Stadtbahn in Ludwigsburg Stotterstart für Lucie in Oßweil
Bei der Trassenbegehung der künftigen Stadtbahn im Ludwigsburger Stadtteil stellen Anwohner den Sinn des Projekts in Frage. Teils wurden sogar schon Klagen angedeutet.
Bei der Trassenbegehung der künftigen Stadtbahn im Ludwigsburger Stadtteil stellen Anwohner den Sinn des Projekts in Frage. Teils wurden sogar schon Klagen angedeutet.
In Markgröningen hatte die Mannschaft des Zweckverbands Stadtbahn im Landkreis am Mittwoch leichtes Spiel. Bei der öffentlichen Begehung der künftigen Trasse des Ludwigsburger City-Express, kurz Lucie, habe sich gezeigt, dass man in der Schäferlaufstadt mit dem Projekt offene Türen einrennt, sagte Verbandschef Frank von Meißner. Speziell die jüngeren Semester hätten zum Ausdruck gebracht, dass sie die geplante Schienenverbindung nach Ludwigsburg sowie in die andere Richtung gen Schwieberdingen herbeisehnten.
Das Kontrastprogramm erlebten von Meißner und sein Team jetzt in Oßweil bei einem weiteren Vor-Ort-Termin zur Bürgerbeteiligung: Hier ließen etliche Anwohner Dampf ab, löcherten die Lucie-Crew mit kritischen Fragen, deuteten vereinzelt sogar an, gegen das Vorhaben Klagen zu wollen, und quittierten die Sachstandsberichte teils mit höhnischem Gelächter. Die Situation eskalierte zwar nicht, die Beiträge blieben alles in allem sachlich-konstruktiv. Aber Sebastian Mannl, in Ludwigsburg Bürgermeister für Mobilität fasste die Atmosphäre der vorangegangen Stunden zum Abschluss treffend zusammen: „Ich glaube, das war der intensivste Termin, den wir in dem Format bislang hatten.“
Die Sorgen, die die Bürger wegen des geplanten Asts nach Oßweil umtreiben, sind vielfältiger Natur. Ein Umstand, der bei mehreren Anrainern Kopfschütteln auslöst, ist die Trassenführung. Die Stadtbahn soll, von der Schorndorfer Straße kommend, im Anschluss nicht geradeaus durch den alten Ortskern führen, sondern am Kreisverkehr bei der katholischen Kirche abbiegen gen Sportzentrum Ost und weiter zur Kornwestheimer und Fellbacher Straße, wo an der Kreuzung zur Straße Auf der Schanz auch die Endstation sein soll. Dort, in Ortsrandlage, könnten zu wenig potenzielle Pendler abgeholt werden, unkten Kritiker. „Das soll ins letzte Eck gebaut werden. Und dann glaubt man, da kommen Massen an Fahrgästen“, sagte ein Teilnehmer der Begehung.
Einige Skeptiker machten auch hinter das Projekt an sich ein Fragezeichen, bezweifelten einen wirtschaftlichen Betrieb der Bahn. Andere verwiesen auf das intakte Busnetz, das Lucie überflüssig mache. Besonders groß war der Unmut im beschaulichen Wohngebiet an der Kornwestheimer Straße. Den Anwohnern missfällt unter anderem, dass voraussichtlich Bäume weichen müssen und Oberleitungen für Lucie gebaut werden sollen. Dazu kamen die fast schon üblichen Bedenken bei Schienenprojekten: die Immobilienpreise könnten in den Keller, die Fahrgeräusche auf die Neven gehen.
Frank von Meißner und seine Mitstreiter versuchten, die Vorbehalte zu zerstreuen. Man müsse strenge Dezibel-Grenzwerte einhalten beim Betrieb der Bahn. Im Notfall würden den Anrainern sogar Schallschutzfenster spendiert, versicherte von Meißner. Und um die Häuserpreise müsse man sich ohnehin keine Sorgen machen. „Es ist erwiesen, dass ein Stadtbahnanschluss den Immobilienwert sogar massiv steigert“, beteuerte er. Im Hinblick auf die ebenfalls kritisch beäugte Oberleitung erklärte er, dass diese „zuverlässig ist, ja viel zuverlässiger als jeder Akku und ein ausgereiftes System darstellt“.
Was das Busnetz anbelangt, werde es Überarbeitungen geben, kündigte Sebastian Mannl an. „Wir müssen clevere Verknüpfungsmöglichkeiten finden. Aber die Qualitäten im ÖPNV werden sicher nicht schlechter“, betonte er. Von Meißner wettete zudem ein Fläschchen Wein, dass die Stadtbahn genügend Passagiere haben wird auf der geplanten Trasse. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Nutzen-Kosten-Bewertung positiv abschließen werden“, sagte er.
Man rechne im ganzen Netz, zu dem auch ein Ast nach Pattonville und weiter zur Stadtbahn nach Aldingen gehört, mit jährlich rund drei Millionen Passagieren. „In Oßweil werden wir je nach Streckenabschnitt 2000 bis 4000 Fahrgäste pro Tag haben. Das sind deutlich mehr als heute mit dem Bus“, versicherte der Zweckverbands-Geschäftsführer. Dazu sei die Stadtbahn komfortabler und deutlich geräumiger als ein Bus, flitze zudem am Stau vorbei. Von Oßweil nach Markgröningen schaffe man es aktuell mit dem Bus in 48 Minuten. Mehr als 20 Minuten weniger werde Lucie zum selben Zielort brauchen, und das auch noch ohne Umstieg.
Frank von Meißner hob ferner hervor, dass der Anschluss von Oßweil-Süd sehr wohl Potenzial biete durch das Neubaugebiet und die Geschossbauten. Zudem hätte sich der alte Ortskern wegen der engen Kurven nur schwer erschließen lassen. An der möglichen Endhaltestelle hätte zudem wenig Platz bereitgestanden. Es sei aber denkbar, in einer weiteren Ausbaustufe irgendwann über Oßweil-Süd den Bogen zum Zentrum zu spannen.
Er und Mannl versicherten den rund 120 Zuhörern ferner, dass bis auf den Trassenverlauf nichts in Stein gemeißelt sei, man am Anfang des Planungsprozesses stehe, weitere Informationsveranstaltungen anbiete und über Details wie den exakten Standort der Haltstellen diskutieren könne.
Fahren sollen die ersten Bahnen nach Oßweil ebenso wie die nach Pattonville und Schwieberdingen in rund zehn Jahren. Schon bis Ende 2028 möchte der Zweckverband die frühere Trasse einer Nebenbahn von Markgröningen nach Ludwigsburg reaktivieren, damit dort die Lucie-Züge rollen können.
Netz
Das Stadtbahn-Netz in und um Ludwigsburg soll in zwei Phasen umgesetzt werden. Zunächst wird die alte Strecke von der Barockstadt nach Markgröningen reaktiviert. Ziel ist eine Inbetriebnahme bis Ende 2028. In einer zweiten Ausbaustufe bis 2032/2033 soll die Verlängerung gen Schwieberdingen, Pattonville und Remseck-Aldingen sowie Oßweil umgesetzt werden. Ein Ast nach Schlösslesfeld wird mitgeplant, aber vorerst nicht gebaut. Die Trassenführung ist fix. Die Routen werden in einem nächsten Schritt per Vorplanung genauer untersucht. Baurecht wird am Ende per Planfeststellungsbeschluss hergestellt.
Formate
Die Bürger können sich in mehreren Runden mit Anregungen und Fragen in den Planungsprozess einbringen. Ein Format der Beteiligung ist die öffentliche Trassenbegehung. Der nächste Termin ist am Montag, 17. Juli, um 17.30 Uhr in Schwieberdingen. Treffpunkt ist bei den Bosch-Parkplätzen.