Stadtentwicklung Leonberg Die alte Post macht Platz für neues Leben

Die letzten Überreste des alten Postgebäudes an der Eltinger Straße sind in der Zwischenzeit dem Erdboden gleichgemacht. Baustart für das Quartier soll 2026 sein. Foto: Simon Granville

Über den „Brückenschlag“, der die Leonberger Altstadt mit dem Leo-Center und Eltingen verbinden soll, wurde viele Jahre diskutiert. Nun ist der Vertrag für das Postareal unterschrieben, der Abriss des Gebäudes ist der erste Schritt für ein modernes Quartier .

Die baulichen Überreste auf dem zentralen Areal an der Eltinger Straße sind die letzten sichtbaren Zeugen der ehemaligen Leonberger Hauptpost, deren Betonfassade mit den markant-gelben Fensterrahmen in den vergangenen Jahren dem Zerfall ausgesetzt war. Im Herbst 2016 hatte sich abgezeichnet, dass die Post aus dem Stadtzentrum in das neue Gewerbegebiet Leo-West umziehen wird. Der neue Zustellstützpunkt wurde 2018 eröffnet. Im Herbst rollten die Bagger an, begannen Anfang Oktober mit dem Abriss, um Platz zu schaffen für ein neues Quartier, über das viele Jahre diskutiert, fabuliert und gestritten wurde. So mancher hatte gar nicht mehr an die Umsetzung des so genannten Brückenschlags – also der Verbindung der Altstadt mit der Neuen Stadtmitte rund um das Leo-Center – geglaubt. Denn so manches Mal war das Projekt kurz davor zu scheitern. Das Quartier umfasst rund 1,55 Hektar und befindet sich im zentralen Bereich der Innenstadt – zwischen Lindenstraße am Rathausneubau im Süden, dem Layher-Areal im Westen, der Bahnhofstraße unter der Altstadt im Norden sowie der Eltinger Straße im Osten.

 

Nach Verzögerungen: Vertragsunterzeichnung kurz vor Ostern

Ende 2018 hatte die Stuttgarter Niederlassung des internationalen Projektentwicklers Strabag Real Estate bei einem städtebaulichen Wettbewerb den ersten Preis gewonnen. Vorgesehen war in dieser ersten Entwurfsplanung ein Hotel, ein Lebensmittelmarkt, Geschäfte, Gastronomie und vor allem etwa 100 Wohnungen, 25 Prozent davon sozial gefördert, plus den dazugehörigen Stellplätzen in einer Tiefgarage.

Die Diskussionen zwischen Strabag und Gemeinderat gestalteten sich sehr schwierig, weil der Investor die Wirtschaftlichkeit im Blick hatte und die Stadt vor allem Qualität. Die Pläne für ein Hotel verschwanden in der Schublade. Corona verzögerte das Projekt, Berechnungen wurden angezweifelt, die geplante Bauweise schien zu massiv und zu hoch. Immobilienbesitzer in der Nachbarschaft fürchten unter anderem durch die Beschattung um den Wert ihrer Grundstücke. Gemeinderatssitzungen dauerten bis tief in die Nacht. Strabag gestaltete die Pläne kompakter. Ende 2023 wurde das Projekt Postareal ein Teil der renommierten Internationalen Bauausstellung 2027 Stadt und Region Stuttgart. Kritik und Zweifel blieben indes. Kurz vor Ostern 2024 unterzeichneten nach langem Herauszögern die Stadt und der Investor den 66 Seiten starken Vertrag.

Die Abbrucharbeiten schreiten voran

„Die Abbrucharbeiten auf dem Postareal machen Fortschritte, auch wenn es in einigen Bereichen zu Verzögerungen gekommen ist“, sagte Sebastian Küster, der ehemalige Pressesprecher der Stadt Leonberg, noch im vergangenen Jahr. Im ersten Bauabschnitt wurde der Nordflügel des Postgebäudes zurückgebaut. Ein zusätzlicher Schadstoffbefall im Bereich der Fenster habe hier die Arbeiten leicht in die Länge gezogen, was bei Gebäuden aus dieser Bauzeit nicht ungewöhnlich sei. Das Haus in der Eltinger Straße 32, schräg gegenüber dem Neuen Rathaus, wurde bereits vollständig zurückgebaut. Im nördlichen Bereich des Areals in Richtung Altstadt wurde das Gebäude am Eltinger Fußweg 4 schadstoffsaniert und entkernt. „Im zweiten Bauabschnitt verzögerte sich die Sperrung der Zufahrt von der Bahnhofstraße zum Eltinger Fußweg aufgrund personeller Engpässe bei der verkehrsrechtlichen Anordnung“, sagte Küster. Dadurch starteten die Entrümpelung und Schadstoffsanierung an der Bahnhofstraße 5 und 7 sowie am Eltinger Fußweg 2/1 sehr spät.

Der Baustart für das Quartier soll im Jahr 2026 sein. Damit sich die Fläche nicht in eine unansehnliche Brache verwandelt, hat Strabag nun die Idee ins Spiel gebracht, eine temporäre Zwischennutzung freier Flächen zwischen dem Frühjahr 2025 und Herbst 2025 – und eventuell auch noch länger – zu ermöglichen. Hierfür hat Strabag das Stuttgarter Stadtplanungsbüro „planbar hochdrei“ beauftrag, das Projekt „Zwischennutzung des Postareals“ in die Hand zu nehmen. Hauptakteure sollen dabei die Bürgerinnen und Bürger sein. Künstler, Initiativen, Vereine, Veranstalter von Festivals und Gastronomen sind eingeladen, sich an dieser Aktion mit ihren eigenen Ideen zu beteiligen.

Informationen zum Thema „Temporäre Nutzung“ auf dem Postareal gibt es unter: www.postareal-leonberg.de im Internet.

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