Zum 50. Jahrestag brachten Tübinger Kulturwissenschaftler den Mössinger Generalstreik in Erinnerung. „Da ist nirgends nichts gewesen außer hier“ nannten sie eine in mehreren Jahren entstandene Arbeit, die im Rotbuch Verlag erschien. 1983 demonstrierten 15 000 Menschen in Mössingen gegen „Neofaschismus und neue Kriegstreiberei“, wie es hieß. „Lauter Studenten aus Tübingen“, sagten damals einige im Ort. Noch einmal 30 Jahre später sind Parallelen offensichtlich. Das längst vergriffene Buch zum Streik hat der Talheimer Verlag überarbeitet und neu herausgebracht. Es hat 360 Seiten und kostet 32 Euro. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und die Gewerkschaften haben für den 2. Februar 2013 zur Demonstration aufgerufen. Teilnehmer des Streiks werden – anders als 1983 – nicht mehr dabei sein können. Als letzter starb 2010 Jakob Textor, im Alter von 102 Jahren.

 

Warum wurde nur in Mssingen gestreikt?

Im Gemeinderat wurde kürzlich von den Freien Wählern eine neue Studie gefordert, die den Generalstreik „historisch prüfen soll“. Laut Berner sollte den Generalstreikteilnehmern „der Heiligenschein genommen“ werden und aufgezeigt werden, dass die KPD sowieso nur die Revolution im Sinn gehabt habe. Zeitzeugen können nicht mehr befragt werden, alle Quellen wurden schon 1983 aufgearbeitet, neue Fakten gebe es nicht, mit diesem Argument stoppte OB Michael Bulander den Vorschlag..

Warum wurde nur in Mössingen gestreikt und nicht in ganz Deutschland? Zumal laut Berner zumindest die Anführer des Streiks geahnt haben müssen, dass es sich um eine isolierte Aktion handelt. „Waren die Einwohner des Steinlachtals besonders naiv, schlecht informiert, oder wollten sie trotz aller für sie persönlichen Probleme ein Zeichen setzen“, fragt Berner. Seine Antwort: Irgendwie war alles zusammen der Fall. Die teils pietistisch, teils kommunistisch ausgerichteten Mössinger als evangelisches Eck im katholischen Oberamt hätten schon immer was gegen die Obrigkeit gehabt. Und schon immer waren sie gerne „vorne dran“ sagt Berner anerkennend von den „Mössinger Dickschädeln“.