Michael Ilk gibt nicht nach und kontert die Kritik von Händlern und Gastronomen. Foto: Simon Granville
Händler und Gastronomen befürchten Chaos und Kundenverlust durch die Stadtbahn. Zweckverband-Chef Ilk bleibt auf Kurs und widerspricht – räumt aber auch Ungewissheiten ein.
Vergangene Woche hat sich eine zentrale Stimme der Ludwigsburger Innenstadt kritisch zur geplanten Stadtbahn geäußert. Der Innenstadtverein Luis, der die Interessen von Einzelhandel und Gastronomie vertritt, stellt das gesamte Projekt infrage. Nun äußert sich Stadtbahn-Geschäftsführer Michael Ilk – er räumt Herausforderungen ein, verteidigt jedoch zugleich das Vorhaben. Das Wichtigste in sechs Punkten.
1. Kritik des Innenstadtvereins
Unter anderem prangerte der Innenstadtverein an, dass der Zweckverband Stadtbahn kritische Stimmen nicht ernst nehmen würde. Zudem beschrieben Citymanager Markus Fischer und Verbandsvorsitzende Edith Klünder die Gefahren für die Händler und Gastronomen. Besonders die Baustellen, aber auch ein Betrieb der Stadtbahn, würden den Verkehr in der Barockstadt verschlimmern – und letztendlich Kundschaft vergraulen.
Der aktuelle Plan mit einem Stadtbahn-Halt am Westausgang des Bahnhofes und entlang der Friedrichstraße habe keinen Mehrwert für Handel und Gewerbe – die Stadtbahn fahre an der Innenstadt vorbei.
Aktuell will der Zweckverband die Alternativtrasse durch den Westen (rot) umsetzen. Politische Beschlüsse fehlen noch. Foto: Manfred Zapletal
2. Kritische Stimmen werden gehört
In dieser Woche geht der Zweckverband Stadtbahn in einem vierseitigen Schreiben auf die Kritik des Innenstadtvereins ein. Der Verband nehme kritische Stimmen sehr ernst, schreibt Geschäftsführer Michael Ilk. „Der Zweckverband betreibt einen großen Aufwand, um die Haltungen der Bürger und Bürgerinnen in Erfahrung zu bringen.“
Das habe man erst Mitte Mai mit zwei Informationsveranstaltungen in Ludwigsburg unter Beweis gestellt. Alle Rückmeldungen würden dokumentiert werden und in die Planung einfließen. Tatsächlich machten sich die Zweckverbandsmitarbeiter während der Bürgerbeteiligten im Forum Mitte Mai aktiv Notizen aus Gesprächen mit den interessierten Bürgern.
Zur Befürchtung, die Stadtbahn könne den Verkehr zusätzlich belasten, erklärt Ilk: Noch sei es zu früh für eine fundierte Einschätzung. Ja, die Stadtbahn „Lucie“ wird in der Weststadt und der Friedrichstraße Platz in Anspruch nehmen, für Ilk bedeutet das aber nicht, dass es deshalb automatisch zum Verkehrschaos kommen muss.
Laut Ilk laufen aktuell Untersuchungen, um die Frage zu klären, was die Lucie für die Staus in der Stadt bedeuten – erste Ergebnisse erwartet der Zweckverband nach den Sommerferien. Dann wolle der Verband auch Maßnahmen vorstellen, um mögliche negative Auswirkungen abzufedern. Ziel sei, dass die Stadtbahn „nicht zulasten des Individualverkehrs“ gehe.
So soll der Stadtbahn-Halt am Westausgang des Bahnhofes aussehen. Foto: Zweckverband Stadtbahn
4. Gespräche mit Handel und Gastro
Ilk gesteht ein, dass Bauarbeiten grundsätzlich belastend seien – auch für den Einzelhandel. Durch abschnittsweise Bauausführung sollen die Auswirkungen jedoch auf ein „vermeidbares Mindestmaß“ reduziert werden.
Der Zweckverband kündigt Gespräche mit Händlern und Gastronomen an, um die Bauabläufe möglichst verträglich zu gestalten. Beispiele aus Stuttgart hätten gezeigt, dass solche Bauarbeiten für Läden und Restaurants verkraftbar seien.
5. Westausgang: Eine notwendige Ausweichlösung
Der Halt am Westausgang des Bahnhofs sei notwendig, nachdem die Deutsche Bahn Ende vergangenen Jahres signalisiert hatte, dass eine pünktliche Einfahrt der Stadtbahn auf den Hauptgleisen nicht dauerhaft gewährleistet sei. Vermutlich – so die Bahn – würde der Lucie gelegentlich die Einfahrt in den Bahnhof sogar komplett verwehrt werden. Die Bahn müsste dann bereits an der Haltestelle Talallee wenden und nach Markgröningen zurückfahren.
Der Ausgang West ist also eine Ausweichlösung, weiter weg von den Bussen, weiter weg von der Innenstadt – aber durchaus mit Vorteilen, wie Ilk betont: Im Gegensatz zum Halt im Bahnhof sei der Zugang dort barrierefrei.
„Der Zweckverband ist davon überzeugt, dass er die Kosten im Griff haben wird“, heißt es in dem Schreiben der Lucie-Verantwortlichen. Der Kontakt zu Bund und Land sei eng, Ilk scheint sich aktuell sicher, dass die Förderungen von 85 bis 96 Prozent Bestand haben werden. Für Ludwigsburg würde der Anteil für die Strecke von Markgröningen bis zum Bahnhof bei rund 6,3 Millionen Euro liegen – verteilt über mehrere Jahre. Zum Vergleich: Das Bildungszentrum West wird auf rund 200 Millionen Euro geschätzt.
Trotz wachsender Skepsis aus Politik, Verwaltung sowie von Handel und Gastronomie zeigt sich Ilk vom Nutzen des Projekts überzeugt: Der Individualverkehr und die Busse würden an ihre Kapazitätsgrenze kommen, es brauche ein neues, öffentliches Verkehrsmittel, so der Stadtbahn-Chef.
Ilk nimmt die wachsende Kritik wahr, und betont wohl auch deshalb die „vielen positive und ermunternden Stimmen“ zur Stadtbahn. „Diese sind aktuell nicht so laut wie die kritischen Stimmen und werden daher leider weniger wahrgenommen.“
Wie geht es weiter?
Kosten-Nutzen-Analyse Ursprünglich sollte die Kosten-Nutzen-Analyse für das Stadtbahn-Projekt bereits Ende vergangenen Jahres vorliegen. Nun rechnet Michael Ilk mit Ergebnissen bis zum Herbst. Die Analyse ist entscheidend: Nur bei einem positiven Ergebnis gibt es Fördermittel. Zudem haben viele Lokalpolitiker ihre Zustimmung zum Projekt an diese Bewertung geknüpft.
Alternativtrasse West Die geplante Streckenführung durch die Weststadt – mit Halt am westlichen Bahnhofsausgang und weiter über die Friedrichstraße Richtung Osten – ist noch nicht final beschlossen. Der Zweckverband Stadtbahn hofft auf zügige Entscheidungen in den politischen Gremien. Diese werden jedoch voraussichtlich erst Ende des Jahres fallen – nach Vorlage der Kosten-Nutzen-Analyse.