City Trees in Stuttgart Streit um Bänke mit Moos

Von Thomas Braun 

Die in Stuttgart installierten City Trees gefallen nicht jedem. Kritik an den Bänken mit Mooswand kommt auch aus dem Gemeinderat. Was sagt die Stadt dazu?

Sitzen mit Mooswand im Rücken: Die Stadt sieht die City Trees als Teil der grünen Infrastruktur, Kritiker halten die Investition für pure Geldverschwendung. Foto: dpa
Sitzen mit Mooswand im Rücken: Die Stadt sieht die City Trees als Teil der grünen Infrastruktur, Kritiker halten die Investition für pure Geldverschwendung. Foto: dpa

Stuttgart - Schon der Begriff City Trees klingt sehr nach Marketingdeutsch: Eigentlich handelt es sich schlicht um Sitzbänke mit einer überdimensionierten Mooswand im Rücken. Über die Sinnhaftigkeit der drei sogenannten City Trees, die vor zwei Monaten in Stuttgart in der Esslinger Straße beim Schwabenbräu-Hochhaus aufgestellt worden sind, die aber mit Bäumen so gar nichts gemein haben, gehen die Ansichten weit auseinander.

Umweltexperten halten die von der Herstellerfirma Green City Solutions behauptete luftfilternde Wirkung für nicht belastbar, und die Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus im Rathaus hält die 30 000 Euro pro Exemplar für pure Geldverschwendung. Die Stadt wiederum sieht in den City Trees lediglich ein Instrument zur Stadtbegrünung. Bäume ließen sich eben leider nicht überall pflanzen.

Wirkung der City Trees umstritten

Vor allem SÖS-Stadtrat Luigi Pantisano ärgert sich darüber, dass OB Fritz Kuhn (Grüne) die City Trees ohne Rücksprache mit dem Gemeinderat angekauft hat. Die Kosten für die Maßnahme liegen freilich in einem Bereich, der es der Verwaltung erlaubt, auf eigene Faust tätig zu werden, zumal die City Trees Bestandteil eines vom Gemeinderat mehrheitlich beschlossenen Pakets zur Stadtbegrünung sind. Pantisano kritisiert das grüne Mobiliar gleichwohl: „OB Kuhn ist einem Unternehmen auf den Leim gegangen, das mit dem Thema Luftreinhaltung für sein Produkt wirbt.“ Das Geld wäre anderweitig sinnvoller angelegt gewesen, etwa in Baumpflanzungen.

Dass die Mooswand-Bänke tatsächlich, wie vom Hersteller behauptet und auch auf Pressekonferenz anlässlich der Aufstellung dargelegt, in ihrer schadstofffilternden Wirkung 275 Bäumen entsprechen würden, halten städtische Umweltexperten für nicht belegbar. In einer Stellungnahme des Umweltamts, die unserer Zeitung vorliegt, heißt es: „Unserer Einschätzung nach sind die in den Prospekten der Firma Green City Solutions enthaltenen Angaben zur Wirkung der City Trees fachlich nicht haltbar.“

Städte wie Essen oder Reutlingen haben die City Trees wieder abgeschafft

Die Angaben basierten lediglich auf Hochrechnungen aus Laborversuchen, die sich nicht eins zu eins auf reale Bedingungen übertragen ließen. Das Umweltamt habe daher bereits 2015 empfohlen, von der Anschaffung abzusehen. Beim jüngst erfolgten Ankauf sei das Amt aber „leider“ nicht beteiligt gewesen.

Das ist Wasser auf die Mühlen von Pantisano: „Baumpflanzungen oder das Aufstellen von Pflanzkübeln wäre deutlich nachhaltiger und effektiver.“ Städte wie Essen (Nordrhein-Westfalen) oder Reutlingen hätten die City Trees wegen des ausbleibenden Effekts wieder abgebaut.

Auch der Hersteller der City Trees hat den Baumvergleich mittlerweile zurückgenommen. Bei der Stadt sieht man die begrünten Sitzgelegenheiten gleichwohl als sinnvolle Stadtmöblierung an. Der behauptete Luftfiltereffekt habe für die Stadt nie im Vordergrund gestanden, lässt der zuständige Technikbürgermeister Dirk Thürnau (SPD) ausrichten. Die von Stadtrat Pantisano alternativ empfohlenen Baumpflanzungen seien schon allein wegen Versorgungsleitungen im Boden nicht überall nachhaltig und zudem der Pflegaufwand und damit auch die Kosten höher als bei den City Trees. Für deren Wartung und Pflege ist nämlich laut Vertrag der Hersteller zuständig. Auch das Aufstellen von Pflanzkübeln sei vergleichsweise wenig sinnvoll, weil die Bäume ebenfalls mit riesigem Aufwand gehegt werden müssten. Das Fazit der Stadt: Speziell auf kleineren Plätzen seien die City Trees durchaus ein Instrument, um die Aufenthaltsqualität dort zu erhöhen. Von Maßnahmen zur Luftreinhaltung sei das freilich „strikt zu trennen“.

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