Stadtjubiläum Neue Ortsgeschichte deckt Verborgenes in Köngen auf

Typisches Bauerndorf: Die Ortsmitte vor der Sanierung 1974. Foto: Gemeinde Köngen/Dieter Fischer

Anlässlich ihres Jubiläums hat Köngen das Buch „950 Jahre Köngen – Neue Beiträge zur Ortsgeschichte“ initiiert. Die Autoren entdecken bislang unbekannte Seiten der Gemeinde.

Es hat letztlich ein bisschen gedauert – eigentlich hätte das neue Jubiläumsbuch „950 Jahre Köngen – Neue Beiträge zur Ortsgeschichte“ der Gemeinde Köngen bereits beim offiziellen Festakt im Oktober vorgestellt werden sollen. „Wir hätten das Buch schon bis dahin fertig bekommen“, sagt Kreisarchivar Manfred Waßner, der nicht nur selbst einige Beiträge beigesteuert hat, sondern auch als Herausgeber fungiert. Allerdings wäre es schon sportlich gewesen – auch war der Festakt als nicht öffentliche Veranstaltung nicht unbedingt geeignet, findet Waßner. Nun bekommt das bemerkenswerte Schriftwerk ein eigenes Event und zwar am am 4. Dezember.

 

Neben Waßner werfen fünf Autoren in dem neuen Buch schlaglichtartig Blicke in die Geschichte der Kommune zwischen Neckar und Filder – vom römischen Kastell und dem Siedlungsort Grinario über das hohe Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert. Ziel war es dabei, keine Fortsetzung des Köngener Heimatbuchs von 1985 zu schreiben. „Es sollten Themen herausgegriffen werden, die im ersten Buch noch nicht behandelt wurden“, sagt Waßner.

Nazi-Widerstand und ein neuentdeckter Kopf

Das sei gut gelungen – und auch einige Überraschungen hat es gegeben. Zum Beispiel in dem Beitrag „Der Große Graben. Köngen in den Jahren 1918/19 bis 1948/49“ des Nürtinger Historikers Steffen Seischab: „Er hat noch mal ein ganz neues Bild der Zeit gezeichnet“, lobt der Kreisarchivar. Bislang hätte sich die Forschung auf den Widerstand gegen das Nazi-Regime der Familie Stöffler konzentriert – neue Quellen zeigen nun auf, wie stark die Köngener Arbeiterschaft involviert war. Den Titel findet Waßner sehr passend: „Da ging ein großer Riss durch die ganze Gemeinde“. Auch der bauhistorische Rundgang von Tilmann Marstaller brachte einiges Neues zutage: So ist das historische Rathaus gleich183 Jahre älter als angenommen und in der Peter- und Paulskirche wurde eine Skulptur entdeckt. „Über der Sakristei wurde ein Steinkopf mit vermauert, was bislang nicht bekannt war“, bestätigt Waßner. Die exakte Datierung steht noch aus: „Es ist ungewiss ob der Kopf römisch ist oder aus späterer Zeit stammt.“ Gefunden hat ihn Marstaller übrigens auf abenteuerliche Weise: „Der ist dort einfach in jedes Loch, in jeden Spalt gekrochen.“

Köngen aus unterschiedlichen Blickwinkeln

Neben Waßner, der selbst drei Beiträge über Köngen im Mittelalter und der frühen Neuzeit sowie über die Jahre 1949 bis ins 21. Jahrhundert beisteuerte, und Seischab sowie Marstaller waren auch der gebürtige Esslinger Martin Luik, der als Prähistoriker und Archäologe unter Einbeziehung neuer Funde ein neues Bild von der Geschichte des Römerkastells und der angeschlossenen Zivilsiedlung Grinario zeichnet, der ehemalige Journalist Thomas Schorradt, der zwölf Zeitzeugeninterviews beisteuert, sowie der Autor des ersten Köngener Heimatbuches Gerhard Hergenröder beteiligt. Letzterer hat sich die Sagen und Mythen aus dem Ort noch mal vorgenommen – von Sauglocke übers Schloss bis zur Ulrichsbrücke. Begleitend zum Buch sind im kommenden Frühjahr Fachvorträge der Autoren in Planung.

Vorgestellt wird das Buch „950 Jahre Köngen – Neue Beiträge zur Ortsgeschichte“ am 4. Dezember um 19 Uhr in der Köngener Zehntscheuer, der Eintritt ist frei. Ab dem 5. Dezember ist es im Rathaus und im Buchhandel erhältlich. Das 240 Seiten umfassende Buch ist reich bebildert und kostet 25 Euro.

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