Stadtentwicklung Stadtlücken und Contain’t wollen Platz unter Paulinenbrücke gemeinsam beleben

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Am Österreichischen Platz soll ein „Kooperativer Stadtraum“ entstehen. Der Gemeinderat hat dazu rund 1,6 Millionen Euro im aktuellen Doppelhaushalt eingeplant.

Die Macher von Contain’t würden gerne direkt unter das Rondell ziehen. Foto: Kathrin Wesely
Die Macher von Contain’t würden gerne direkt unter das Rondell ziehen. Foto: Kathrin Wesely

Stuttgart - Zwei Jahre hat der Verein Stadtlücken am Österreichischen Platz experimentiert. Mit Chorproben, Tischtennis, dem Stadtregal für Obdachlose oder öffentlichen Debatten. Der Gemeinderat hat nun für den Doppelhaushalt 2020/2021 insgesamt 1,65 Millionen Euro für die Weiterentwicklung des Ortes zu einem „Kooperativer Stadtraum“ eingeplant. Die vergangenen zwei Jahre arbeiteten die Stadtlücken unter der Paulinenbrücke ehrenamtlich, künftig soll es wohl eine Stelle geben.

Einige Container könnte sich der Verein gut unter dem Rondell vorstellen

Auch die Macher des gemeinnützigen Künstlervereins Contain’t wollen sich unter der Brücke engagieren. „Wir sind ein mobiles, flexibles Projekt, das immer neue Plätze sucht“, sagt Vorstand Marco Trotta. Eingebettet in das von den Stadtlücken konzipierte Konzept eines kollaborativen Stadtraums wollen sie sich als „mobiles Einmischungsprojekt“ einbringen, um die Fläche unter der Brücke weiterhin zu beleben. Dabei sei keineswegs gedacht, dass Contain’t nun komplett unter die Brücke ziehe. „Unsere Basis bleibt am Nordbahnhof“, sagt Trotta. Man wolle lediglich ein paar Container dort aufstellen. Ihr Konzept sehe einen Ort für Musik, Kunst und Kultur vor, vielleicht mit kleineren Konzerten, vielleicht mit Proberäumen für Bands, vielleicht mit einem Mini-Coworking-Space für Künstler und Kreative – das seien die Vorschläge von Seiten Contain’t, sagt Trotta. Angedacht sei dafür der Platz direkt unter dem Rondell an der Hauptstätter Straße.

Stadtlücken und Contain’t wollen unter der Brücke zusammenarbeiten

Die Idee des kollaborativen Stadtraums der Stadtlücken: Ein Ort zu schaffen, den viele Beteiligte gemeinsam gestalten – die Zivilgesellschaft, die Politik, die Wirtschaft und die Stadtverwaltung. Jeder soll dort seinen Raum haben und sich beteiligen können. „Wir wollen nun aber eine neue Trägerschaft entwickeln“, sagt Hanna Noller von den Stadtlücken. Bereits im Dezember habe man mit den Machern von Contain’t ein Konzept beschlossen, welches langfristig vermutlich einen Rückzug des Vereins Stadtlücken vorsehen. „Nur noch einzelne Personen von uns werden involviert sein“, sagt Noller.

Wie sie diesen kollaborativen Stadtraum umsetzen wollen? „Bisher gibt es ja kein vergleichbares Projekt“, ergänzt Noller. Deshalb hole man sich Expertise vom Haus der Statistik am Berliner Alexanderplatz. „Die sind schon ein paar Schritte weiter als wir.“

Die Grünen-Fraktion im Rathaus unterstützt die Entwicklung des Österreichischen Platzes zu einem „Ort für Alternativkultur“, wie es in einem Antrag vom September 2019 heißt. Der Stadtrat Marcel Roth hält die Quasi-Fusion von den Stadtlücken und Contain’t „für eine super Lösung an dem Ort“. Etwa 200 000 Euro der Gesamtsumme könnte man aus seiner Sicht dafür abzwacken. Roth hofft, dass es Mitte 2020 an dem Ort weitergehen kann.

Der Österreichische Platz habe sich in den letzten zwei Jahren schon zu einem der spannendsten Plätze des öffentlichen Lebens in Stuttgart entwickelt. Darauf wollen die Grünen aufbauen: „Der Österreichische Platz kann eine Vision für andere Plätze in Stuttgart werden“, so glaubt Marcel Roth.

Eine Vision für die ganze Stadt?

Ab April sind die Gelder aus dem Haushalt verfügbar. Bis dahin will man bei der Wirtschaftsförderung am Konzept arbeiten. „Wir müssen uns erst einmal darüber Gedanken machen, wie die Arbeit vor Ort weiterhin stattfinden kann“, sagt Mareike Merx von der Wirtschaftsförderung. Dazu müssten sich aber zunächst die beteiligten Ämter der Stadt abstimmen. Auch mit den sozialen Trägern wie der Suchthilfe müsse man sprechen. So war die Einbindung der Obdachlosenszene unter der Paulinenbrücke durchaus immer wieder ein Problem während der Experimentierphase der Stadtlücken.




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