Stadt Marbach sucht Investor Wird aus der alten Polizeiwache ein Fahrradhotel?
In Marbach (Kreis Ludwigsburg) soll ein mehr als 300 Jahre altes Gebäude verkauft werden. Investoren können ihre Ideen präsentieren. Einen Vorschlag gibt es schon.
In Marbach (Kreis Ludwigsburg) soll ein mehr als 300 Jahre altes Gebäude verkauft werden. Investoren können ihre Ideen präsentieren. Einen Vorschlag gibt es schon.
Es ist ein Jammer. Das Gebäude macht von außen immer noch eine Menge her, befindet sich das dazu in bester Innenstadtlage in der Niklastorstraße, nicht weit von Schillers Geburtshaus entfernt – und steht doch seit längerer Zeit leer und gammelt vor sich hin. Das will die Stadt nun ändern und dem Anwesen neues Leben einhauchen. Weil die Kommune selbst aber knapp bei Kasse ist, sucht sie einen Investor, der die frühere Polizeiwache in Schuss bringt. Der Gemeinderat hat jetzt die Kriterien abgesegnet, nach denen der Zuschlag erteilt werden soll.
Einig war sich die Runde, dass bei dem mehr als 300 Jahre alten Fachwerk-Ensemble trotz aller finanziellen Zwänge nicht nur der Kaufpreis eine Rolle spielen soll. Wert will man unter anderem auch darauf legen, das künftige Nutzungskonzept der Interessenten bei der Bewertung zu berücksichtigen. Zu eng gefasst war nach dem Geschmack des Gremiums jedoch, mit welchen Vorgaben die Rathausspitze hier ins Rennen gehen wollte.
Demnach sollten in dem Haus auf dem rund 180 Quadratmeter großen Grundstück Wohnungen oder Gewerbe angesiedelt werden. Lorenz Obleser (SPD) plädierte jedoch dafür, dass auch Initiativen eine Chance erhalten sollten, die eine am Gemeinwohl orientierte Lösung anstreben. Mit dem Verkauf kommunaler Flächen greife man in die künftige Entwicklung eines Quartiers ein, konstatierte Obleser. Mit der Entscheidung verknüpft sei folglich eine grundsätzliche Aussage dazu, welches Stadtbild man bewahren wolle, welche Werte man fördere und „welchen Raum wir für gesellschaftliches Engagement eröffnen“, sagte Obleser. Das Bieterverfahren ziele bis dato auf Investoren ab, er würde es aber gerne auf Stiftungen und Organisationen ausweiten, die sich dem Gemeinwohl verpflichtet haben.
Eine Anregung, bei der die Kollegen mitgehen konnten. Darunter auch Susanne Wichmann (Grüne), deren Fraktion möglichen Bauherren sogar schon eine Idee mit auf den Weg gab. „Wir können uns dort gut ein Fahrradhotel vorstellen“, sagte Wichmann. Die Vorteile eines solchen Angebots für die Altstadt lägen auf der Hand und seien mannigfaltig. Die Innenstadt werde belebt, Gastronomie und Einzelhandel wären Profiteure. Zudem entstehe „Kaufkraft ohne Autoverkehr und Parkflächenverbrauch“. Obendrein würde man dadurch nachhaltiges und klimafreundliches Reisen fördern. „Und dazu bliebe das Schmuckstück von Fachwerkhaus am Schiller-Geburtshaus auch ein Stück weit der Öffentlichkeit zugänglich“, erklärte Wichmann.
Der Marbacher Bürgermeister Jan Trost schien den Gedanken recht charmant zu finden. „Das können wir gerne aufnehmen“, sagte der Rathauschef, der aber zugleich einschränkte, dass man „dann natürlich auch jemanden braucht, der das umsetzt“. Und das vorrangige Ziel müsse sein, das Gebäude wieder in Schuss zu bringen und nicht weiter verkommen zu lassen, betonte Bauamtsleiter Dieter Wanner.
Wer am Ende mit welchem Konzept den Zuschlag erhält, wird in den Händen eines Bewertungsgremiums liegen, das sich aus Räten und Mitgliedern der Stadtverwaltung zusammensetzt. Interessenten können das Anwesen, in dem zuletzt Geflüchtete ein Dach über dem Kopf gefunden hatten, im September besichtigen. Im Oktober und November dürfen Angebote eingereicht werden. Die Entscheidung zur Zukunft des ortsbildprägenden Gebäudes wird laut Zeitplan im Dezember gefasst.