Stadtkind Stuttgart

Stadtkind-Kolumne Das Grauen namens Ferien

Von Ina Schäfer 

Der derzeit angesagteste Club der Stadt: ein Einzelhändler im Milaneo mit langer Schlange und handlicher Papiertüte. Noch gruseliger dieser Tage: Das anstehende Halloweenfest. Wir haben Tipps!

Fast gruseliger als so manches Halloween-Kostüm... Foto: StZ
Fast gruseliger als so manches Halloween-Kostüm... Foto: StZ

Stuttgart - Fast könnte man meinen, der derzeit hippste Schuppen der Stadt befindet sich in dem kürzlich gelandeten Ufo namens Milaneo am Rande der Innenstadt. Der Club heißt Primark, die Schlangen sind ähnlich lang wie vor der Schräglage, wenn dort Afrob spielt, und das Publikum ist sogar noch jünger. Egal wo das Stadtkind sich derzeit herumtreibt, ob auf dem Schlossplatz oder vor dem Stadtkind-Büro in Nachbarschaft zum Club Kowalski am Stuttgarter Hauptbahnhof: Überall stehen Horden junger Menschen, die verschwörerisch flüsternd nach dem Weg zu diesem fetzigen Primark fragen. Anscheinend ist die liebste Freizeitbeschäftigung des ausgehfreudigen Pforzheimers, Ludwigsburgers oder Waiblingers ein Besuch in diesem ominösen Primark. Im Milaneo sind ganze Kleinstädte unterwegs, jeder zweite Besucher trägt frisch Erlegtes in Papiertüten spazieren. Verrückte Welt.

Ähnlich anstrengend wie ein Milaneo-Ausflug während der Herbstferien ist das anstehende Halloweenfest. Bleiben wir an dieser Stelle in unserem Lieblingswarenhaus: Da hat man nämlich an alles gedacht und im Erdgeschoss den Laden „Party Fiesta“ eingerichtet. Dort bekommt man für den gruseligen Freitag alles, was man braucht: Kostüme, Schminke, Totenkopftäschchen, Süßes und Saures.

Partys mit Gruselfaktor

Leider hilft das alles nichts, um bei der angesagtesten Halloweenparty der Stadt dabei zu sein. Der „Dia de los Muertos“, die mexikanische Variante von Halloween in den Wagenhallen, ist nämlich schon seit Wochen ausverkauft. Es gibt aber auch noch andere Party-Kandidaten mit Gruselfaktor. Etwa das Rock’n’Roll-Halloween im Goldmark’s am Charlottenplatz. Die inzwischen mehr als traditionelle Party wird moderiert von einem mysteriösen Herrn namens Johnny Montezuma aus Mexiko. Es spielen außerdem zwei Bands, und das beste Kostüm gewinnt einen Preis.

Im Zwölfzehn an der Paulinenbrücke wird die „Night oft the dead Popstars“ gefeiert. Wer dort mitmachen möchte, sucht sich einfach seinen liebsten toten Popstar aus, tupiert sich die Haare wie Amy Winehouse, wirft sich in karierte Flanellhemden wie Curt Cobain oder schminkt sich die Lippen rot wie Marilyn Monroe. Klingt geschmacklos, ist es auch, macht aber Spaß.

Bloody Zolly in Bad Cannstatt

Im Club Zollamt in Bad Cannstatt werden die Gäste derweil mit einem Bloody Zolly in Empfang genommen. Danach gibt’s Musik auf vier verschiedenen Floors, von Dancehall bis Deep House, und gruselige Deko auf dem ganzen Gelände.

An dieser Stelle ein Kostüm-Tipp: In Chicago haben wir an Halloween einmal einen jungen Herrn im rosa Ganzkörperlatexanzug getroffen, auf dem Kopf trug er einen Stuhl. Als was er verkleidet war? Als Kaugummi unter einer Sitzgelegenheit. Kann man locker machen.

Wer dem ganzen Theater nichts abgewinnen kann, hat am Freitag natürlich Alternativen. Im Schlesinger etwa feiert die etwas andere Karaoke-Party „Sing du Sau“ ihr elfjähriges Bestehen. Das Schöne: die Mutigen trällern ihr gewähltes Liedchen nicht zur Musik vom Band, sondern mit Band im Rücken. Wie ein echter Rockstar. Wer sich „Atemlos“ von Helene Fischer wünscht, wird übrigens zu den untoten Promis rüber ins Zwölfzehn geschickt.