Stadtentwicklung Leonberg Postareal: „Ich wäre froh, wenn hier Anfang 2027 Kräne stehen“

Das brach liegende Postareal: Leonbergs Baubürgermeister Klaus Brenner hofft, dass sich bald sichtbar was tut. Foto: Roland Böckeler

Vandalismus im Stadtgarten, das Postareal liegt brach, das nächste Sanierungsgebiet steht an: Bürgermeister Klaus Brenner hat viele Baustellen – und ein offenes Ohr für Ideen.

Manch Neues und Schönes ist nur wenig entfernt von Gebieten, die dringend einer Aufhübschung bedürfen. Das wird deutlich bei einem Rundgang in Leonberg mit Baubürgermeister Klaus Brenner. Rund 50 Bürgerinnen und Bürger sind am Samstag dabei aus Anlass des bundesweiten Tags der Städtebauförderung.

 

Wenn Zuschüsse von Bund und Land fließen, tun sich Kommunen leichter bei Umgestaltungen. Das Sanierungsgebiet Leonberg-Mitte ist abgeschlossen, der Treff beim Stadtgarten führt gleichwohl vor Augen, dass zwar Probleme gewichen, aber neue entstanden sind. Er sei eine gute Verbindung zwischen Layher-Areal und Altstadt, sagt Brenner, gleichwohl: „Ich war sehr optimistisch, bin nun aber realitätsnäher.“ Denn „wir haben leider viel Vandalismus“. Kinder radelten durch Grünflächen, Pflanzen würden herausgerissen. Der Bürgermeister appelliert an Eltern, aufzupassen. „Man kann ja nicht immer Polizist spielen“, sagt ein Anwohner, der Übeltäter auch mal anspricht. Eine Kameraüberwachung, erfolgreich in der Bauzeit erprobt, wäre hier aber nicht durchsetzbar, so Brenner.

„Ich bin noch drei Jahre da, da will ich möglichst viel umsetzen“

Für sich selbst hat er klare Ziele, was die Stadtentwicklung betrifft. „Ich bin noch drei Jahre da, da will ich möglichst viel umsetzen.“ Das Rathaus ist auch ein Thema für ihn, es sei „in die Jahre gekommen“, sagt er und erntet Lacher. Es wurde schließlich erst 2017 eingeweiht. „Aber damals wurde gespart“, sagt Brenner – nun fehlten Räume. Eine zwei- bis dreigeschossige Erweiterung auf der Tiefgarage könne ein Lösung sein. Die am Marktplatz ausgelagerten Ämter könnten im Neubau zentralisiert werden. Apropos Marktplatz: „Da ist mein Ziel, ihn autofrei zu bekommen.“

Alte Schuhfabrik: „Bin Befürworter der Erhaltung“

Dass etwas in die Gänge kommt, ist derweil die Herausforderung am Postareal. Asbestfunde lösten zuletzt Verzögerungen und Mehrkosten bei dem IBA’27-Projekt aus. „Ich wäre froh, wenn hier Anfang 2027 Kräne stehen“, sagt Klaus Brenner. „Wer glaubt das“, zeigen sich zwei Zuhörerinnen skeptisch.

Bürgermeister Klaus Brenner gab viele Einblicke. Foto: Roland Böckeler

Auf dem Weg zum neuen Sanierungsgebiet Stadtpark/Reiterstadion ein kurzer Stopp an der leer stehenden Alten Schuhfabrik und der Steinturnhalle. Dieses kleine Areal mit dem Platz davor würde der Baubürgermeister gerne mit ins Sanierungsgebiet aufnehmen lassen. Was hier entstehen könnte? Ein Investorenverfahren soll starten. Das Gebäude stehe nicht unter Denkmalschutz, das sei ein Vorteil. „Sonst fasst es keiner an.“ Er selbst sei „ein Befürworter des Erhaltung des Gebäudes“.

Bei der Zukunft des Festplatzes Steinstraße, der an diesem Tag für Wochenmarkt genutzt wird, und dem Reiterstadion, setzt die Stadt Leonberg auch auf Ideen der Bevölkerung. „Wir sind ganz am Anfang“, sagt Klaus Brenner, „es gibt keine Denkverbote.“ Eine Markthalle wäre doch was, sagt ein Teilnehmer, mit begrüntem Dach.

Neue Leitungen: Die Römerstraße wird 2027 aufgebuddelt

Viele Ideen lassen sich wenig später an einer Stellwand nachlesen, die Stadt hatte Notizzettel und Stifte parat. Mehr Grün, entsiegelter Boden, ein Café, Feste, Grillmöglichkeiten und eine Fußgängerachse zum Postareal werden als Wünsche hinterlassen.

Der Verkehr ist immer wieder ein Thema beim Rundgang. Nicht nur, wenn sich Autos durch Wohngebiete quälen, weil der Engelbergtunnel mal wieder dicht ist. Die Steinstraße, sagt Brenner, sollte aus seiner Sicht grüner und keine Hauptroute werden. Aber sie sei eben eine wichtige Verbindung.

Geduld, Stillstand und Ausweichverkehr wird es im kommenden Jahr auch in Teilen der Römerstraße geben – im Bereich der Stadthalle wird gebuddelt, Leitungen im Untergrund müssen ersetzt werden. „Danach wird es grüner und Radwege geben“, verspricht Brenner. In der Folge steht nicht nur die Sanierung der Stadthalle an, sondern auch eine Umgestaltung des Bürgerplatzes. „Er wird nicht so genutzt, wie es gedacht ist“, sagt er und verweist auf geparkte Autos.

Es ist ein kleiner Stadtrundgang, der große Herausforderungen offenbart. Bis zum Ruhestand dürfte es dem Baubürgermeister nicht langweilig werden.

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