Stadtbibliothek Stuttgart Die Bibliothek des Jahres steht in Stuttgart

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Nach all dem, was an Lob und Kritik über den Würfel im Europaviertel in Stuttgart geredet worden war, werden die Verantwortlichen nun bestätigt: die Bücherei wird ausgezeichnet mit dem Preis „Stadtbibliothek des Jahres 2013“.

Die Stadtbibliothek Stuttgart wurde mit dem Titel „Bibliothek des Jahres“ ausgezeichnet. In der Bilderstrecke zeigen wir Impressionen vom Stuttgarter Bücherwürfel. Foto: Achim Zweygarth 17 Bilder
Die Stadtbibliothek Stuttgart wurde mit dem Titel „Bibliothek des Jahres“ ausgezeichnet. In der Bilderstrecke zeigen wir Impressionen vom Stuttgarter Bücherwürfel. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Christine Brunner hat sich in den zurückliegenden vier Wochen immer wieder auf die Zunge beißen müssen, damit sie nichts ausplaudert. So lange wusste die Direktorin der Stadtbibliothek schon, dass ihre Einrichtung in diesem Jahr den Titel „Bibliothek des Jahres“ erhalten würde. „Ich habe natürlich bei den Mitarbeitern kleine Andeutungen gemacht. Es war so schwierig, es für mich zu behalten, weil ich mich so gefreut habe“, gesteht sie. Aus doch recht konkreten Hinweisen wie „uns wird eine große Ehre zuteil“, hätten die Kollegen dann die richtigen Schlüsse gezogen – aber nach außen bis zur offiziellen Bekanntgabe am Dienstag dicht gehalten. Überreicht und gefeiert wird der Preis – der einzige nationale in dieser Kategorie – am Tag der Bibliotheken, dem 24. Oktober. Verliehen haben ihn der Deutsche Bibliotheksverband (DBV) und die Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

Nach all dem, was an Lob und Kritik über den Würfel im Europaviertel in der Stadt geredet worden war, geht es bei der nun verkündeten Auszeichnungen kein bisschen um das neue Gebäude des südkoreanischen Architekten Eun Young Yi. Den Preis bekommt die Bibliothek nämlich für die Arbeit, die nicht erst mit dem Umzug an den Mailänder Platz begonnen hat. Die Jury habe sich für Stuttgart unter anderem deswegen entschieden, weil die Bibliothek ihr Zukunftskonzept „Bibliothek als innovativer Lernort“ konsequent umgesetzt habe. In diesem Zusammenhang loben DBV und die Stiftung, dass die Stuttgarter eine der ersten Bibliotheken in der Republik mit Internetzugang und der RFID-Technologie gewesen sei. Letztere ermöglicht den Besuchern, die mit elektromagnetischen Kennzeichen versehenen Medien selbstständig an Terminals auszuleihen.

Jury lobt die Vermittlung digitaler Kompetenzen

Nach dem Umzug vom Wilhelmspalais ins Europaviertel habe die Bibliothek „besonders in der Vermittlung digitaler Kompetenzen viele neue, kreative Wege beschritten“, heißt es weiter in der Pressemitteilung zur Begründung des Preises. Dazu zählen die Förderung der digitalen Lesekompetenz, Veranstaltungen wie der „Safer Internet Day“ sowie Informationsabende zur Entwicklung in der Welt der Medien, die unter dem Titel „Medienfluten“ standen. Beispielhaft sei auch die Beratung bei der Auswahl von Computerspielen, so die Juroren. Gelobt wurde auch die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Die Jury bewertete unter anderem die Qualität und Innovation der bibliothekarischen Arbeit, die Zukunftsorientierung, die Öffentlichkeitsarbeit sowie die lokale, regionale und internationale Vernetzung der Häuser.

Die Auszeichnung gilt auch für alle 17 Stadtteilbibliotheken

„Wir heißen die Zukunft willkommen“ ist für die Bibliotheksdirektorin Christine Brunner die zentrale Botschaft hinter all diesen Angeboten. „Wir haben schon sehr früh gewusst, wohin unsere Arbeit gehen soll“, sagt sie. „Das ist für mich das Berührende an diesem Preis. Es geht um die Wertschätzung unserer Arbeit, und nicht um unser prominentes Haus“, fügt Brunner hinzu. Das gelte natürlich nicht nur für das neue Gebäude und dessen Vorgänger im Wilhelmspalais, sondern auch für die 17 Stadtteilbibliotheken und die beiden Bücherbusse, die in die büchereilosen Gegenden der Landeshauptstadt pendeln.

In die Zukunft wolle die Bibliotheksleitung auch das Preisgeld investieren, 30 000 Euro sind das. „Wir würden gerne in den Stadtteilbibliotheken W-Lan-Internetverbindung einführen“, sagt Christine Brunner. Dafür könnte sie das Geld als Anschubfinanzierung einsetzen. Wie teuer das drahtlose Surfen für die Nutzer aller Außenstellen werden könnte, stehe noch nicht fest. Daneben habe sie nur einen Wunsch: „Ich hoffe, dass uns unser Etat für Medien in Höhe von 1,4 Millionen Euro bleibt.“ Den internationalen Vergleich muss die deutsche Bibliothek des Jahres nicht fürchten. Bei Kongressen – wie jüngst in Dänemark – stelle sie fest: „Andere bearbeiten die Themen auch, auf die wir gesetzt haben“, sagt die Direktorin.

Wie Christine Brunner freut sich auch die Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann über die Auszeichnung für die inhaltliche Arbeit der Bibliothekare, die rund 4000 Veranstaltungen im Jahr anbieten. „Mit der Realisierung des viel beachteten Bibliotheksneubaus haben wir dem überzeugenden Zukunftskonzept einen angemessen Raum und hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten gegeben“, lobt die Bürgermeisterin.

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