Stadtentwicklung in Fellbach Die Stadt will das Wir-Gefühl stärken

Von Dirk Herrmann 

Ob im Familienzentrum im Norden Fellbachs oder in Neubaugebieten: Das Rathaus will neue Orte der Begegnung schaffen, nicht nur für die ältere Generation. Aus dem Landesförderprogramm „Quartiersimpulse“ könnte es Zuschüsse geben.

Das künftige Stadtteil- und Familienzentrum an der Eberhardstraße dürfte in einem Jahr bezugsfertig sein. Foto: Patricia Sigerist
Das künftige Stadtteil- und Familienzentrum an der Eberhardstraße dürfte in einem Jahr bezugsfertig sein. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Auch wenn die Nutzer wohl erst in gut einem Jahr den Neubau am Ernst-Wiechert-Platz beziehen, so hat das künftige Familienzentrum schon jetzt imposante Dimensionen angenommen. Im April begann der Abriss des alten Paulusgemeindehauses, in diesem Juli haben Kirche, Stadt und Evangelischer Verein dann mit direkten Anwohnern und weiteren Bürgern bei hochsommerlichen 36 Grad das Rohbaufest gefeiert – und in gut einem Jahr, im Oktober 2020, soll das auf gut sieben Millionen Euro taxierte zweigeschossige Gebäude mit Leben gefüllt werden.

Rund 6500 Menschen leben im Fellbacher Norden

Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull sprach beim Richtfest, an ihre Zuhörer gewandt, von einem „Treffpunkt für Sie und ihre Nachbarn“. Rund 6500 Menschen leben im Fellbacher Norden, jeder vierte komme aus einem anderen Kulturkreis – da sei eine Begegnungsstätte, die gelebte Vielfalt ermögliche, besonders wichtig. Auch wenn die Gemeinderatsmehrheit aus Kostengründen eine Abspeckung gegenüber der ursprünglichen Konzeption von fast einem Drittel durchdrückte, so gilt das Familienzentrum doch als eine Art Vorzeigeprojekt für die Stadt. Im Gemeinderat lobte jetzt Michaela Gamsjäger vom Amt für Soziales und Teilhabe in ihren schriftlichen Ausführungen, dass sich Fellbach damit „erstmals gezielt zu einer dauerhaften Quartiersentwicklung in einem Stadtteil verpflichtet, der von starken Umbrüchen geprägt ist“.

Als Partner steht die Diakonie Stetten bereit

Daran anknüpfend sollen für andere Stadtquartiere „kleinere, maßgeschneiderte Lösungen gefunden werden“. Zu finden wäre jeweils ein geeigneter Quartiersraum, der allerdings „idealerweise als neutraler Anlaufpunkt dienen“ und deshalb beispielsweise nicht zu stark mit einer konfessionellen Einrichtung verbunden sein soll. Für zwei Neubaugebiete sieht Gamsjäger gute Chancen, diese Ideen umzusetzen. Da ist zum einen das Projekt „Wohnen für alle“ des Siedlungswerks an der Ecke Siemensstraße und Stauferstraße mit 70 Wohneinheiten „für alle Einkommensschichten“. Als Partner steht die Diakonie Stetten bereit, die zudem gezielt einzelne Wohnungen durch Menschen mit Behinderungen belegen und qualifiziert betreuen möchte. Als zweites Projekt für eine mögliche Quartiersarbeit steht das Areal des früheren Hallenbads im Fokus. Die dort geplanten 58 Wohneinheiten sollen im Jahr 2022 bezugsfertig sein.

Viele Menschen, vor allem der älteren Generation, drohen zu vereinsamen

In diesen Vierteln soll im Zuge der vorgesehen Quartiersarbeit das bürgerschaftliche Engagement ebenso wie „das Wir-Gefühl“ geschaffen beziehungsweise gestärkt werden – zum Beispiel durch Bürgertreffs oder Stadtteilfeste. Zu den allgemeinen Zielen des Quartiersgedanken bezieht sich Michaela Gamsjäger auf den Wandel der Zeit: „Das, was früher durch große Familienverbünde oder durch dörfliche Strukturen geleistet wurde, ist in der modernen individualisierten Gesellschaft häufig nicht mehr zu finden. Viele Menschen, vor allem der älteren Generation, drohen zu vereinsamen beziehungsweise können sich nicht mehr alleine versorgen“, sagt sie.

Eine wesentliche Voraussetzung ist die Unterstützung

Diesen Tendenzen könnte die auch für einzelne Viertel in Fellbach anvisierte Quartiersarbeit begegnen. Fellbachs Erster Bürgermeister Johannes Berner verwies in der Sitzung des ­ Gemeinderats in diesem Zusammenhang auf das baden-württembergische Förderprogramm „Quartiersimpulse – Beratung und Umsetzung von Quartiersprojekten vor Ort“. Das ist ein Programm der sogenannten Allianz für Beteiligung und wird finanziert durch das Ministerium für Soziales und Integration des Landes. Um die Fördermittel zu erhalten, muss der Antrag der Stadt Fellbach bis spätestens 31. Oktober beim Land vorliegen. Die maximale Fördersumme beträgt 70 000 Euro. Eine wesentliche Voraussetzung ist die Unterstützung „zivilgesellschaftlicher Partner“, wie es heißt. In Fellbach stehen hierfür der Evangelische Verein, der Krankenpflegeverein Schmiden-Oeffingen, die katholische Sozialstation St. Vinzenz und die Diakonie Stetten bereit. Im Fellbacher Gemeinderat zeigten sich die Fraktionssprecher allesamt sehr zufrieden mit der von der Michaela Gamsjäger und Johannes Berner vorgelegten Konzeption: Der Beschluss, den Förderantrag für Zuschüsse vom Land zu stellen, fiel einstimmig.