Stadt hinter Mauern: JVA-Sommerserie Mehr als 3000 Kilogramm Wäsche in der Woche

Von Kathrin Klette 

Die Wäscherei ist neben der Küche der wohl wärmste Arbeitsplatz in der gesamten JVA.

Ob Bettwäsche oder Arbeitskleidung: Alles landet hier in der Wäscherei. Foto: Andreas Gorr
Ob Bettwäsche oder Arbeitskleidung: Alles landet hier in der Wäscherei. Foto: Andreas Gorr

Heimsheim - In unserer Serie „Stadt hinter Mauern“ werfen wir einen Blick hinter die Mauern der Justizvollzugsanstalt Heimsheim und stellen die unterschiedlichen Arbeitsbereiche und Abteilungen einmal genauer vor. Mitarbeiter berichten von ihren Aufgaben und ihren Erfahrungen und von den Herausforderungen des Gefängnisalltags. Heute: Wäscherei.

Ganz schön „kuschelig“ hier drin. „Kürzlich hatten wir um die 35 Grad“, sagt Holger Schneider. Der    Vollzugsbeamte ist der Leiter der ­Wäscherei in der Justizvollzugsanstalt Heimsheim. Zusammen mit der Küche der wärmste Arbeitsplatz in der JVA – für die Beamten und für die Gefangenen, die hier tätig sind. Mehr als 3000 Kilogramm Kleidung, Bettzeug, Handtücher und mehr landen hier jede Woche im Schleudergang, schätzt Schneider. Bis zu sechs Maschinen Wäsche sind es jeden Tag. „Und in die großen Trommeln passen 120 Kilo Trockenwäsche“, so Schneider.

Bei rund 470 Gefangenen kommt ­immerhin einiges an Wäsche zusammen. Umso mehr, da bis zu 70 Männer immer nur übergangsweise hier sind und schon nach wenigen Tagen die Anstalt wieder verlassen, um in eine andere Einrichtung verlegt zu werden. Das bedeutet dann: Alle paar Tage neue Handtücher und neues Bettzeug. „Da geht es zu wie im Hotel“, umschreibt es der Anstaltsleiter Frank Jansen. Bei den 400 anderen Gefangenen sind die Intervalle zwar größer, dafür kommt die Kleidung noch dazu.

Strenge Vorschriften für alle Waschgänge

Sämtliche Schmutzwäsche, die hier unten ankommt, landet gesammelt in den riesigen Maschinen. Anhand von Markierungen lässt sich erkennen, wem das jeweilige Stück gehört. Grundsätzlich gelten für alle Waschgänge sehr strenge Vorschriften, was die Reinigung angeht. „Es gibt schließlich Männer hier, die an­steckende Krankheiten haben“, erklärt ­Holger Schneider. Wäscheleinen gibt es nicht, alle Stücke kommen so, wie sie aus der Trommel kommen, in den Trockner.

Über das Prozedere müssen sich die Gefangenen im Klaren sein. Wer etwas abgibt, was nicht in die Waschmaschine oder in den Trockner darf, hat Pech gehabt. „Einer hat mal einen Kaschmir-Pullover abgegeben – der hatte hinterher Baby-Größe“, erinnert sich Holger Schneider und muss schmunzeln.

Doch nicht nur den Gefangenen von „oben“ können solche Missgeschicke passieren. Auch bei denen, die hier arbeiten, kann mal etwas schiefgehen. „Früher musste man das Waschmittel noch von Hand einfüllen. Wenn da mal einer zu viel genommen hat, ist hier alles über­geschäumt“, erzählt der Wäschereileiter. Doch es geht noch besser: „Wir hatten auch mal einen Gefangenen hier, der hat immer super Arbeit geleistet. Allerdings war er Analphabet, was lange Zeit niemand gemerkt hat. Bis er einmal versehentlich Bleichmittel statt Waschmittel genommen hat. Die blauen Sweatshirts waren hinterher rot.“ Seither sind die ­entsprechenden Kisten übrigens farblich markiert.

Klischee vs. Realität

Klischee: Die Flucht mit dem Wäschewagen

Realität: Wer das in Heimsheim versucht, kommt nicht weit: Die Anstalt wäscht nur für den eigenen Bedarf. Sollte sich tatsächlich mal jemand in einem Wäschewagen verstecken, käme er also einfach nur auf einem anderen Stockwerk wieder raus. Heimsheim bildet ­damit keine Ausnahme: Standardmäßig wird in Gefängnissen in Baden-Württemberg nur die eigene Wäsche verarbeitet.