Die Lage auf diesem Markt gleicht einer Achterbahnfahrt. Gab es vor Corona kaum freie Flächen, so sind heute knapp 14 Prozent aller Büros in der Stadt nicht vermietet. „Das ist dramatisch. Im Jahr 2019 hatten wir noch eine Vollbelegung“, sagt die für Wirtschaftsförderung zuständige Stabsstellenleiterin Angelika Goldak, die im Technischen Ausschuss einen Bericht zur Situation in der Stadt präsentiert hat.
Leinfelden-Echterdingen hat mit 536 000 Quadratmetern nach Sindelfingen, Böblingen und Ludwigsburg den vierthöchsten Bestand an Büroflächen im Stuttgarter Umland. Und doch schien es viele Jahre so, dass die boomende Wirtschaft kaum Grenzen kannte und die Büros gefragt waren. Mit der Coronakrise und der verstärkten Einführung von Heimarbeit sowie der sich eintrübenden wirtschaftlichen Lage ist die Nachfrage nun deutlich gesunken.
Welche Schlüsse kann die Stadt nun daraus ziehen? Dass pauschal kein Bedarf mehr an Büros besteht, ist so nicht richtig: Unternehmen wie Daimler Truck oder Euchner haben unlängst große Bürogebäude gebaut oder gedenken, dies zu tun. Auch das „Vision One“ im Echterdinger Norden ist trotz hoher Preise laut Goldak „gut ausgelastet“. Gleichzeitig drohen manch ältere Immobilien zum Ladenhüter zu werden. „Der Markt sieht nicht so rosig aus“, fasste sie es zusammen. Derzeit stünden rund 74 000 Quadratmeter leer, darunter viele Büros im Fasanenweg in Unteraichen und im Gewerbegebiet im Echterdinger Norden.
Ein Problem sei der Sanierungsstau mancher Immobilien. Bei sinkender Nachfrage überlegten es sich die Eigentümer gut, ob sie noch mal viel Geld für eine Sanierung in die Hand nehmen. Hinzu komme, dass ein leer stehendes Gebäude steuerlich für den einen oder anderen Eigentümer attraktiver als eine Sanierung im Vorgriff sei, vermutet Goldak. „Die Dynamik fehlt“, so fasst sie es zusammen. Würden die Büros irgendwann als Lagerflächen vermietet, drohe ein Trading-Down-Effekt.
Können Büros zu Wohnungen umgebaut werden?
Eine nahe liegende Lösung für die leer stehenden Büroflächen könnte ein Umbau zu Wohnungen sein. Doch dies sei nicht allein planungsrechtlich kompliziert, gab der Bürgermeister Benjamin Dihm zu bedenken. Es sei mitunter auch nicht einfach möglich, ein Bürogebäude zu einem Wohnhaus umzubauen. Die Wohnungen hätten ganz andere Anforderungen an das Gebäude als Büros. Außerdem könne sich die Situation auch rasch wieder ändern, sodass Büroflächen wieder gefragt seien. Hinzu komme, dass manche Unternehmen wie zuletzt die Deutsche Bank ihre Mitarbeiter wieder zu mehr Arbeit im Unternehmen statt zuhause verpflichteten.
Die CDU-Fraktionsvorsitzende Ilona Koch betonte, dass es angesichts des Berichts nun zwar konkrete Zahlen gebe. Was jedoch immer noch fehle, sei eine Lösung. Über den Bebauungsplan könnte die Stadt Einfluss nehmen. Auf die Gebäude in Privatbesitz hat die Verwaltung freilich keinen Zugriff. Eine andere Idee brachten die Grünen-Stadträtin Ingrid Grischenko und der CDU-Rat Hartmut Raff ins Spiel. Die Stadt sei derzeit dabei, ein neues zentrales Rathaus zu planen. Angesichts der teils großen freien Büroflächen solle die Stadtverwaltung in ein bestehendes und leeres Bürogebäude einziehen, schlugen sie vor. Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Erich Klauser offenbarte der Bericht die Notwendigkeit, das Gewerbegebiet im Echterdinger Norden rasch umzuplanen. „Da müssen wir rangehen“, sagte er. Denn gerade dort sind viele Flächen nicht mehr zeitgemäß bebaut.