Stadt Ludwigsburg Nur jeder zweite Baum ist gesund

Der Walckerpark gilt als Vorzeigeprojekt bei der Schaffung von Grünflächen. Foto: Jürgen Bach

Der Klimawandel macht den Grünflächen der Stadt Ludwigsburg zu schaffen. Das Ziel bleibt dennoch, die Lebensqualität zu steigern.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Bäume sind wichtig für Ludwigsburg, nicht zuletzt weil die Stadt bekannt ist für ihre Alleen. Doch nicht nur an den baumgesäumten Straßen, auch an anderen Stellen sorgt sich die Verwaltung um den Zustand der rund 30 000 kommunalen Bäume nach einem erneut sehr trockenen Sommer. Von ihnen sind nach einer Untersuchung im Rahmen des Stadtentwicklungskonzepts nur noch 47,1  Prozent in einem vitalen Zustand.

 

Die Zahlen legten der Bürgermeister für Mobilität, Sicherheit und Tiefbau, Sebastian Mannl, und Ulrike Schmidtgen, Leiterin des Fachbereichs Tiefbau und Grünflächen, gemeinsam mit der für Ökologie verantwortlichen Katharina Hofmann beim Sommergespräch „Grün in der Stadt“ den Pressevertretern vor. In diesen Gesprächen informiert die Ludwigsburger Verwaltung regelmäßig über Ergebnisse des Stadtentwicklungsprozesses. Dafür waren die einzelnen Fachbereiche seit der bis dato letzten Fortschreibung im Jahr 2018 in den Dialog mit den Bürgern getreten.

Geschädigte Bäume können noch lange stehen bleiben

Der Zustand der Bäume klang eher am Ende des Gesprächs an. Die Statistik, wonach 35,5 Prozent „leicht geschwächt“, 14,3 Prozent „deutlich geschwächt“ und 3,1 Prozent „erheblich geschwächt“ sei, dürfe aber nicht so gedeutet werden, dass die Gewächse die Verkehrssicherheit gefährdeten und deshalb bald entfernt werden müssten, erklärte die Fachbereichsleiterin Ulrike Schmidtgen. Auch die „deutlich geschwächten“ Bäume könnten noch zehn bis 15 Jahre stehen und einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Schäden zeigten sich oft erst lange nach einem Dürrejahr. Man müsse in Zeiten des Klimawandels aber öfter als früher den Zustand der Bäume untersuchen.

Im Fokus der Arbeit stehe der Erhalt und die Pflege der Grünanlagen sowie deren Weiterentwicklung, berichtete Sebastian Mannl. Steigende Kosten durch den Klimawandel zwängen jedoch dazu, das Augenmerk stärker auf den Erhalt des Bestandes zu legen. Visionäres müsse zurückstehen: „Es bringt nichts, 200 Bäume neu zu pflanzen, wenn uns woanders 200 absterben.“

Grünflächen dienen den Stadtbewohnern als Treffpunkt

Erstmals leicht abgenommen hat im Jahr 2021 der Anteil der Grünfläche pro Einwohner auf rund 41,1 Quadratmeter. Zuvor hatte er sich in den Jahren seit 2014 kontinuierlich von 40,1 auf 41,2 gesteigert. „Viele Menschen haben keinen Balkon oder eine Terrasse und wollen sich treffen“, sagte Katharina Hofmann. Grünflächen seien ein Angebot für die Bürger. Einen solchen Treffpunkt habe die Stadt Ludwigsburg mit dem Rückbau eines 14 500 Quadratmeter großen Areals zum Walckerpark geschaffen. Dort seien insgesamt 135  Bäume und Großgehölze neu gepflanzt worden. Menschen könnten sich im Park etwa vom Hitzestress erholen.

Die Wasserzufuhr der Bäume ist ein bedeutsames Thema

Ein weiteres wichtiges Ziel ist laut Hofmann, das Verbundnetz der Biotope und Grünanlagen zu stärken. Diese Freiräume förderten die biologische Vielfalt im Rahmen einer blau-grünen Infrastruktur. Die Wasserzufuhr sei dabei ein bedeutsames Thema im Tiefbau, erklärte die Fachbereichsleiterin Ulrike Schmidtgen. Der allergrößte Teil der Bäume verfüge nicht über ein Regenauffangsystem, wie es bei neuen Projekten unterstützend mitangelegt werde. Es gebe im Stadtgebiet wegen unterirdischer Leitungen oft Hindernisse, Bäume ausreichend zu versorgen.

Ein Anliegen ist den Ökologen der Stadt weiterhin die Dachbegrünung. Sie stehe nicht unbedingt im Widerspruch zum Wunsch vieler Haushalte, eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach zu installieren, erklärten Mannl, Schmidtgen und Hofmann unisono. Gebäude erhitzten sich nicht so stark, niederfallender Starkregen werde zum Teil gespeichert und abgeschwächt – und in der Umgebung entstehe ein Kleinklima.

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