Stadtbahn-Debatte im Kreis Ludwigsburg Die große Weichenstellung

Von Julian Illi 

Es könnte der Wendepunkt in der Nahverkehrs -Debatte sein: Ein Kompromiss sieht vor, sowohl die BRT-Busse als auch die Pläne für eine Stadtbahn zu verfolgen. Landrat und die Oberbürgermeister sind zufrieden – doch die Entscheidung fällt an anderer Stelle.

Es herrscht Redebedarf: Die Bürger stellen am Freitag in der MHP-Arena jede Menge  Fragen zum Verkehrskonzept. Foto: factum/Weise 6 Bilder
Es herrscht Redebedarf: Die Bürger stellen am Freitag in der MHP-Arena jede Menge Fragen zum Verkehrskonzept. Foto: factum/Weise

Ludwigsburg - Die Info-Veranstaltung zum öffentlichen Nahverkehr ist fast zu Ende, einige der gut 300 Zuschauer haben die Ludwigsburger MHP-Arena am Freitagabend längst verlassen. Da lässt Werner Spec mit einem Satz aufhorchen: bei einem Spitzengespräch am Donnerstag habe sich die Möglichkeit zu einem Kompromiss, einer „Doppelstrategie“ aufgetan, erklärt der Ludwigsburger Oberbürgermeister. So sollen sowohl die im Rathaus bevorzugten, bahnähnlichen BRT-Busse kommen, die Bahntrasse von Markgröningen über Möglingen bis nach Ludwigsburg und weiter nach Kornwestheim reaktiviert werden – und trotzdem die Pläne für eine neue Schienenstrecke, eine Stadtbahn, vorangetrieben werden.

Der Ministerialdirektor Uwe Lahl, hinter Winfried Hermann der zweite Mann im Stuttgarter Verkehrsministerium, hatte offenbar geladen und den Weg für diesen Kompromiss hinter verschlossenen Türen geebnet. Neben Spec waren auch die Rathauschefs aus Remseck, Markgröningen, Möglingen und Kornwestheim eingeladen. Konsens sei gewesen, „alles dafür zu tun, das Thema voranzutreiben“, sagt Spec. Konkret soll das so aussehen: Das Land wird die Schnellbusse aller Voraussicht nach fördern, sie sollen so schnell wie möglich realisiert werden. Zudem arbeiten die Planer gemeinsam an der Reaktivierung der Bahntrasse von Markgröningen kommend, je nach Einschätzung sollen dort in drei bis fünf Jahren die Züge rollen.

Nicht Stadtbahn oder Schnellbusse – sondern beides

Beides sind wesentliche Bausteine des Verkehrskonzepts, das Spec und der Verkehrsexperte Sascha Behnsen zuletzt vorgelegt hatten und für das die Stadt am Freitagabend in der Arena noch einmal kräftig die Werbetrommel rührte.

Doch anders als noch vor Monatsfrist erwogen sollen die Pläne für eine Stadtbahn deshalb nicht in die Schublade – im Gegenteil. Man strebe an, gleich im Mai im Gemeinderat über den Kompromiss abzustimmen zu lassen, kündigte Spec an. Vor der Sommerpause soll dann der Beschluss folgen, die Stadtbahn für die Fördermittel des Bundes anzumelden. Damit erfüllt die Ludwigsburger Verwaltung eine wesentliche Forderung des Landrats Rainer Haas, der in einem Ultimatum eine Entscheidung vor dem Sommer gefordert hatte. Andernfalls gerate man gegenüber anderen Großvorhaben in der ganzen Republik ins Hintertreffen, hatte der Landrat stets gemahnt.

Sollte der Mittelweg tatsächlich beschritten werden, wäre das nicht weniger als ein Durchbruch in einer Debatte, die seit Monaten läuft und immer wieder Kehrtwendungen erlebt hat. Zuletzt hatte sich zwei Lager gebildet: Auf der einen Seite der Landkreis Ludwigsburg, allen vor an Landrat Rainer Haas, die beteiligten Kommunen im Landkreis sowie Teile des Ludwigsburger Gemeinderats. Ihnen gegenüber stand Ludwigsburgs Stadtverwaltung, die zuletzt ein ganz eigenes Konzept für den öffentlichen Nahverkehr präsentierte und die andere Hälfte der Ludwigsburger Kommunalpolitik, insbesondere CDU und Freie Wähler. Mit dem jetzigen Mittelweg könnte „diese Lagerbildung aufgelöst werden“, sagte Spec am Freitagabend.

Ähnlich sieht es der Landrat. Rainer Haas spricht von einer „salomonischen Lösung“, die ihn „sehr freue“. Die BRT-Busse (für Bus Rapid Transit) seien schneller zu haben als die Stadtbahn, die frühestens in acht bis zehn Jahren fahren könne. Daher wollen man nun beides parallel vorantreiben. Für die Reaktivierung der Bahnstrecke aus Markgröningen werde der Kreis mit der Stadt Ludwigsburg an den Verband Region Stuttgart schreiben. Dass dieser für einen Betrieb auf den stillgelegten Schienen zuständig sei, liege nahe.

Der Ludwigsburger Gemeinderat ist gefordert

Für den Fall, dass in wenigen Jahren dann tatsächlich beide Varianten, also die wiederbelebte Bahnstrecke und die Stadtbahn, zu haben wären, gibt es ebenfalls einen Plan. „Dann gehen wir zum Bundesverkehrsminister und sagen: ‚Die Stadtbahn soll am Ludwigsburger Bahnhof enden’“, sagte Haas.

Für ihn sei nun wichtig, dass die Absprachen dieses Kompromisses auch eingehalten würden, erklärt der Kreis-Chef. „Da lege ich großen Wert drauf.“ Die Stadt Ludwigsburg müsse die Stadtbahn „weiter ernsthaft planen“, vor allem sei nun aber der Ludwigsburger Gemeinderat gefordert.

Denn auch über die technische Variante muss noch befunden werden: Für einen Antrag beim Bund muss feststehen, ob es um eine Hochflurbahn nach SSB-Vorbild oder um Niederflurzüge geht. Eine Vorentscheidung scheint allerdings gefallen: Die Bahn-Befürworter im Ludwigsburger Rat aus SPD, Grünen, Ökolinx und Einzelstadträten haben sich unlängst in einem Antrag auf die Niederflurvariante festgelegt.