Mobilität und bezahlbarer Wohnraum – Themen, die die Bürger in Ludwigsburg beschäftigen. Foto: Simon Granville
Bei einer Bürgerbeteiligung der Stadt Ludwigsburg wurde klar, dass es teils kontroverse Ansichten darüber gibt, wie die zukünftige Entwicklung aussehen soll.
„Räumliche Perspektive“ nennt sich die Studie , die auf Basis von Vorschlägen aus der sogenannten Zukunftswerkstatt im Mai 2022 von einem Karlsruher Planungsbüro in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung entwickelt worden ist. Fünf eher schematisch gezeichnete Karten sollen das Stadtentwicklungskonzept verdeutlichen – mit ebenso vielen verschiedenen Schwerpunktthemen: Wohnen, Grünstruktur und Landschaft, Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, Mobilität sowie Kultur, Bildung, Sport und Soziales.
Diese Themen wurden nun am Freitagnachmittag vorgestellt. Unter den etwa 50 Anwesenden fanden sich nicht nur Mitglieder der Bürgervereine, Stadtteilausschüsse und des Jugendgemeinderats sowie 10 der 30 ausgewählten „Zufallsbürger“, sondern auch Vertreter der verschiedenen Fachbereiche. Ein repräsentatives Meinungsbild der Bürgerschaft oder auch nur die zukunftsweisende Diskussion, die sich der Oberbürgermeister Matthias Knecht von der Veranstaltung erhoffte, ist so nicht zu erwarten. Entscheidungen treffe aber ohnehin der Gemeinderat, betonte Knecht. Und: Angesichts knapper Finanzen müsse man Prioritäten setzen. Auch die Baubürgermeisterin Andrea Schwarz sagte, in der Stadtentwicklung gebe es manchmal widerstreitende Ziele. Da müsse man entscheiden, was Vorrang habe.
Planer Philipp Krass (links) und Stadtmitarbeiter Matthias Knobloch stellten sich den Fragen und Vorschlägen der Teilnehmer zur Mobilität in Ludwigsburg. Foto: Simon Granville
Pro und contra Stadtbahn
Philipp Krass vom Planungsbüro sieht in der räumlichen Perspektive kein starres Korsett, sondern eher Leitplanken, an denen man sich orientieren könne. Doch schon dazu, ob diese Leitplanke die richtigen sind, gab es durchaus kontroverse Ansichten. Auf das größte Interesse stieß die Frage der Mobilität. Hier schieden sich die Geister vor allem an der Frage der Stadtbahn, welche die Stadtverwaltung als essenziell für die Anbindung neuer Baugebiete sieht. Einige Teilnehmerinnen würden diese lieber heute als morgen auch in der Wilhelmstraße sehen, die ihrer Meinung nach für den privaten Autoverkehr gesperrt werden sollte, und wünschten sich mehr Werbung durch die Stadt. Doch es gab auch entschiedene Gegner. Ein Mann bezeichnete sie wegen ihrer Schienengebundenheit als „System aus der Steinzeit“ und erklärte: „Ein Bus kann ausweichen, wenn irgendwo gebaut oder renoviert wird und dazu ein Stück Straße gesperrt werden muss. Das kann die Stadtbahn nicht.“ Auch werde kein Verkehrsmittel genutzt, zu dem man erst lange Wege zurücklegen müsse, argumentierte ein anderer. Ebenso wurden die Kosten und die jahrelange Großbaustelle ins Feld geführt. Autonome Busse seien eine bessere Lösung, deren Umsetzung zudem auch nicht länger dauere.
Andere wünschten sich mehr Förderung von Fußgängern. Die Ampelschaltungen bevorzugten den Autoverkehr, monierte einer der Teilnehmer. Eine Frau ergänzte, es gebe generell zu viele Ampeln, sodass man für kurze Wegstrecken oft lang brauche, beispielsweise auf dem Weg zum Bahnhof oder in der Wilhelmstraße.
Blick in den Workshop zur Stadtentwicklung in Ludwigsburg. Foto: Simon Granville
Wohnen und Gewerbe kombinieren oder nicht?
Beim Themengebiet Wirtschaft, Arbeit und Tourismus kam der Wunsch auf, Gewerbegebiete zu begrünen und zu entsiegeln, zudem solle die Innenstadtentwicklung gestärkt werden. Aus Gründen des Lärmschutzes kritisch gesehen wurde eine gemischte Bebauung mit Gewerbe und Wohnen. Im Bereich Wohnen wiederum forderten andere Teilnehmer genau dies: Gemischt genutzte Quartiere müssten gefördert werden.
Zum Thema Grünstruktur und Landschaft wurde auf Konflikte zwischen Fußgängern, Radlern und parkenden Autos hingewiesen, mehr Angebote für Fußgänger und Radler in Neckarweihingen wurden gefordert sowie ein Zugang vom Stadtteil zum namensgebenden Fluss. Man müsse aber auch den Naturschutz im Auge behalten.
Sehr gering war dagegen die Resonanz im Bereich „Sport und Soziales“. Was nicht heißt, dass die Stadt den vernachlässigen sollte.