Stadtentwicklung in Renningen Ein Supermarkt könnte die Innenstadt beleben

Von Kathrin Klette 

Bei der Diskussion um den neuen Entwurf zur Stadtentwicklung kommen viele Ideen zusammen.

Der Blick vom Bahnhof Richtung Innenstadt lädt nicht dazu ein, hier länger zu verweilen, bemängeln die Gesprächsteilnehmer. Foto: factum/Bach
Der Blick vom Bahnhof Richtung Innenstadt lädt nicht dazu ein, hier länger zu verweilen, bemängeln die Gesprächsteilnehmer. Foto: factum/Bach

Renningen - Wie könnten sich die Bahnhofstraße und die Renninger Kernstadt in den nächsten Jahrzehnten entwickeln? Darüber haben sich nicht nur die Experten Gedanken gemacht, sondern ebenso die Renninger Bürger. Beim Infoabend am Donnerstag haben sich die Besucher mit Vertretern der Stadtverwaltung und des Instituts für Stadt- und Regionalentwicklung (IfSR) darüber ausgetauscht, welche Ansätze im aktuellen Entwurf sie gut finden oder kritisch sehen und welche Ideen sie selbst haben.

Der Entwurf des IfSR zeigt Visionen für die Bereiche „Bahnhofsumfeld“, „Mittlere Bahnhofstraße“ und „Kernbereich“. Das Büro hat sich unter anderem damit beschäftigt, welche Gebäudehöhen an welcher Stelle sinnvoll sind, wo welches Gewerbe hinpassen könnte und wie sich Orte wie das Rankbachufer und der Bahnhofsplatz schöner gestalten ließen. Der fertige Entwurf wird im Oktober dem Gemeinderat vorgelegt, der dann darüber entscheidet. Allerdings bleibt die Entscheidung darüber, was mit den individuellen Grundstücken geschieht, immer in der Hand der jeweiligen Eigentümer, die Stadt ist hier nur Berater.

Mehr Parkplätze schaffen keine Belebung

Es ist eine bunte Gruppe von rund 60 Besuchern, die sich in der Mediathek zusammengefunden hat: Senioren, Männer und Frauen, und auch einige jüngere Mitbürger. Sie alle haben ihre ganz eigenen Vorstellungen, was die Innenstadt in eine positive Zukunft führen könnte. An einigen Punkten liegen sie dabei mit dem vorgestellten Entwurf auf einer Linie. An anderen Stellen gehen die Vorstellungen allerdings in eine ganz andere Richtung. Alle Ideen, die an diesem Abend ausformuliert werden, nimmt das IfSR nun mit und untersucht, inwieweit sie in den Entwurf aufgenommen werden können.

„Mehr Parkplätze direkt vor den Geschäften – damit schafft man keine Belebung“, ist sich eine Renningerin sicher. Sie hat sich zusammen mit 20 anderen Interessierten an den Thementisch zu „Einkaufen, Gastronomie, Dienstleistung, Wohnen“ gesetzt. Die Idee, mehr Parkplätze rund um den Ernst-Bauer-Platz zu schaffen, betrachtet sie kritisch. „Die Leute springen aus dem Auto, kaufen ein und verschwinden dann wieder.“ Wenn die Menschen ein Stück weit zu ihrem Zielort gehen müssten, hielten sie sich auch länger auf.

„Die Geschäfte liegen leider viel zu weit auseinander“, bemängelt ein anderer Besucher. Richtung Bahnhof häuft sich die Wohnbebauung und es entstehen größere Lücken zwischen den Geschäften. Man sollte den Einzelhandel daher mehr zusammenführen. „Das Einkaufen müsste an einem zentralen Ort erlebbarer gemacht werden.“ Dabei fallen ein paar Vergleichsbeispiele aus der Umgebung, zum Beispiel Ditzingen. „In der Innenstadt dort ist immer was los, und da stimmt auch die Mischung“, findet eine Teilnehmerin. Was könnte denn ein Anziehungspunkt sein, der mehr Menschen in die Kernstadt lockt, fragt Alfred Ruther-Mehlis vom IfSR in die Runde? Die Gesprächsteilnehmer sind sich da einig: Was fehlt, das ist ein Lebensmittelmarkt.

Am Brunnen scheiden sich die Geister

Nicht nur über Wohnungen und Geschäfte wird an diesem Abend rege diskutiert. An den drei anderen Gruppentischen befassen sich die Gesprächsteilnehmer mit den Themen „Mobilität und parken“, „Aufenthalt, erholen und spielen“ sowie „Stadtbild und öffentlicher Raum“. Gerade beim letzten Themenfeld kommt ein in der Vergangenheit kontrovers geführter Punkt zur Sprache: der Brunnen. Die Stadt verfolgt das Ziel, die große Fläche rings um das Wasserwerk zu bebauen. Dafür müsste der ohnehin stillgelegte Brunnen endgültig aufgegeben werden.

„Der Brunnen ist zwar nitratbelastet, aber er ist da, andere haben nicht mal das“, befindet ein Bürger. „Das ist ein kostbares Gut, es fällt mir schwer, darauf zu verzichten.“ Das Argument der Stadt lautet, dass der Oberflächenbrunnen aufgrund seiner Lage – direkt in der Innenstadt – ohnehin auf Dauer nicht reaktivierbar wäre. Die Schadstoffwerte sind viel zu hoch. Für eine Notfallversorgung allerdings könnte er noch genutzt werden. „Man muss das Gebiet dort doch nicht bebauen, das könnte man doch auch anderweitig erlebbar machen“, schlägt ein anderer vor. Was er außerdem in Renningen vermisse, das sei mehr Kunst im öffentlichen Raum. Auch die Sichtachse vom Bahnhof in die Innenstadt, das kommt an mehreren Stellen zur Sprache, ist nicht besonders einladend und sollte aufgewertet werden.




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