Nicht nur diese geplante Zeitschiene erfuhren Bürgerinnen und Bürger bei einer Informationsveranstaltung, zu der die städtische Verwaltung am Dienstagabend in den großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses am Belforter Platz eingeladen hatte. Gekommen waren mehr als 60 Interessierte. „Wir bringen die Stadt nur voran, wenn wir sie vernetzen“, sagte Leonbergs Baubürgermeister Klaus Brenner und schien diesen Appell vor allem an die Gegner dieses Projekts zu richten. Brenner hatte sich Expertinnen und Experten mit an den Tisch geholt, um den aktuellen Planungsstand des seit sechs Jahren diskutierten „Großprojekts Postareal“ inklusive des Brückenschlags zwischen Marktplatz und Leo-Center am Neuköllner Platz der Öffentlichkeit vorzustellen.
Zum Gesamtbild gehören auch der geplante Stadtgarten, der noch in diesem Jahr fertiggestellt werden soll, sowie die Neugestaltung der Eltinger Straße. „Wir sind mit unseren Informationen immer transparent“, konterte der Baubürgermeister Wortbeiträge aus dem Publikum, dass sich so mancher nicht mitgenommen fühle.
Eine Nutzungsmischung ist geplant
Matthias Beck, der Leiter des Leonberger Stadtplanungsamtes, fasste zu Beginn noch einmal die Ziele des Projektes zusammen: Auf dem Areal der ehemaligen Hauptpost soll eine Mischung von Einzelhandel, Wohnen, Gastronomie, Büro, Verwaltung und Praxen entstehen. Auch ein Hotel brachte Beck wieder ins Spiel, das der Gemeinderat in Sitzungsrunden eigentlich schon ad acta gelegt hatte. Es soll eine barrierefreie Stadtachse für Fußgänger und Radfahrer entstehen, einfache Wegeverbindungen zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität in der Stadt. „Es ist auch klar, dass in diesem Bereich eine urbane Dichte entstehen soll“, sagte Beck.
Maximilian Schuster von der Strabag Real Estate GmbH erklärte in seiner Rolle als Bauherr anhand von Visualisierungen die städtebauliche Konzeption, die Anordnung der Gebäude und wie sie später genutzt werden sollen. „Wir werden das Quartier, das autofrei werden soll, in alle Himmelsrichtungen öffnen.“ Ein Radweg ist außerhalb entlang der Eltinger Straße vorgesehen. Details, wie beispielsweise den vom Gemeinderat geforderten Stellplatzschlüssel von 1,5 pro Wohneinheit ließ Schuster außen vor. Der Leonberger Kurt Niethammer, der im Layher-Areal lebt, machte in diesem Zusammenhang auf die knappe Parkplatzsituation aufmerksam. „Wenn wir die Plätze am Rathaus nicht hätten, wäre auf dem Layher-Areal Chaos.“
Wie das Leonberger Postareal zu einem Teil der Internationalen Bauausstellung, kurz IBA ’27 genannt, wurde, erklärte Projektleiterin Jeanette Schuster mit den Worten. „Das Projekt ist mutig, fördert die Vielfalt, hat einen reduzierten CO2-Verbrauch und ist durch den Brückenschlag ein Ort der Begegnung.“ Insgesamt 61 Meter lang soll diese verbindende Brücke für Fußgänger und Radfahrer werden. „Sie soll gut aussehen, die Gestaltung ist aber noch offen, wir werden ein Vergabeverfahren starten und ich bin mir sicher, dass wir ein gutes Büro finden werden“, sagte Klaus Brenner. Der Baubürgermeister betonte zudem, wie froh er sei, dass das Postareal in den Kreis der insgesamt 26 IBA-Projekten der Stadt und Region Stuttgart aufgenommen wurde. „Dadurch sind wir auf eine höheren Stufe gekommen.“
Das Projekt ist mutig und fördert die Vielfalt
Jens Schneider vom städtischen Referat für innovative Mobilität erläuterte die Pläne, wie der Straßenraum neu aufgeteilt werden soll und berief sich auf den jüngsten Verkehrsversuch. „Dieser hat gezeigt, dass durch die Wegnahme einer Fahrspur in der Eltinger Straße der Verkehr auch zu Spitzenzeiten nicht beeinträchtigt wird.“ Das wiederum löste ein Raunen im Zuschauerraum aus. „In der Vergangenheit wurden einige Bausünden begangen, jetzt haben wir mit dem Postareal eine einmalige städtebauliche Chancen, es besser zu machen, allerdings wird der Fahrzeugfaktor zunehmen, wie leitet man den Verkehr aus der Stadt heraus?“ wollte ein Leonberger Bürger wissen.
Hier verwies Schneider auf die regionale Mobilitätsplattform der Region Stuttgart: Über Verkehrsrechner sollen künftig die Ampeln sämtlicher Zufahrtsstraße rund um die Stadt den Verkehr so regeln, dass dieser flüssig durchs Zentrum geleitet werden kann.
Der Bebauungsplan soll, so Baubürgermeister Brenner, noch in diesem Jahr vom neu gewählten Gemeinderat beschlossen werden. 2025 wird der Investor Strabag voraussichtlich den Bauantrag stellen. Baubeginn wäre dann 2026, Fertigstellung des ersten Abschnitts im Jahr 2028.