Stadtbahn im Kreis Ludwigsburg Weiter Ärger um Gleise in Weststadt: Gemeinderat wird unruhig

Rund 350 Menschen informierten sich bei der Bürgerveranstaltung. Foto: Simon Granville

Beim Bürgerabend zeigt sich: Die Trasse durch die Weststadt bringt die Stadtbahn Lucie in Bedrängnis. Kritik wird laut – und die Forderung nach einem Bürgerentscheid kehrt zurück.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Rund 350 Bürgerinnen und Bürger kamen am Dienstagabend ins Forum am Schlosspark in Ludwigsburg, um sich über die aktuellen Pläne zur Stadtbahn zu informieren. An Infotafeln, Bildschirmen und im Gespräch mit Mitarbeitern des Zweckverbands Stadtbahn wurde schnell deutlich: Das Projekt Lucie steht an einem Wendepunkt. Während die Verantwortlichen Aufbruchstimmung verbreiten, wächst die Skepsis in der Bürgerschaft – und auch der Rückhalt in der Kommunalpolitik bröckelt. Die sechs wichtigsten Erkenntnisse des Abends im Überblick:

 

1. Viele Besucher sind kritisch

Die Stimmung im Foyer war überwiegend zweifelnd. „Das Projekt tritt auf der Stelle – das hängt den Menschen langsam zum Hals raus“, meint der Ludwigsburger Hartmut Brandt. Auch Philipp Rösner aus Oßweil zweifelt: „Unsere Stadt ist nicht für eine Stadtbahn gemacht.“ In seiner Nachbarschaft sei die Ablehnung groß. Marina Wimmer aus der Weststadt sagt: „Ich weiß nicht mehr, ob wir die Stadtbahn überhaupt noch brauchen.“ Der Schüler Tom Schladitz fordert, zuerst den Busverkehr zu verbessern, bevor man ein neues System aufbaut.

Doch es gab auch Zustimmung: Magdalena Trapp wohnt in Pattonville, die Stadtbahn würde ihr das Leben deutlich erleichtern, sagt sie. Auch die 25-jährige Annika Urhahn hofft auf eine schnelle Umsetzung der Stadtbahn: „Ich finde die Trasse durch die Weststadt sehr gut, vor allem wegen der neuen Haltestellen.“

So könnte die Stadtbahnhaltestelle Rundsporthalle aussehen. Foto: Zweckverband Stadtbahn

2. Frage nach einem Bürgerentscheid

Die Diskussion verlief meist sachlich – doch es gab auch emotionale Momente. So polterte eine Ludwigsburgerin während der Podiumsdiskussion mit Stadtbahn-Chef Michael Ilk und Infrastrukturbürgermeister Sebastian Mannl, warum der Gemeinderat allein über ein so umstrittenes Projekt entscheiden solle. „Warum gibt es keinen Bürgerentscheid?“ Der Beitrag erntete Applaus.

Das demokratische System in Deutschland sehe vor, dass Bürger ihre Vertreter wählen, die Entscheidungen treffen, entgegnete Mannl. „Ich bin mir sicher, dass diese Vertreter ein gutes Gespür für das Projekt haben.“ Auch hier brandete Applaus auf.

Michael Ilk und Sebastian Mannl auf der Bühne im Forum. Foto: Emanuel Hege

3. Rückhalt im Gemeinderat bröckelt – wegen Westalternative

Auch zahlreiche Stadträte waren unter den Gästen – und äußerten sich vor allem kritisch zur neuen Westtrasse. Guido Passaro (CDU) bezweifelt deren Umsetzbarkeit angesichts der bestehenden Verkehrsbelastung. Hans Peifer (Freie Wähler) verweist auf die angespannten Finanzen der Stadt angesichts anderer Großprojekte wie dem Bildungszentrum West.

Auch von den Grünen und der SPD im Gemeinderat hört man vereinzelt kritische Stimmen zur neuen Trassenalternative. Am Mittwochmittag kam eine kritische Pressemitteilung des Aktionsbündnisses Stadtbahn hinzu – die neue Trassenalternative sei nicht zielführend. Wenn sich die Herausforderungen weiter stapeln, anstatt gelöst zu werden, muss das Projekt hinterfragt werden, lautet die Botschaft aus Teilen des Gemeinderats.

Die alternative Trassenführung (rot) bringt Unruhe in die Planungen und Diskussionen. Foto: Manfred Zapletal

4. Mannl weist auf mehrere Hürden hin

Es ist kein Geheimnis: Auch die Stadtspitze Ludwigsburg ist nicht begeistert von der erneuten Planänderung des Zweckverbandes. Während die ursprüngliche Trasse zum Bahnhof planerisch unkompliziert ist, wirft die neue Variante viele Fragen auf.

Die Westalternative sei technisch möglich, sagt Sebastian Mannl – doch die Hürden seien doch beachtlich. Es drohen Widerstände der Anwohner, Konflikte mit dem Fernwärmeausbau, Staugefahr, Probleme mit dem Radverkehr und mehr. Der Zweckverband um den Stadtbahnchef Michael Ilk an der Spitze müsste die Bürger nun weiter beteiligen, die Bedenken ernst nehmen und Details zur Westalternative ausarbeiten. „Die Beweislast“, dass die Trasse funktioniert, liege beim Zweckverband, sagte Sebastian Mannl.

5. Michael Ilk weiter optimistisch

Während die Skepsis von mehreren Seiten auf den Zweckverband einprasselt, wirken dessen Verantwortliche hoch motiviert. Während der Podiumsdiskussion ging Michael Ilk auf viele Bedenken ein und hatte Antworten parat. Verkehrschaos durch die Bahn? Der Individualverkehr werde weiter fließen. Kostenexplosion wie bei dem Stuttgarter Bahnprojekt S21? Sei nicht zu erwarten, alle Kostenberechnungen beinhalten einen Puffer – zudem steht die Förderkulisse von bis zu 95 Prozent. Auswirkungen für Anwohner? Der Schutz vor Lärm und Erschütterung gehöre zur Verantwortung der Planer. Der Zeitplan? Sei sportlich, aber machbar.

Noch in diesem Jahr will der Zweckverband die Kosten-Nutzen-Analyse einreichen, die Bürgerbeteiligung vorantreiben und einen Gemeinderatsbeschluss für die Trasse durch die Weststadt einholen. Wenn es nach Ilk geht, sollen schon 2031 Züge von Markgröningen über die Weststadt zum Westausgang des Ludwigsburger Bahnhofs fahren.

Michael Ilk ist von der neuen Westtrasse überzeigt. Foto: Werner Kuhnle

6. Eine Einordnung

Die Planung steckt mal wieder in einer schwierigen Lage. Der Zweckverband braucht eine Entscheidung für die Westtrasse, um den Zeitplan einhalten zu können. Die Stadträte werden derweil nervös: Die Alternative durch die Weststadt ist bei den Bürgern unbeliebt, der neue Plan wirkt in der öffentlichen Wahrnehmung wie ein erneuter Rückschritt für das Projekt. Und die Stadtverwaltung? Die hält die Westtrasse in der Theorie für möglich, sorgt sich jedoch wegen der praktischen Umsetzungen.

Es ist ein Dilemma: Der Zweckverband braucht schnelle Beschlüsse, der Gemeinderat und die Stadtverwaltung wollen derweil mehr Informationen, um die bestehende Trassenplanung mit der Westalternative vergleichen zu können. Ob sich der Rückwärtsgang aus dieser Sackgasse finden lässt, ist fraglich.

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