Stadt Wernau Sporthallenneubau bleibt weiter ungewiss

Hier eine neue Sporthalle zu bauen, käme teurer als auf dem Katzenstein. Foto: Ait Atmane/Karin Ait Atmane

Es ist noch immer unklar, ob eine neue Sporthalle in Wernau gebaut wird. Für einen möglichen Standort gibt es indessen jetzt einen Favoriten.

Die Planungsgelder für eine neue Sporthalle in Wernau bleiben vorläufig noch gesperrt, wie vom Gemeinderat im Januar entschieden. Damals hatte eine Mehrheit aus CDU, Freien Wählern, SPD und Grünen gefordert, dass die Verwaltung zunächst die Kosten für die anstehenden Pflichtaufgaben der Stadt, beispielsweise die Sanierungen von Schulen und Kitas, beziffern soll. Erst danach könne man die 200 000 Euro, die für die Sporthallenplanung im Haushalt eingestellt sind, freigeben – oder auch nicht.

 

Standort bei der Realschule oder im Neckartal?

Jetzt stand die Sporthalle zwar erneut auf der Tagesordnung, es ging aber lediglich um die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe, die im vergangenen Jahr mehrfach zusammengekommen war. In ihr waren auch Delegierte der Sportvereine vertreten. Gemeinsam wurde ein Mindeststandard für die Halle festgestellt und die Frage nach dem Standort vertieft: auf dem Katzenstein bei der Realschule oder im Neckartal? Denn dieser Punkt war noch offen – hat nun aber eine klare Antwort gefunden. Die Arbeitsgruppe spricht sich für den Standort bei der Realschule aus, auch deshalb, weil dort mit weniger Aufwand und damit weniger Kosten gebaut werden kann. Im Tal, auf dem Bolzplatz bei der Neckartalhalle, ist die Situation beengter, der Baugrund schlechter und die Hochwassergefahr größer. Zudem wäre es dort sinnvoll, eine neue Halle analog zur Neckartalhalle „tieferzulegen“, was ebenfalls die Kosten erhöhen würde. „Es würde unten viel teurer werden“, fasste Ina Walden zusammen, die als Planerin von Sport-Concept Stuttgart die Gruppe begleitet hat.

Bei der Hallengröße habe man sich auf das wirklich Notwendige beschränkt, sagte sie, und sei damit zu einer „Zweifeldhalle plus“ gekommen, also einer leicht vergrößerten Zweifeldhalle, die gleichwohl in drei Teilen genutzt werden kann. Sie würde sich für den Trainingsbetrieb der verschiedenen Ballsportarten eignen; höherklassige Spiele und Volleyball-Punktspiele müssten wegen der Tribüne und der Feldgröße weiterhin in der Neckartalhalle stattfinden. Für diese Hallengröße stellte Walden eine Preisspanne von 9,1 bis 12,2 Millionen Euro in den Raum, einschließlich gewisser Kostensteigerungen. Denn billiger dürfte das Bauen kaum werden, auch wenn die Preise nicht unbedingt weiter so steil ansteigen wie in den vergangenen Jahren.

Der TSV ist bereits Kompromisse eingegangen

In Sachen Kosten hat Bürgermeisterin Christiane Krieger auch Informationen über jene Sporthalle eingeholt, die der Landkreis in Esslingen-Zell gebaut hat – für knapp sechs Millionen Euro, weshalb dieses Beispiel immer wieder „durchs Gremium geistert“, wie sie sagte. Die Auskunft: Die Halle, die 2019 eingeweiht wurde, wäre heute ähnlich teuer wie die von Sport-Concept genannten Kosten, da schlügen einfach die Teuerungen durch. Woraus wiederum Gereon Trabold (Wernauer Bürgerliste) schloss: „Wir hätten vorgestern bauen sollen.“ Sein Fazit: „Wenn wir jetzt noch ein bisschen rumdreckeln, sind wir bei 15 Millionen“.

Enttäuscht und ein Stück weit ernüchtert wirkte auch Manfred Leutz, der Vorsitzende des größten Wernauer Sportvereins TSV, nach der Sitzung. Der TSV ist bereits Kompromisse eingegangen: So hat der Verein sich, obwohl ursprünglich eine Halle mit festen Geräten für die Turner vorgesehen war, jetzt auf eine Ballsporthalle eingelassen. Alle beteiligten Vereine haben seit Jahren Energie und ehrenamtliche Arbeit in das Projekt Sporthalle gesteckt. Der Aussage, dass Pflichtaufgaben vorgehen, könne man trotzdem nicht viel entgegensetzen, meint der TSV-Vorsitzende. Er vermisst aber stellenweise das Bewusstsein dafür, was die Sportvereine für den Zusammenhalt in der Gesellschaft und für die Gesundheitsförderung leisten – und wie viel Geld sie der Gemeinschaft damit sparen. Leutz hätte sich zumindest ein Signal erhofft, wann der Gemeinderat über den Sperrvermerk fürs Planungsgeld entscheiden wird. Das hat er nicht bekommen, die Bürgermeisterin merkte in der Sitzung lediglich an, dass die Verwaltung an den gewünschten Zahlen arbeite.

Konsens über mangelnde Hallenkapazität

Bürgermeinung
Im vergangenen Jahr fand, angeregt von Bürgermeisterin Christiane Krieger, eine „dialogische Bürgerbeteiligung“ mit 30 zufällig ausgewählten Wernauern und Wernauerinnen statt. Sie setzten sich intensiv mit dem Projekt neue Sporthalle auseinander und stimmten am Ende fast alle dafür. Auch der Gemeinderat hatte sich schon rund ein Jahr zuvor grundsätzlich für den Sporthallenbau ausgesprochen. Dass Hallenkapazität in Wernau fehlt, haben verschiedene Erhebungen in den vergangenen acht bis zehn Jahren bestätigt.

Sperrvermerk
Mit dem Sperrvermerk hat der Gemeinderat die im Haushaltsplan eingestellten Planungsgelder für die Sporthalle in Höhe von 200 000 Euro sozusagen eingefroren. Er kann den Vermerk jederzeit per Mehrheitsbeschluss wieder aufheben, möchte aber vorher wissen, welche Investitionen im Bereich der Pflichtaufgaben der Gemeinde anstehen. Aus dem Gremium war zu hören, dass man auf diese Zahlen noch vor der Sommerpause hoffe. aia

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