Stadtbibliothek Esslingen Für Menschen, nicht für Bücher

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Die neue Stadtbibliothek müsse eine Bibliothek der Zukunft werden, fordert die Verwaltung. Das könne sie nur an einem Standort, in der Küferstraße.

Diese Gebäude in der Küferstraße müsste der neuen Bücherei weichen. Foto: Horst Rudel
Diese Gebäude in der Küferstraße müsste der neuen Bücherei weichen. Foto: Horst Rudel

Esslingen - U

nverändert geschieht unser Zugang zur Welt über Sprache, über das Wort“, sagte der Esslinger Kulturbürgermeister Markus Raab bei der Infoveranstaltung zur Stadtbücherei am Mittwoch. Das Wort, das liebkosen kann und verletzen, das Wort das wütend machen kann und zufrieden. Bei Diskussion an diesem Abend konnte das Wort alles dieses. Es wurden emotionale Plädoyers für die Erweiterung am alten Standort in der Heugasse geführt, nüchterne Fakten für den komplett neuen Standort in der Küferstraße präsentiert. Manche Argumente waren an den Haaren herbeigezogen, andere mit Berechnungen untermauert.

Es gab Bürger, die glaubten, Schallreflexionen der Außenwand würden den Anwohnern das Leben zur Hölle machen, bis man sie darüber aufklärte, dass dort schon jetzt ein Haus mit Schalleflexionen stehen würde, das dann allerdings für den Neubau der Stadtbücherei abgerissen würde. Es gab Bürger, die wollten einen dritten Standort am alten ZOB und mehr.

Orte für Wohnen, Arbeit und Leben

Aber vor allem gab es diesen dritten Ort, den ein Mensch braucht, nach seiner Wohnung als erstem Ort und seiner Arbeitsstelle als zweitem Ort. Markus Raab, Esslinger Kulturbürgermeister, ging es am Mittwoch im Alten Rathaus weniger um das „wo“, es ging ihm vor allem um das „wie“. In einem großen Wurf präsentierte die Verwaltung ihre Idee einer Bücherei der Zukunft. Aus einer Medienverwahranstalt und Ausleihstation soll der „Dritte Ort“ entstehen. Eine Begegnungsstätte für Diskurse, für Spiele, für wissenschaftliche Arbeit und natürlich für die Literatur. Das soll die neue Esslinger Stadtbücherei werden.

Die Stadtverwaltung hatte Anja Flicker, die Leiterin der Würzburger Stadtbücherei, eingeladen, die gerade eine Stadtteilbibliothek als sogenannten Dritten Ort plant. Sie will diese neue Bibliothek umsetzen nach den Ideen des niederländischen Architekten Aat Vos.

Es wird Räume geben, in denen man forscht und schreibt, es wird Räume geben, in denen man in Gruppen lernt, und es wird Räume geben, in denen Kinder spielen und – wenn es ihnen langweilig wird – ein Buch zur Hand nehmen. Mit einer Chipkarte können die Benutzer rund um die Uhr die Bibliothek betreten. Mit viel Fantasie werden die Räume nach den Wünschen der Nutzer gestaltet. Dieser Dritte Ort wurde nun zum Hauptargument der Verwaltung für den Standort Küferstraße. Das ließ der Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht in einem Vergleich der beiden in Esslingen angedachten Standorte deutlich werden. In der Heugasse hätte man knapp gerechnet nur 3200 Quadratmeter Fläche; in der Küferstraße hätte man 3700 Quadratmeter, ebenfalls knapp gerechnet. Aber auf diesen 500 zusätzlichen Quadratmetern in der Küferstraße könne man diesen Dritten Ort verwirklichen.

Aus Sicht der Verwaltung spricht vieles für die Küferstraße

Aus Sicht der Verwaltung spricht vieles für die Küferstraße. Die Stadtverwaltung rechnet mit etwa 700 000 Euro weniger Kosten in der Küferstraße. Das sind allerdings nur die Baukosten. Die Verwaltung glaubt, dass die Küferstraße rund 200 000 Euro pro Jahr weniger an Unterhalt und Finanzierung kostet als die Heugasse. Die Heugasse könnte erst im Jahr 2026 fertig sein, die Küferstraße wäre schon 2024 fertig. Als weiteres wichtiges Problem benannte Markus Raab die Suche nach einer Interimslösung. Werde die Heugasse umgebaut, dann müsse man die Bücherei einige Jahre auslagern und niemand wisse zur Zeit, wie das geschehen solle.

Anja Flicker indes beließ es nicht allein beim Werben für ihre völlig neue Idee von Stadtbücherei. Sie riet den Esslingern dazu, die Bücherei mit der Bevölkerung zusammen zu planen, herauszufinden, wo den Menschen der Schuh drückt, was für Bedürfnisse sie hätten und zusammen mit den Architekten ein flexibles Konzept zu entwickeln, das auch flexibel bleibe. Nur so sei gewährleistet, dass die Bücherei wirklich ihren Platz in der Mitte des sozialen Lebens einnehme und ein Ort für Menschen werde, nicht nur für Bücher.