Stadtjäger bald am Max-Eyth-See im Einsatz Waschbärjagd beginnt im August

Waschbären stören die Brutvögel auf der Vogelinsel. Sie sollen ab August vom Stadtjäger gefangen werden. Foto: Jochen Lübke/dpa

Die zwei Raubtiere als invasive Art sollen nach Ende der Brutzeit vom Stadtjäger auf der Vogelinsel mit Lebendfallen beseitigt werden.

Lokales: Iris Frey (if)

Die Zeit der Waschbären am Max-Eyth-See nähert sich ihrem Ende: Die Stadt will die Raubtiere nach Ende der Brutzeit vom Jäger fangen lassen. Im Frühjahr hatte sie die Tiere mit einer Wildtierkamera entdeckt. Jetzt sollen sie in Lebendfallen gefangen werden. „Es wird eine Daueraufgabe sein, die Insel von Waschbären freizuhalten“, sagt Stadtsprecherin Jacqueline Albinus. Nach der erfolgreichen Jagd werde sich eine Beobachtungsphase anschließen.

 

Wenn neue Tiere auftauchen, würden diese erneut eingefangen. Die Tiere seien eine invasive, eingeschleppte Art, auch wenn sie sich in Europa nicht mehr gänzlich beseitigen lassen, sei es dennoch sinnvoll, unter den gegebenen Umständen, Bekämpfungsmaßnahmen vorzunehmen. In großräumigen Gebieten wäre das nicht möglich und wohl auch weniger dringend erforderlich, heißt es. Die Waschbären stören nach Ansicht der Stadt die brütenden Vögel auf der Vogelinsel im Natura-2000-Gebiet in dem Maße, dass es erstmals keine Bruterfolge der Graureiher, aber auch des Schwarzmilans und der Kormorane am See gab. Der Waschbär wird hier als Verursacher angenommen.

Lebendfallen mit automatischen Meldeanlagen

Die Lebendfallen für die Waschbären erhalten automatische Meldeanlagen, sodass der Jäger sofort nachschauen kann, wenn ein Tier in die Falle gegangen ist. Invasive Arten dürfen nach der EU-Verordnung nicht wieder in die Natur entlassen werden, um die heimische Tierwelt auch nicht andernorts zu gefährden. Im Normalfall werden die Tiere durch den von der Jagdbehörde anerkannten Stadtjäger erlegt. Einzige Alternative wäre, die gefangenen Tiere an eine Auffangstation zu geben oder in eine gesicherte Wildtierhaltung zu vermitteln. „Hier wird die Stadt Stuttgart prüfen, ob sich gegebenenfalls ein geeigneter Abnehmer findet“, so Albinus. Da jedoch in Deutschland bereits tausende von Waschbären in der Natur leben und sich ohne größere Fressfeinde zügig vermehren, sei zu erwarten, dass die Nachfrage gering ist und die vorhandenen Plätze in Tierparks bereits ausgelastet seien.

Fallen nur im abgesperrten Bereich der Vogelinsel

Die Fallen werden nur in bereits abgesperrten Bereichen des Vogelschutzgebietes aufgestellt. Da es sich um einen abgesperrten Bereich handelt, sei laut Stadt kein zusätzlicher Hinweis für die Öffentlichkeit geplant. Die Abstimmungen mit der städtischen Jagdbehörde würden noch laufen. Auf der Vogelinsel leben auch Dachs, Marder und Füchse. Wie es mit diesen Vogelfeinden aussieht, dazu kann die Stadt keine Angaben machen. „Es liegen weder Zahlen von vor zehn Jahren noch aktuelle Zahlen über den Tierbestand vor“, heißt es. Es werde versucht, mittels Entfernung der Landbrücken wie umgestürzter Bäume solche Arten von der Vogelinsel fernzuhalten. Beim Waschbären funktioniere das nicht, da dieser problemlos zur Insel schwimmen könne.

Nabu: Dachs und Fuchs seien auf der Vogelinsel kein Problem

Klaus Lachenmaier vom Bund für Umwelt und Naturschutz Stuttgart (Nabu) erklärt zur Situation: Dachs und Fuchs seien auf den Inseln kein Problem, alle Bodenbrüter kamen mit ihren Bruten bisher durch. Marder könnten eher auf die große Insel gelangen, wurden aber bisher nicht festgestellt. Auch Lachenmaier geht davon aus, dass der Totalverlust einer der größten Graureiherkolonien des Landes auf das Konto der Waschbären geht und mit betroffen seien andere Brutvögel wie Nachtreiher, Schwarzmilan und Graugans. Die Naturschutzbehörden des Regierungspräsidiums und der Stadt seien deshalb nicht nur zum Handeln aufgerufen, sondern hätten auch den gesetzlichen Auftrag dazu.

Wo indes die Nester für die Graureiher geblieben sind, die am Rand des Max-Eyth-Sees gebaut hatten, ist bislang unklar. Dazu antwortet die Stadt: „Wenn die Nester nicht gepflegt werden, werden sie mit der Zeit zerfallen. Die Nester müssten immer noch da sein respektive seien sie durch die Witterung im Winter beschädigt oder zerstört.“ Sie seien jedenfalls von der Stadt nicht entfernt worden. Auf der Vogelinsel gibt es übrigens auch Nutrias, so genannte Biberratten. Sie reduzieren den Schilfbestand am See. Das wirke sich auf die Wasserqualität aus, aber nicht auf den Vogelbestand, heißt es. Im übrigen würden sie auch Würmer und Muscheln fressen.

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