Die Zukunft des Eiermann-Campus in Stuttgart Vaihingen ist auch nach einem Treffen zwischen Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) und den Verantwortlichen des Investors Adler Group weiter offen. Das Gespräch mit dem Vorstand der Adler Group und Vertretern von deren Tochter Consus Real Estate fand bereits in der vergangenen Woche im Rathaus statt.
Pätzold sagte auf Anfrage unserer Zeitung, er habe seitens der Stadt deutlich gemacht, dass großes Interesse an der Weiterentwicklung des neuen Wohnquartiers auf dem früheren IBM-Areal bestehe und die Stadt sich gegebenenfalls auch eine Kooperation mit Adler bei der Erschließung des nach dem geplanten Rosensteinquartier zweitgrößten Wohnungsbauvorhabens in der Landeshauptstadt vorstellen könne. Adler und Consus wiederum hätten ebenfalls ihre Absicht unterstrichen, das rund 200 000 Quadratmeter große Gelände zu bebauen.
Stadt lässt Bebauungsplanverfahren weiterhin ruhen
„Ich habe aber deutlich gemacht, dass das Bebauungsplanverfahren so lange ruht, bis die Adler-Group klar sagen kann, wohin die Reise geht“, so Pätzold. Der Bürgermeister hatte im Mai das Bebauungsplanverfahren auf Eis gelegt, nachdem der Immobilienkonzern in finanzielle Turbulenzen geraten war. Die Befürchtung: Sollte Adler Insolvenz anmelden und das Projekt abstoßen müssen, wäre das beplante Grundstück deutlich mehr wert und müsste dann womöglich von der Stadt zu einem sehr hohen Preis aufgekauft werden. „Wir wollten einer möglichen Grundstücksspekulation einen Riegel vorschieben“, sagte Pätzold. Immobilienexperten beziffern den Bruttoinventarwert des Geländes – also jenen Wert, der rechnerisch die Substanz eines Fonds aus Sicht des Anlegers darstellt – auf rund 280 bis 300 Millionen Euro – ohne gültigen Bebauungsplan. Das Investitionsvolumen wird auf rund eine Milliarde Euro taxiert.
Adler-Group unterstreicht Interesse an Fertigstellung des Projekts
Die Vertreter des Investors hätten betont, dass Adler nicht insolvent sei und das Projekt in Stuttgart weiterverfolgen wolle, so Pätzold. Allerdings hat Adler in anderen deutschen Städten bereits einige Liegenschaften veräußert, um die Bilanz aufzubessern. Zuletzt hatte die Adler-Group von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG kein Testat für den vorgelegten Jahresabschluss erhalten. Im Klartext: Die Prüfer konnten aufgrund fehlender Dokumente nicht bestätigen, dass die Bilanz die wirtschaftliche Realität des Unternehmens abbildet. Daraufhin waren mehrere Mitglieder des Verwaltungsrates der Adler-Group von ihren Posten zurückgetreten, die Adler-Aktie stürzte an der Börse ab.
Der Eiermann-Campus, benannt nach den denkmalgeschützten Büropavillons des Architekten Egon Eiermann, ist bereits durch mehrere Investorenhände gegangen. Der weitgehend fertig gestellte Bebauungsplan fußt auf dem Konzept der Consus Real Estate, die von der Adler-Group aufgekauft wurde. Demnach sollen dort Büros und Wohnungen für 4000 Menschen nebst Infrastruktur entstehen. Mehrere Ratsfraktionen hatten zuletzt darauf gedrängt, das Areal in städtischen Besitz zu bringen, um den Bau der ringend benötigten neuen Wohnungen nicht zu gefährden. Bis zum Herbst, so Pätzold, wolle Adler entscheiden, ob ein Einstieg der Stadt bei dem Projekt möglich ist.