Stadtentwicklung in Stuttgart Minister ziehen ins Dorotheenquartier

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Das Handelsunternehmen Breuninger hat den Grundstein für sein neues Stadtquartier zwischen Karlsplatz, Markthalle und dem eigenen Stammhaus gelegt. Das Unternehmen investiert in das Vorhaben mehr als 200 Millionen Euro.

Nils Schmid, Stefan Behnisch, Willy Oergel, Willem van Agtmael, Wienand Meilicke und Fritz Kuhn (von links)  auf der Baustelle am Karlsplatz. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Nils Schmid, Stefan Behnisch, Willy Oergel, Willem van Agtmael, Wienand Meilicke und Fritz Kuhn (von links) auf der Baustelle am Karlsplatz. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Das Immobilienkarussell in Stuttgart dreht sich weiter. Während am Dienstag der Grundstein für das Dorotheenquartier am Karlsplatz gelegt wurde, wird bereits über die Nachnutzung der Gebäude nachgedacht, die von den künftigen Breuninger-Mietern in der Innenstadt frei gemacht werden sollen. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung handelt es sich bei den neuen großen Mietern am Karlsplatz um das Sozial- und um das Verkehrsministerium des Landes.

Neben 20 exklusiven Wohnungen und den 11 000 Quadratmetern Handelsflächen, die Breuninger komplett vermieten und nicht selbst nutzen will, besteht das Dorotheenquartier zum überwiegenden Teil aus Büroflächen. Wie bereits berichtet, soll der Großteil davon an das Land Baden-Württemberg vermietet werden, das bis vor dem Beginn der Bauarbeiten im vergangenen Jahr mit dem Innenministerium am Karlsplatz vertreten war.

Zwei Gebäude könnten bald frei werden

Das Sozialministerium befindet sich derzeit an der Adresse Schellingstraße 15 zwischen Börsenplatz und Stadtgarten. Das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur hat die Adresse Hauptstätter Straße 67 direkt am Österreichischen Platz. Was mit den beiden Gebäuden nach dem Umzug in den Breuninger-Neubau geschehen soll, darüber hüllt sich das Land noch in Schweigen: „Es handelt sich um Anmietungen, die zu gegebener Zeit – je nach Bedarfslage – aufgegeben oder für Landeszwecke weitergenutzt werden“, erklärt die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums, Michaela Reiter, auf Anfrage.

Fest steht, dass mehr als 550 Beschäftigte des Landes künftig zwischen Markthalle und Hotel Silber auf 20 000 der insgesamt 28 000 Quadratmeter Bürofläche arbeiten sollen. Der Zeitpunkt für den Umzug sei nach Angaben aus dem Wirtschaftsministerium noch nicht fix und vom Baufortschritt am Karlsplatz abhängig. Breuninger gibt die geplante Fertigstellung mit Ende 2016 an. Das Land denkt an einen Umzug der beiden Ministerien im ersten Halbjahr 2017. Auf die Frage, wie die Auswirkungen auf den Landeshaushalt durch die zentrale Anmietung ausfallen werden, gibt das Land ebenfalls keine genaue Antwort. Ursprünglich war am Karlsplatz einmal ein zentraler Regierungssitz des Landes angedacht gewesen. Mit dieser Bündelung in einem einzigen Gebäudekomplex hatte das Land auf 25 Jahre zwischen 52 und 85 Millionen Euro einsparen wollen. „Diese Idee wurde nicht umgesetzt, daher sind die damaligen Angaben nicht mehr aktuell“, erklärt Sprecherin Michaela Reiter.

Das Stadtzentrum beleben

Die Mieter der Handelsflächen im Dorotheenquartier sind unterdessen noch nicht bekannt. Aus Unternehmenskreisen heißt es immerhin, dass ein Teil der Flächen bereits fest vergeben sei, die künftigen Mieter aber aus Konkurrenzgründen vorerst großen Wert auf Geheimhaltung legten. „Es ist entscheidend, dass die richtigen Restaurants und Geschäfte hier einziehen“, sagte etwa OB Fritz Kuhn (Grüne) in seiner Rede zur Grundsteinlegung. Das Projekt habe aus seiner Sicht große Bedeutung für Stuttgart. „Es geht darum, das Stadtzentrum zu beleben“, sagte Kuhn. Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) verwies unter anderem auf den Erhalt der ehemaligen Gestapozentrale Hotel Silber, die dem Neubau nun doch nicht weichen muss.

Der Architekt Stefan Behnisch erläuterte den Verlauf seiner Arbeit. Veränderungen wie die Verkleinerung des Neubaus oder der Erhalt des Hotel Silber könnten im täglichen Ablauf zwar teuer und ärgerlich sein, sagte Behnisch. „Doch kommt man oft zu besseren Lösungen, wenn man eine Idee fortentwickelt. So war es auch beim Dorotheenquartier“, sagte Behnisch.

Straße nach Breuninger benennen

Breuningerchef Willy Oergel versprach mit Blick auf die Gewerbeflächen „Mieter, die es in Stuttgart noch nicht gibt“. Der Vorsitzende der Unternehmensleitung beschrieb den Weg von der Idee seines Vorgängers Willem van Agtmael 2004 bis zur Grundsteinlegung. „Das Dorotheenquartier soll der neue Treffpunkt der Stadt werden“, so Oergel. Und: „Es ist mir ein Anliegen, dass wir die neue Straße, die zwischen den Gebäuden entsteht, Eduard-Breuninger-Straße nennen.“ Sein Unternehmen sei eine Institution in Stuttgart. „Schließlich gibt es ja auch einen Porscheplatz und eine Daimlerstraße“, sagte Oergel.

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