ärzte ein Karzinom in der Kniekehle, das Bein wurde amputiert. Doch das Schicksal bot Heiler eine neue Chance: Er sprang als Partner von Reichert für einen verunglückten Kollegen ein. Damit war das Duo Häberle und Pfleiderer geboren, das 40 Jahre lang bis zum Tod Reicherts 1973 begeisterte. Freunde wurden beide freilich nie. Rollen in den Stücken „Die Glückskuh“ und „Dr Entaklemmer“ von Thaddäus Troll im Staatstheater sah Heiler als die eigentlichen Höhepunkte seiner Karriere an.
Schauspieler mit ernsthaften Seiten
„Es ist schade“, sagte Heiler kurz vor seinem Tod am 9. April 1995, „dass mich so wenig Leute richtig kennen. Alle denken, ich sei einer, der nur Gaudi macht.“ Bei der Betrachtung seines Konterfeis lässt sich diese ernsthafte Seite Oscar Heilers neu entdecken.