Stadt hinter Mauern: JVA-Sommerserie Drei Stunden im Monat Kontakt zur Außenwelt

Von Kathrin Klette 

In der Besuchsabteilung können Gefangene Freunde oder Verwandte treffen – immer unter Aufsicht.

Hinter den Mauern der JVA Heimsheim liegt mehr, als so mancher vermuten mag. Foto: kle
Hinter den Mauern der JVA Heimsheim liegt mehr, als so mancher vermuten mag. Foto: kle

Heimsheim - In unserer Serie „Stadt hinter Mauern“ werfen wir einen Blick hinter die Mauern der Justizvollzugsanstalt Heimsheim und stellen die unterschiedlichen Arbeitsbereiche und Abteilungen einmal genauer vor. Mitarbeiter berichten von ihren Aufgaben und ihren Erfahrungen und von den Herausforderungen des Gefängnisalltags. Heute: Besuchsabteilung.

Ein großer, lichter Raum mit vielen kleinen Holztischen: Es könnte auch eine öffentliche Kantine sein. Doch der Saal befindet sich mitten in der JVA Heimsheim. Es ist der Raum für Gefangenenbesuche. „Der neue Besuchsraum ist etwa zehn Jahre alt“, erklärt Marco Schraft von der Besucherabteilung. „Davor war alles viel enger, da war kaum Platz für Privatsphäre.“ Privatsphäre gibt es weiterhin natürlich nur bedingt: Der gesamte Saal wird mit Kameras überwacht, damit niemand unbemerkt etwas über den Tisch reichen kann. Zumindest zu den anderen Tischen gibt es aber wesentlich mehr Abstand als früher.

Jedem Gefangenen stehen im Monat drei Stunden für private Besuche von außerhalb zu. Insgesamt sind die Vorgaben in der Anstalt deutlich strenger geworden. Essen mitbringen zum Beispiel ist tabu, zu leicht ließe sich darin etwas schmuggeln. Auch Schmuck dürfen die Besucher nicht tragen. Den könnte man im Gefängnis nämlich verkaufen. Für maximal zehn Euro dürfen sie in einem Automaten vor Ort ein paar Kleinigkeiten kaufen und überreichen – mehr aber auch nicht.

Auch Hochzeiten werden gefeiert

Andere Regeln gelten, wenn der Gefangene sich zum Beispiel mit seinem Anwalt trifft. Dafür gibt es extra Zimmer, die nicht überwacht werden. Auch Treffen zwischen Vätern und Kindern werden zum Teil besonders gefördert, auch dafür gibt es einen extra Raum, der bunt und freundlich gestaltet ist. Der hat gleich noch eine weitere Funktion: als Trauzimmer. „Ja, Hochzeiten gab es hier auch schon“, erzählt Marco Schraft. Und gar nicht so selten. „Ein bis zweimal im Jahr kommt das etwa vor, da kommt dann eine Standesbeamtin von Heimsheim vorbei. Da kann es dann schon mal etwas festlicher werden.“ Eheringe sind auch der einzige Schmuck, der in der JVA erlaubt ist.

Keine Möglichkeit besteht in Heimsheim für Langzeitbesuche, bei denen die Ehefrau – oder auch die Kinder – mal länger als nur ein paar Stunden in einem überwachten Besuchsraum mit ihrem Mann oder Vater verbringen können. „Das ist ein Thema, das die Gefangenen hier sehr bewegt und das sehr kontrovers diskutiert wird“, weiß der Ehrenamtsbeauftragte der JVA, Ernst Weigandt. „Gerade Sex und Zärtlichkeit sind ein großes Thema. Wie viele Beziehungen zerbrechen, weil keine echten Kontakte und keine Intimität mehr möglich sind?“ Bislang sind die räumlichen Voraussetzungen – abgetrennte Räume mit Schlafbereich und Wohnküche zum Beispiel – aber schon aus Platzgründen nicht gegeben. „Von der Gefangenenmitverwaltung“ – die Gefangenen können einen Stockwerksvertreter wählen, der ihre Anliegen gegenüber der Gefängnisleitung vertritt – „wird das immer wieder angesprochen.“

Klischee vs. Realität

Klischee: Zwischen Gefangenem und Besuchern muss immer eine Trennscheibe sein.

Realität: In dem Besucherraum in Heimsheim dürfen die Menschen am Tisch direkt beieinandersitzen – das ist der Standardfall. Trotzdem gibt es auch ein Zimmer mit Trennscheibe. Wenn eine Mutter zum Beispiel dabei erwischt wird, wie sie für ihren Sohn etwas hineinschmuggeln will, gibt es fortan keinen direkten Kontakt mehr für die beiden. Wer nicht eng mit dem betreffenden Gefangenen verwandt ist, kann in so einem Fall sogar ein lebenslanges Besuchsverbot bekommen.

 




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