Stadtbahnunfälle in Stuttgart „Smombies“ werden zum Risikofaktor

Von  

Den Blick aufs Smartphone gerichtet, die Kopfhörer in den Ohren: Eine Kombination, die für Fußgänger im Straßenverkehr brenzlig werden kann. Denn wer so abgelenkt ist, bekommt oft nicht mit, wenn die Stadtbahn einfährt.

Wer im Straßenverkehr auf sein Smartphone sieht, kann schnell zum „Smombie“ werden. Foto: dpa
Wer im Straßenverkehr auf sein Smartphone sieht, kann schnell zum „Smombie“ werden. Foto: dpa

Stuttgart - Die Füße tragen einen fast blind den Weg entlang, während die Antwort auf die letzte Whats-App-Nachricht eingetippt wird - dann das laute Warnsignal der Stadtbahn. Der Schreck hält nur kurz an. Doch beim nächsten Mal geht die Situation vielleicht nicht glimpflich aus.

Wie häufig solche Situationen in Stuttgart vorkommen, ist unklar. Die Polizei erfasst einen entsprechenden Smartphone-Vermerk nur, wenn das Handy gesichert Auslöser für eine Unfall war. „Wer gibt schon gerne zu, dass ein Smartphone im Spiel war“, sagt Monika Ackermann von der Stuttgarter Polizei. In den Jahren 2017 und 2018 gab es deshalb nachweislich nur drei Stadtbahn-Unfälle mit Fußgängern, in denen die Benutzung eines Smartphones oder Musik für Ablenkung gesorgt haben.

Dunkelziffer höher

Zwei Mal trugen die Betroffenen leichte Verletzungen davon, im dritten Fall wurde der Jugendliche schwer verletzt. Die Dunkelziffer der Unfälle ist laut der Polizeisprecherin deutlich höher. Nach Angaben von Birgit Kiefer von der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) gibt es Vorfälle mit Smartphones selten, „wobei häufig von Fast-Unfällen berichtet wird“. Dabei sei die Tendenz zunehmend. Auch Kopfhörer mit lauter Musik oder allgemeine Hektik im Verkehr würde bei Stadtbahn-Unfällen mit Fußgängerbeteiligung eine wichtige Rolle spielen.

Nicht nur Jüngere betroffen

Ackermann sieht das „Smombie“-Problem nicht nur bei Jüngeren. Die Polizeipressesprecherin beobachtet das Phänomen bei Jugendlichen genauso, wie bei 50 bis 60-Jährigen. „Entweder man ist Fußgänger oder benutzt sein Smartphone – beides zusammen geht nicht“, sagt Ackermann. Sie empfiehlt wegen der großen Ablenkung während der Handybenutzung am Rand stehen zu bleiben.

In Europa setze man auf präventive Maßnahmen, um gegen solche Unfälle anzugehen. Anders sieht es in Honolulu aus. Dort droht denjenigen, die beim Überqueren der Straße ins Smartphone sehen, ein Bußgeld. Ersttäter müssen bis zu 35 Dollar zahlen, wer drei Mal erwischt wird, muss bis zu 99 Dollar hinlegen.

Erklärung „Smombie“

Das Wort „Smombie“ setzt sich aus den Begriffen Smartphone und Zombie zusammen. Unter dem Begriff versteht man Menschen, die nichts mehr von ihrer Umwelt mitbekommen, weil sie vom Blick ins Smartphone derart abgelenkt sind.

Sonderthemen