Stadtjubiläum 2027 Statt 1250 Kerzen auf der Torte: Bürger gestalten Esslingens Geburtstagsparty
Kreativ, kunstvoll und kunterbunt: Vorschläge aus der Bürgerschaft zum Stadtjubiläum 2027 wurden vorgestellt.
Kreativ, kunstvoll und kunterbunt: Vorschläge aus der Bürgerschaft zum Stadtjubiläum 2027 wurden vorgestellt.
Die Deko führte zu Missverständnissen. Er habe Hunger und gehe etwas essen, sagte ein Besucher im Alten Rathaus. Aber auf den Stehtischen standen doch lange, schlanke Gläser voller kleiner Nüsse. „Ach, ich dachte, das sind Kieselsteine“. Die Deko mochte missverständlich sein – die Botschaft des Abends war unmissverständlich: Esslingen ist bereit für sein Jubiläumsjahr 2027. Ideenvorschläge der Stadtgesellschaft zur Gestaltung des 1250. Geburtstages im nächsten Jahr wurden in einem launigen Festakt im Alten Rathaus mit Lob, Motivation und Förderbescheiden bedacht.
Ein frischer Einfall nach dem anderen prasselte auf die Besucher im Alten Rathaus hernieder. Vereine, Gruppierungen, Einrichtungen, Netzwerke oder Privatpersonen waren dem städtischen Aufruf gefolgt und hatten viel Gehirnschmalz in die Ausarbeitung von Gestaltungsimpulsen für das Stadtjubiläum gesteckt. Dichterlesungen im Arboretum, monatliche Regenbogen-Frühstücke im Merkelpark, ein Wochenende aller Esslinger Kirchen auf dem Marktplatz, Fotoausstellungen in den Schaufenstern der Küferstraße oder dezente Informationen über QR-Codes an ausgewählten Orten des Ebershaldenfriedhofs sind für 2027 geplant.
Die Fantasie war reichlich gesprudelt und ein riesiger Ideenpool entstanden. 127 Vorschläge waren laut Oberbürgermeister Matthias Klopfer bei der Stadt eingegangen. Aus diesem Reservoir hatte eine sechsköpfige Jury „auf Grundlage eines aufwendigen Auswahlverfahrens“ 55 Projekte ausgewählt. Diese favorisierten Ideen werden mit Fördergeldern unterstützt, deren Bescheide am Dienstagabend im Alten Rathaus verteilt wurden. Insgesamt werden laut Mattias Klopfer 486.000 Euro zur finanziellen Unterstützung der Gestaltungsvorschläge ausgeschüttet. Die Höhe der ausgezahlten Summen fiel je nach Projekt unterschiedlich hoch aus.
Der Titel klingt fetzig – die Idee dahinter ist es auch. Mit 40 000 Euro ging die höchste Fördersumme für ein Einzelprojekt an die evangelische Gesamtkirchengemeinde. Sie möchte ein „Pop-up Museum 777“ in der Stadtkirche St. Dionys kreieren, verriet Dekan Klaus-Peter Lüdke. Eine bisher nicht zugängliche Öffnung an dem Gotteshauses auf der Seite zum Marktplatz hin soll freigelegt werden: „Das hinter diesem Zugang im Gemäuer seit Jahrhunderten verborgene historische Portal wird auf der Außenwand mittels Lichtprojektion neu sichtbar gemacht.“ Hinter diesem Zugang würden sich zwei Kapellen befinden, die Gegenstand des Pop-up Museums sein sollen.
Über den neu geöffneten Eingang soll der Besucher in die Nordturmhalle der Kirche gelangen: „Hier wird er mit Informationen zum Besuch des Museums empfangen.“ Von der Nordturmhalle komme man entweder in die Kirche, in die Sachsenkapelle zum Pop-up Museum oder im Rahmen einer Führung in das bereits bestehende Ausgrabungsmuseum der Stadtkirche.
Für zwei Projekte zu Esslingens 1250. Geburtstag stehen bereits feste Terminierungen. Am Mittwoch, 21. Juli 2027, soll ein altes Theaterstück aus der Neckarstadt im Salemer Pfleghof in der Beutau aufgeführt werden. Die gebürtige Esslingerin Cora Dietl lehrt an die Universität Gießen Germanistik und zufällig, so berichtet die Professorin, sei sie vor Jahren in der auf Schriften aus dem 17. Jahrhundert spezialisierten Nationalbibliothek Wolfenbüttel auf ein altes Drama gestoßen: „Wallfahrt – Himmel und Hölle“ von Dionysius Klein aus dem Jahr 1620.
Der Autor, ein Spitalmeister im Salemer Pfleghof, sei wegen „finanzieller Unregelmäßigkeiten“ noch vor der Aufführung seines Stückes entlassen worden. Doch nun soll es gezeigt werden. Darstellende, sagt die Professorin, werden zwölf Studierende aus einem ihrer Kurse an der Universität Gießen sein. Jedes Jahr würde sie ein Schauspielprojekt anbieten – und 2027 steht Esslingen auf dem Spielplan. Das etwa dreistündige Stück werde auf gut anderthalb Stunden gekürzt.
Im Stadtjubiläum ist auch Musik drin. Für eine klangvolle Projektidee zu Esslingens Geburtstag gibt es ebenfalls bereits ein Datum. Am Samstag, 12. Juni 2027, soll der bis dahin hoffentlich fertig gestaltete Marktplatz zur XXL-Konzertbühne werden. Fünf Musikensembles aus Liebersbronn, Wäldenbronn, Oberesslingen-Zell, Berkheim und Esslingen werden laut Thomas Ertel, dem Vorsitzenden der Stadtkapelle Esslingen, ein harmonischen Stelldichein liefen. Nach jetziger Planung sollen die Ensembles an verschiedenen Seiten von Esslingens zentralem Platz auftreten und aufspielen. Am Ende soll dann der gesamte Klangkörper vereint Musikalisches zu Gehör bringen.
Den eigentlichen Schlusspunkt setzt ein Ensemble aus 777 Musikern – mit Blick auf Esslingens erstmals bislang belegte urkundliche Erwähnung im Jahr 777. Jeder aus der Stadt, der ein Musikinstrument beherrsche und sich einbringen wolle, so Ertel, könne zum Marktplatz kommen und das Riesenensemble mit seinen Klängen bereichern.
Projekte
Für größere Projektideen zum Stadtjubiläum wurden die Förderbescheide bereits vergeben. Doch laut Oberbürgermeister Matthias Klopfer können bis Donnerstag, 30. April, weitere Vorschläge für kleinere Angebote bei der Stadt abgegeben werden. Für sie stehe insgesamt eine Fördersumme in Höhe von 43 700 Euro zur Verfügung.
Förderung
Die 55 ausgewählten Projekte können laut Marius Osswald, dem Leiter des städtischen Sozialamtes, 50 Prozent der zugebilligten Fördersumme wohl ab Mai erhalten. Bis dahin sollte seinen Worten zu Folge der Doppelhaushalt der Stadt Esslingen genehmigt worden sein. Den Rest des Geldes werde es im nächsten Jahr geben. Es sei aber auch möglich, die Gesamtsumme für eine Idee bereits ab Mai abzurufen. Der Antragsteller müsse dann aber eine kurze Begründung mitliefern.
Mehr Informationen stehen unter https://www.esslingen.de/besondersseit777/start