Stadtentwicklung in Rutesheim Auf dem Bosch-Areal geht es endlich los
In zentraler Innenstadt-Lage entsteht auf einer Fläche von 2,7 Hektar ein Quartier mit etwa 250 Wohneinheiten. Der Baustart hatte sich aus verschiedenen Gründen verzögert.
In zentraler Innenstadt-Lage entsteht auf einer Fläche von 2,7 Hektar ein Quartier mit etwa 250 Wohneinheiten. Der Baustart hatte sich aus verschiedenen Gründen verzögert.
Die ersten Erdarbeiten für den Tiefbau sind schon voll im Gange. Der offizielle Startschuss für das Rutesheimer Quartiersprojekt auf dem ehemaligen Bosch-Areal fiel jetzt mit einem Spatenstich an diesem Mittwoch. Gekommen waren nicht nur Planungs- und Baubeteiligte, Verwaltungsmitarbeiter und Gemeinderäte, sondern auch interessierte Bürger. „Wir wohnen direkt in der Nachbarschaft und interessieren uns natürlich, was hier passiert“, sagte eine Anwohnerin.
Die Rutesheimer Bürgermeisterin Susanne Widmaier betonte dann vor etwa 150 Anwesenden, wie glücklich sie sei, dass es endlich losgehe. „Das Bosch-Areal ist für mich ein echtes Herzensprojekt, denn wir wissen alle, wie wichtig es ist, Wohnraum zu schaffen.“ Rutesheim könne sich glücklich schätzen, ein solches Filetstück in bester zentraler Innenstadt-Lage zu besitzen. Auf insgesamt 2,7 Hektar Fläche sind etwa 250 Wohneinheiten geplant, davon sollen 30 Prozent geförderte Wohnungen sein. Vorgesehen sind auch Arztpraxen und Dienstleister wie ein Bäcker oder Café. Geparkt werden solle vorwiegend in der Tiefgarage.
Oft sei Widmaier in der Vergangenheit gefragt worden, warum sich der Start dieses Projektes so lange hinauszögere. Denn schon im Jahr 2019 hatte der Automobilzulieferer Bosch den Standort, an dem er einst etwa 750 Mitarbeiter beschäftigt hatte, geschlossen. Die Gebäude wurden abgerissen. Die Fläche lag seitdem brach und wurde erst einmal der Natur überlassen. Das war ein vordergründiger Eindruck. „Im Hintergrund ist viel passiert, es hat aber alles seine Zeit gebraucht“, sagte die Bürgermeisterin. „Wir haben lange mit Bosch über den Kauf des Grundstückes verhandelt, das war nicht immer einfach und nicht immer fair und es hat ein paar Anläufe gebraucht, doch wir haben ein gutes Ergebnis erzielt.“ Auch Alexander Lenk, der Leiter des strategischen Immobilienpartners von Bosch, Global Real Estate, ist zufrieden: „Wir begrüßen, dass nach der intensiven Zusammenarbeit mit unseren Bau- und Immobilienexperten bei der Entwicklung des ehemaligen Bosch Areals ein nachhaltiges Konzept für die Stadt Rutesheim nun in die Umsetzungsphase geht.“ Über die Höhe des Kaufpreises sei, so die Rutesheimer Bürgermeisterin, Stillschweigen vereinbart worden.
Die Robert Bosch Wohnungsgesellschaft, kurz Woge genannt, wird selbst auf 6000 Quadratmetern ein mehrgeschossiges Gebäude mit etwa 50 modernen Wohneinheiten errichten. „Die sollen vorzugsweise an Boschmitarbeiter vermietet werden“, so Widmaier. Ein Teil der Grundstücke soll an Familien verkauft werden – vorgesehen sind vier Doppelhausgrundstücke. Weil die Stadt eine extrem hohe Nachfrage erwartet, wird sie die Grundstücke mithilfe der Online-Plattform Baupilot vermarkten. Die übrige Fläche geht an Bauträger, die sich bei der Stadt bewerben können.
Ein weiterer Grund für die Verzögerung sei eine intensive Bürgerbeteiligung und eine Mehrfachbeauftragung gewesen. „Wir wollten nicht irgendwas, kein Nullachtfünfzehn-Quartier“, betonte Widmaier. Letztendlich fiel die Wahl auf das „Höfe-Konzept“ des Tübinger Stadtplaner-Büros Hähnig und Gemmike. Intensiv hat sich die Stadt dann mit dem Thema Nahwärme beschäftigt. Mit dem Ergebnis, Stadtwerke zu gründen und eine eigene Heizzentrale zu bauen. Zunächst war diese klima- und ressourcenfreundliche Wärmeversorgung nur für das Bosch-Areal geplant. Im Zuge der neu zu verlegenden Fernwärmeleitung zwischen der Heizzentrale und dem Bosch-Areal können nun auch die Bestandsgebäude in der Robert-Bosch-Straße einen Wärmeanschluss erhalten. Kanal, Wasserleitung und die Robert-Bosch-Straße selbst werden in diesem Zuge vollständig erneuert. Innovative Ansätze wurden beim Thema Trinkwasser geprüft, weil Rutesheim laut eines Strukturgutachtens künftig Wasser sparen muss. Doch letztendlich entschied sich die Verwaltung in Absprache mit dem Gemeinderat gegen eine Trennung in Gelb-, Grau- und Schwarzwasser und eine Wiederaufbereitung von Wasser im Gebiet selbst. Zuschüsse von der Stadt soll es für Zisternen geben, damit das Regenwasser genutzt werden kann.
Die Bürgermeisterin bat um Verständnis, dass es durch die Arbeiten zu Einschränkungen in der Robert-Bosch-Straße kommen wird, wo auch das Schulzentrum angesiedelt ist. Das ließe sich aber nicht anders regeln. „Was wir uns jetzt wünschen, ist ein innovatives, schönes, grünes und belebtes Quartier, das sich in unsere lebenswerte Stadt perfekt integriert“, sagte Susanne Widmaier.