Stadtentwicklung in Stuttgart Wie geht’s weiter mit dem Eiermann-Campus?

So präsentierten einst die Architekten ihre Pläne für den Eiermann-Campus. Doch im Rathaus mehren sich Befürchtungen, der Investor könnte abspringen. Foto: Steidle Architekten

Eigentlich soll es ein Vorzeige-Stadtteil werden: der Eiermann-Campus im Stuttgarter Stadtbezirk Vaihingen. Doch der Investor hat angeblich finanzielle Probleme. Bei Stadträten nährt dies die Skepsis, ob das Milliardenprojekt tatsächlich realisiert wird.

Stuttgart - Mit einem Jahr Verspätung scheinen die Planungen für das neue Mischquartier Eiermann-Campus in Stuttgart-Vaihingen auf die Zielgerade einzubiegen. Der Bebauungsplan könnte bis Sommer 2022 auslegungsreif sein, der städtebauliche Vertrag zwischen dem privaten Investor Consus Real Estate und der Stadt, der die Finanzierungsanteile zwischen Stadt und Investor regelt, wäre dann unterschriftsreif. Ein Jahr später könnten die Bagger anrollen. Doch so manchen Stadtrat treibt die Sorge um, ob und wie lange der Investor noch bei der Stange bleibt.

 

Das 181 000 Quadratmeter große frühere IBM-Gelände nahe dem Stuttgarter Autobahnkreuz gilt nach dem Rosensteinquartier und gemeinsam mit dem Neckarpark als eines der größten Entwicklungsprojekte in der Landeshauptstadt. Dort sollen bis zu 2000 Wohneinheiten für 4000 Menschen nebst passender Infrastruktur entstehen sowie Gewerbe und Dienstleistung angesiedelt werden. Ein Highlight des Milliardenprojekts soll das sogenannte Schleifenhaus werden, das einerseits das Quartier gegen den Autobahnlärm abschirmen und andererseits rund 400 Studentenwohnungen beherbergen soll.

Bei Erschließungs- und Grundstücksfragen herrscht weitgehend Einigkeit

Zweiter zentraler Baustein ist der Erhalt der fünf denkmalgeschützten Bürogebäude, die vom Architekten Egon Eiermann in den später 60er Jahren errichtet worden waren. Beide Teilprojekte sollen nach jetzigem Stand auch Vorzeigeprojekte der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2027 werden. Stadt und Consus haben inzwischen in vielen noch offenen Fragen Einigkeit erzielt, berichtete der Stadtplanungsamtschef Detlef Kron am Dienstag im Ausschuss für Stadtentwicklung. Mit der Erschließung des Geländes hapert es aber noch: Zwar sind die Trassen für eine mögliche Seilbahn sowie die Verlängerung der U 1 bis Sindelfingen/Böblingen planerisch freigehalten. Doch wie lange es dauert, bis die ersten Gondeln und/oder Stadtbahnzüge fahren, steht noch in den Sternen. Davon wiederum hängt ab, ob auf dem Areal Tiefgaragen gebaut werden oder ob man mit einer Art oberirdischem Interimsparkhaus die Zeit bis zum Abschluss der Planfeststellungsverfahren überbrückt.

Obwohl die allermeisten Fraktionen hinter dem Eiermann-Konzept stehen, gibt es zunehmend Skepsis, ob das Projekt wie geplant realisiert wird. Hintergrund: 2020 hatte der luxemburgische Immobilienkonzern Adler Group die Consus Real Estate übernommen. In der Folge geriet der Mutterkonzern in finanzielle Schieflage und muss nun 14 000 aus seinem rund 70  000 Wohnungen umfassenden Portfolio verkaufen, um Schulden abzubauen. Laut einem Bericht der Wirtschaftswoche gab es auch bei Consus selbst Zahlungsschwierigkeiten: So seien dort seit Frühjahr 2021 unbezahlte Rechnungen im Umfang von 80 Millionen Euro aufgelaufen. Handwerker, Architekten und Bauunternehmen warteten teils seit Jahren auf ihr Geld, berichtete das Blatt.

Linksbündnis: Stadt hätte Areal selbst kaufen und erschließen sollen

Dementsprechend sorgt sich nun mancher Stadtrat um die Weiterentwicklung des Areals, das bereits durch die Hände verschiedener Investoren gegangen ist. „Ich hoffe, dass die unternehmensinternen Umstrukturierungen keine Auswirkungen auf das Eiermann-Projekt haben“, so der CDU-Stadtrat Carl-Christian Vetter. Und Luigi Pantisano vom Linksbündnis erklärte mit Blick auf die wechselvolle Historie des Areals und die aktuellen Entwicklungen beim Mutterkonzern Adler: „Es war ein großer Fehler, dass die Stadt das Areal im Jahr 2015 nicht selbst gekauft und erschlossen hat.“

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