Stadt Fellbach: Sportlerehrung Der Preis geht an einen Lebensretter
Jürgen Beier von der Fußballabteilung des TV Oeffingen ist das Sport-Ass der Herzen 2025.
Jürgen Beier von der Fußballabteilung des TV Oeffingen ist das Sport-Ass der Herzen 2025.
Selten habe die Auszeichnung Sport-Ass der Herzen so gut gepasst wie diesmal, sagte Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull. Allein der Betroffene hatte im Vorfeld rein gar nichts davon geahnt. Unter einem Vorwand war Jürgen Beier, Zeugwart und Mannschaftsbetreuer bei den Oeffinger Fußballern, von Abteilungsleiter Michael Bren zur Sportlerehrung am Freitagabend in die Schmidener Festhalle gelockt worden und saß ahnungslos im Publikum, als die OB zu ihrer Laudatio ansetzte.
Zull erinnerte an den 24. August 2025, einen Sonntag, als sich auf dem Fußballplatz in Oeffingen ein schlimmes Unglück ereignete. Im Kreisliga-B-Spiel zwischen dem TV Oeffingen II und dem TSV Rudersberg II war noch vor der Halbzeitpause ein Gästespieler zusammengebrochen, der in Folge mehrfach reanimiert werden musste. Einer der Ersthelfer, der sofort zur Stelle war und damit großen Anteil daran hatte, dass der damals 30-Jährige den Hinterwand-Herzinfarkt überlebte, der meist tödlich endet, war Jürgen Beier vom TV Oeffingen. „Er war einer derjenigen, der sich mit anderen abwechselnd um die Herzdruckmassage kümmerte, um die Mund-zu-Mund-Beatmung und den Einsatz des Defibrillators“, sagte Zull. „Jürgen hat den Löwenanteil gemacht“, zitierte sie den Fußballabteilungsleiter Bren, der noch heute erklärt, er sei „super stolz“, dass alles so gut geklappt hat und froh, „dass der Jürgen da war“. Und nicht nur Beier habe schnell und richtig gehandelt. Alle anwesenden Fußballer, Männer wie Frauen und sonstige Verantwortlichen, hätten einen Part übernommen. Der eine sei zum Defibrillator gerannt, andere hätten einen Sichtschutz zu den Zuschauern gebildet oder den Rettungsdienst eingewiesen. „Sie haben nicht abgesprochen als großes Team alles richtig gemacht“, sagte Michael Bren.
Jürgen Beier, der in Waiblingen wohnt und in Fellbach arbeitet, ist bei den Oeffinger Fußballern seit 2004 „Mädchen für alles, die gute Seele im Team und Ansprechpartner für alle“. Der 55-Jährige ist der Erste und der Letzte der geht, und nicht nur für saubere Trikots und Kickschuhe zuständig, sondern auch fürs allgemeine Wohlfühlklima. „Ich wüsste nicht, was wir ohne den Jürgen machen würden“, zitierte Gabriele Zull den TVOe-Abteilungsleiter.
Die Oberbürgermeisterin vermutete, dass für den eher Zurückhaltenden der Auftritt auf der Bühne vermutlich „schlimmer“ ist als es seinerzeit der Ersthelfereinsatz war. Und tatsächlich fiel Jürgen Beier aus allen Wolken. „Als er gemerkt hat, dass er das Sport-Ass der Herzen ist, war er völlig fertig“, sagte Bren. Der Fußball-Chef hatte die Ernennung, von der er seit Monaten wusste, als absolute Geheimsache behandelt. Als Begründung für Beiers Anwesenheit bei der städtischen Sportlerwahl hatte er ihm erklärt, dass Fellbachs Oberbürgermeisterin nach der Veranstaltung persönlich mit ihm über seinen lebensrettenden Einsatz reden wolle. Also saß Jürgen Beier den ganzen Abend unter den Gästen und applaudierte den erfolgreichen Sportlerinnen und Sportlern, nichts ahnend, dass wenig später der ganze Saal ihm Beifall spenden würde. Er habe keinen blassen Schimmer gehabt, erklärte der Geehrte später. „Als ich mein Bild auf der Leinwand gesehen habe, bin ich erst einmal richtig erschrocken. Bühnenauftritte sind eigentlich nicht mein Ding, aber im Nachhinein war es doch sehr schön.“