Stadtbücherei Kornwestheim Wegen Jugendkrawallen: Bücherei schließt während der Mittagszeit

Eigentlich ein Ort der Ruhe: Die Mitarbeiter der Stadtbücherei in Kornwestheim haben anstrengende Wochen hinter sich. Foto: /Sophia Herzog

Jugendliche haben laut Stadtverwaltung Mobiliar zerstört und Mitarbeiter beleidigt. Als Konsequenz schließt die Bücherei in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) täglich für eine Stunde während der Mittagszeit. Eine Lösung des Problems ist das nicht, sagen Bücherei-Besucher.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Es ist Dienstagmittag kurz vor 13 Uhr, vor der Stadtbücherei ist wenig los. Einige Bücherei-Besucher gehen ein und aus, zwei Jugendliche haben Zuflucht im Schatten vor dem Eingang gefunden, lehnen an der Wand, der Blick auf ihre Handys. Auf Nachfrage wissen die wenigsten von den Vorfällen in der Bücherei und den neuen Öffnungszeiten – die Schilderungen der Stadt lassen jedoch aufhorchen.

 

Seit rund eineinhalb Jahren gibt es immer mehr Schülerinnen und Schüler, die nicht wegen des gemeinsamen Lernens oder der Bücher kommen, sondern um Stress zu machen, Toiletten zu zerstören und Müll zu hinterlassen. Weil sich die Fälle in letzter Zeit häufen, schließt die Bücherei nun mittags zwischen 13 und 14 Uhr. Das verlagere das Problem nur, sagen Bücherei-Besucher. Es brauche neue Orte für die Jugend.

Das Problem mit den Jugendlichen ist nicht neu, laut Stadtverwaltung gibt es schon seit Längerem vereinzelt Probleme in der Bücherei. Ende 2022 spitzte sich die Situation dann erstmals zu. Die Stadt setzte sich damals mit Schulen und Polizei zusammen und beschloss erste Maßnahmen. Unter anderem schickte die Stadt Infobriefe an Eltern, der gemeindliche Vollzugsdienst kontrollierte regelmäßig den Bereich – laut Stadtverwaltung wurden sogar die Toilettenschlösser ausgetauscht.

Trotz der Maßnahmen würden phasenweise bis zu 100 Jugendliche in die Stadtbücherei kommen, einige von ihnen machen täglich Ärger. Laut Oberbürgermeister Nico Lauxmann hat sich die Situation über die vergangenen Wochen erneut zugespitzt. Der Vandalismus reiche von zerstörten Armaturen und herausgerissenen Handtuchhaltern auf den Toiletten über kaputtes Mobiliar bis hin zu mit Essen verschmierten Sitzecken. Zudem würden die Jugendlichen Lärm machen und Mitarbeiter beleidigen – körperliche Übergriffe habe es noch nicht gegeben.

Rektor gibt eine Einschätzung

In nächster Nähe zur Bücherei befinden sich die Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule und das Ernst-Sigle-Gymnasium. Auf Anfrage verweist die Schulleitung der Gemeinschaftsschule auf die Antworten der Stadtverwaltung. Der Rektor des Gymnasiums, Christoph Mühlthaler, berichtet, dass es bisher keine konkreten Hinweise darauf gibt, dass Schüler des Gymnasiums bei den Sachbeschädigungen und Beleidigungen beteiligt waren.

„Unsere Schüler sind nicht immer Lämmer, ich kann aber keine Maßnahmen durchsetzen, wenn ich nicht weiß, ob das unsere Schülerschaft überhaupt betrifft.“ Den Eindruck, dass es zwischen Schulen, Stadtpark und Bücherei immer öfter Ärger mit Jugendlichen gibt, bestätigt Christoph Mühlthaler. In den vergangenen Monaten seien vereinzelt fremde Jugendliche auf den Schulhof des Gymnasiums gekommen, hätten Schüler angegangen und Abfall im Gymnasium hinterlassen.

Doch wie reagieren die Bücherei-Besucher? In einer Blitzumfrage vor der Bücherei geben alle Besucher an, dass sie sich wohl und sicher fühlen, die wenigsten haben etwas von den Problemen mit den Jugendlichen mitbekommen. Die Teilschließung sehen viele aber skeptisch. „Für die Büchereimitarbeiter ist das jetzt erst mal wichtig“, sagt der Kornwestheimer Yu Wang, „es löst aber das Problem nicht.“ Der Vater berichtet, dass es nicht an allen Schulen einen Mittagstisch gebe, viele Schüler seien also gezwungen, sich mittags auf den Weg in die Stadt zu machen. Die Schüler würden sich zwangsläufig irgendwo aufhalten müssen, das Problem verschiebe sich nur.

Stadt will Verschiebung des Problems beobachten

Auch Birgit Haug, die im Eingangsbereich der Bücherei gerade in einer Zeitung blättert, sagt: „Die Jugendlichen brauchen Ausweichmöglichkeiten.“ Wie das genau umgesetzt werden kann, wisse sie jedoch auch nicht. Eine Mutter von zwei Jugendlichen will ihren Namen zwar nicht in der Zeitung lesen, jedoch ihre Sichtweise teilen: Wenn ein öffentlicher Ort wie die Bücherei teilweise schließt, erwarte sie von der Stadt, dass sich andere Orte öffnen. „Die Stadt soll halt einmal vorschlagen, wohin die Jugendlichen gehen sollen.“

Dass sich der Ärger mit den Jugendlichen verschieben könnte, das hat auch die Stadtverwaltung auf dem Schirm. Die Teilschließung sei eine von vielen Maßnahmen und stehe die nächsten Wochen auf dem Prüfstand. „Wir werden beobachten, ob sich das Problem lediglich verlagert und an einem anderen Ort zutage tritt“, sagt Lauxmann und betont: Die Stadtverwaltung stehe im regelmäßigen Austausch mit den Schulen und werde dies weiterhin bleiben. Gemeinsam soll über den Sommer nach weiteren Lösungsansätzen gesucht werden.

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