Stadtgeschichte Der Generalstreik ist umstritten

Mössinger Kommunisten 1932 in Tübingen. Foto: Sammlung Museum Mössingen
Mössinger Kommunisten 1932 in Tübingen. Foto: Sammlung Museum Mössingen

In Mössingen fällt es bis heute nicht allen Bürgern leicht, sich mit dem Generalstreik vom 31. Januar 1933 gegen Hitler zu identifizieren.

Landespolitik: Michael Petersen (mip)
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Mössingen - Das kleine Mössingen am Rande der Schwäbischen Alb zählte im Januar 1933 rund 4000 Einwohner. Immerhin 800 Arbeiter beteiligten sich am 31. Januar 1933 an einem Generalstreik gegen die Einsetzung von Adolf Hitler als Reichkanzler. Als „bedeutendstes Ereignis in der Stadtgeschichte Mössingens“ bezeichnet Hermann Berner diesen Streik. Der Mössinger Museumsleiter beschäftigt sich seit 27 Jahren mit dem Thema. „Wenn sich viele Arbeiter in ganz Deutschland an dem Generalstreik beteiligt hätten, hätte Hitler zu diesem frühen Zeitpunkt der Machtübernahme verhindert werden können“, ist Berner überzeugt und würdigt damit diesen „Widerstand von ganz unten“.

Allerdings wurde der Streikaufruf der KPD nirgendwo in Deutschland so befolgt wie in Mössingen. Berner sieht den Widerstand in einer Reihe mit den Hitler-Attentätern Graf Stauffenberg und Georg Elser. Letzterer wurde erst in jüngerer Zeit gewürdigt. Auch in Mössingen sind bis heute beileibe nicht alle der mittlerweile 20 000 Einwohner stolz auf die historisch einmalige Tat. Kritisiert wird der Hausfriedensbruch der Streikenden, die in Textilfabriken die Arbeit unterbrochen hätten. Auch die Forderungen der KPD nach der Errichtung eines Arbeiter-und-Bauern-Staates hindert einige Mössinger noch nach 80 Jahren daran, diesen Widerstand als Heldentat anzusehen. Berner widerspricht heftig: „Historisch zu bewerten ist alleine das, was diese Leute gemacht haben. Und das ist positiv.“

Berner zieht Gerichtsurteile von 1954 und 1955 heran. Die Richter stuften den Landfriedensbruch der Streikenden durchaus als Straftat ein. Allerdings sei durch das Hitlerregime eine Notstandslage eingetreten, die zu Eingriffen in das Rechtsgut anderer berechtigte. Eine Arbeiterrepublik sei zwar gefordert worden, doch sei dies mit dem Ziel, eine Hitlerregierung zu vermeiden, als ganz untergeordnet zu bewerten. Im letztinstanzlichen Urteil in Stuttgart wurde von einem „aus Überzeugung geleisteten Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft“ gesprochen, und der sei „ein Verdienst um das Wohl des deutschen Volkes“.

Ein Riss durch die Familien

In Mössingen wurde der Generalstreik über Jahrzehnte hinweg kaum erwähnt, allenfalls war verharmlosend von einem „Aufstand“ die Rede. In der Kleinstadt lebten Nazis und Nazigegner eng nebeneinander, Risse zogen sich durch Familien, um so mehr wurde das Thema vermieden.

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