Stadtentwicklung in Ostfildern Neue Mobilität im Herzen von Kemnat
Geschäftsleute in Kemnat freuen sich auf die Neugestaltung der Heumadener Straße. Die Ostfilderner Stadträte lobten die intensive Bürgerbeteiligung in dem Prozess.
Geschäftsleute in Kemnat freuen sich auf die Neugestaltung der Heumadener Straße. Die Ostfilderner Stadträte lobten die intensive Bürgerbeteiligung in dem Prozess.
Positiv steht der Metzgermeister Andreas Schäch vom Bund der Selbstständigen Kemnat der Neugestaltung der Ortsmitte gegenüber. „Es ist gut, dass der Gemeinderat diesen Schritt getan hat“, freut sich Schäch über den Baubeschluss. Fehlende Parkplätze und die mangelnde Aufenthaltsqualität in der Ortsmitte sind für ihn ein großes Manko in dem Stadtteil Ostfilderns mit rund 5400 Einwohnern. „Wir hoffen nur, dass die Straßen mit Bedacht gesperrt werden.“ Eine Vollsperrung würde nach seinen Worten für den Einzelhandel „20 bis 30 Prozent Umsatzeinbußen bedeuten.“
Dass ein großer Supermarkt auf die Brachfläche in die Ortsmitte kommt, sieht der Metzgermeister nicht als Konkurrenz – im Gegenteil: „Das belebt das Geschäft für uns Einzelhändler.“ Schächs Frau Nicole ist zweite Vorsitzende des Bunds der Selbstständigen. Sie hofft auf den Supermarkt, „sonst wandert die Kundschaft ab“. Das Ehepaar sieht der Aufwertung der Ortsmitte mit Freude entgegen: „Wichtig ist, dass die Vorschläge der Bürgerinnen und Bürger einfließen.“ Zwei Millionen Euro investiert die Stadt Ostfildern. Andreas Schäch schätzt den Standort an der Heumadener Straße: „Es ist eine viel befahrene Ortsdurchfahrt, aber von der Kundschaft leben wir.“ Der Stadtteil brauche mehr Handel.
Der Obst- und Gartenbauverein Kemnat (OGV) weiht am Samstag, 25. März, um 11 Uhr den österlich geschmückten Hirschbrunnen ein. In die Tradition investiert der Verein viel Energie. An der Ortsdurchfahrt Heumadener Straße fristet der Brunnen ein tristes Dasein. Für Veranstaltungen wie diese soll es künftig einen kleinen Platz geben. „Die Ortsmitte soll schöner werden“, sagt Oliver Galle, der Vorsitzende des OGV. Allerdings wünscht er sich, dass die Anregungen der Menschen in die Pläne einfließen. Der Verkehr dürfe nicht in Nebenstraßen abgedrängt werden.
Dass die Verkehrsströme an der Heumadener Straße neu geordnet werden, betrachtet Ostfilderns Oberbürgermeister Christof Bolay als Chance. Das Mobilitätsverhalten habe sich gewandelt. Für Radfahrer und Fußgänger gelte es, Räume zu schaffen.
Wie wichtig die Aufwertung des Ortskern für Kemnat ist, hob der Stadtrat Werner Schmidt hervor, der als ehemaliger Rektor der Pfingstweideschule in dem Stadtteil verwurzelt ist. „Was lange währt, wird endlich wahr.“ Er verwies auf den intensiven Bürgerdialog und stellte klar, dass die Anregungen in die Pläne einfließen. Mehr als 1000 Menschen hätten sich bei einer Befragung eingebracht.
Dass der angrenzende Rosenplatz nicht einbezogen wird, findet Schmidt bedauerlich. Da hätte die Stadtentwicklungsgesellschaft am Ball bleiben müssen, um die Eigentumsverhältnisse so zu regeln, dass das möglich wird. Ebenso kritisierte Schmidt, dass Lastwagen nicht aus der Ortsdurchfahrt verbannt werden. Dringend forderte der Vize-Fraktionschef der SPD, die Sanierung in Etappen zu realisieren, „damit die Geschäftsleute während der mehr als einjährigen Bauarbeiten nicht zu sehr behindert werden.“ Ein strittiger Punkt in der Debatte war für Schmidt, dass über die Sperrung von Fahrspuren nachgedacht wurde. Er begrüßt, dass dies nun vom Tisch sei.
Voll des Lobes ist Markus Dinkelacker (Freie Wähler) für den Prozess der Stadtentwicklung in Kemnat. „Hervorzuheben ist die sehr gute Einbindung der Kemnater Bevölkerung in die Planungsphasen, auch trotz und während der pandemiebedingten Einschränkungen.“ Dass die daraus resultierenden Ergebnisse größtenteils Beachtung fanden, sieht der Stadtrat positiv: „So geht Bürgerbeteiligung.“ Das Offenhalten beider Fahrspuren am Hirschbrunnenplatz war nach Dinkelackers Worten „eine zentrale Forderung engagierter Kemnater Bürger, der die Planer jetzt entsprochen haben.“ Mit Sorge betrachtet er, dass am Hirschbrunnenplatz in der Hohenheimer Straße wohl fünf Parkplätze wegfallen. Das könne die Geschäftsleute Kundschaft kosten. „Weil das Parkhaus im Supermarkt an der Heumadener Straße da wohl keine Alternative ist.“
Auf die verbesserte Aufenthaltsqualität rund um den Hirschbrunnenplatz freut sich Axel Deutsch (CDU): „Mit dem heutigen Baubeschluss kommt endlich Bewegung in die Sache.“ Er bewertet die Pläne für die Neugestaltung der Ortsmitte als „gut und gelungen“. Dann gibt es aus seiner Sicht in dem Stadtteil Ostfilderns auch wieder genügend Platz für einen Wochenmarkt. Die zusätzlichen Bäume betrachtet Deutsch als eine erhebliche Aufwertung. „Relativ zufrieden“ ist auch Jürgen Kleih (Grüne) mit den Plänen. Auch Robert Langer (FDP) ist einverstanden. Ihm ist es wichtig, bei dem Projekt zu berücksichtigen, „dass die Rettungsfahrzeuge gut durchkommen.“
Dass die Brache an der Heumadener Straße 3 bis 7 nun bebaut werden kann, lobten die Stadträte. Dafür haben sie einen Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Mit dem Investor, der dort Wohnungen und einen Supermarkt mit Tiefgarage ansiedeln möchte, laufen Gespräche über eine mögliche Kindertagesstätte auf dem Areal. Besonders die Betreuung von Jungen und Mädchen unter drei Jahren ist in dem Stadtteil ein Problem.